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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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255
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§ 31. Die Volksrechte und die Leges Romanae. 255

noch im 13. Jahrhundert das Bedürfnis einer amtlichen spanischen Über-setzung (Fuero de Cordova, Fuero juzgo) hervortrat 12 .

Nach Inhalt und Form nimmt die Lex Wisigotorum unter allengermanischen Gesetzbüchern die unterste Stufe ein; sie liefert einen be-dauerlichen Beleg für den heruntergekommenen Zustand des Westgoten-reiches in dem letzten halben Jahrhundert seines Bestehens. Dem Ge-bote, daß fortan nur noch nach diesem Gesetzbuch gerichtet werden dürfe,hat sich freilich der germanische Volksgeist nicht gefügt. In den spanischenGewohnheitsrechten derFueros" hat sich vielfach, den römischen Auf-fassungen des Gesetzbuches gegenüber, altgotisches Becht, wenn auchvom fränkischen Becht stark beeinflußt, erhalten 13 .

2. Die ostgotischen Gesetze 14 . Theoderich der Große, in dessenBeiche die Goten im übrigen nach gotischem, die Bömer nach römischemBecht lebten, erließ, wahrscheinlich noch vor der Berufung Cassiodorsals quaestor palatii (507), ein 155 kurze Kapitel umfassendes Gesetz, dasEdictum Theoderici 15 , das für die Bechtsfälle des täglichen Lebens(illa quae possunt saepe coniingere) eine Bechtseinheit schaffen und daherfür Goten und Bömer gleiche Verbindlichkeit haben sollte (quae barbariRomanique sequi debeant super expressis articulis). Die Bestimmungendes Edikts sind größtenteils römischen Bechtsquellen entlehnt, nament-lich auch der bereits erwähnten Interpretationsliteratur, die auch derLex Bomana Burgundionum als Quelle gedient hat. Für die durch dasEdikt nicht geregelten Fälle behielten die verschiedenen Nationalitätenihr besonderes Becht. Einzelne Gesetze Theoderichs und Athalarichs,

12 Vgl. Fuero Juzgo en latin y Castellano, Madrid 1815. In Katalonienwurde die L. Wis. 1251 außer Kraft gesetzt. Einewahrscheinlich hier im Anfangdes 13. Jahrhunderts entstandene Glosse bei v. Bonin Eine Glosse zur L. Wisi-gotorum, N. Arch. 29, 51 ff.

13 Vgl. Eicker Veiwandtsch. des got.-span. u. norw.-isl. R. (S. 15 n.2); Unter-suchungen (S. 4). Wolf Beitrag zur Rechtssymbolik aus span. Quellen, WSB. 51(1865). Hinojosa Das germ. Element im spanisch. Recht; ZRG. 44, 282. ZeumerN. Arch. 23, 426. 511. v. Amira 3 21. Brunner l 2 , 494. Über die Beeinflussungseitens des fränkischen. Rechts vgl. die S. 15 n. 2 angeführten Ausführungen vonMaurer und Amira.

14 Vgl. Dahn Könige 4 (1866). v. Daniels Handbuch 1, § 68. Brunner l 2 ,525. Stobbe 1, 94. v. Amira 3 20. v. Savigny G. d. röm. R. 2, 172. HänelLex Rom. Visig. praef. pg. 91. Mommsen Ostg. Studien, N. Arch. 14, 223. 451ff.517ff. Schupf er L'editto di Teoderico, Accademia dei Lincei, Ser. IV a. 3, 223ff.:Manuale 1895 S. 32ff. Del Giudice Nuovi Studi (S. 10) 208. 327. Kariowaa.a.O. 1, 948ff. v. Bethmann-Hollweg Zivilprozeß 1, §54. v. Glöden Dasrömische Recht im ostgotischen Reiche 1843. Gaudenzi Entstehungszeit desEdictum Theoderici, ZRG. 20, 29-; Gli editti di Theodorico e di Atalarioo 1884.Patetta Süll' anno della promulgazione delP editto di Teodorico, Atti della Acad.delle Sc. di Torino 28 (1893). Hartmann G. Italiens i. Mittelalter 1, 117ff.v. Halban a. a. 0. 1, 124ff. 192. 275. 2, 74. A. Schmidt ZRG. 29, 245. AffolterDas intertemporale Privatrecht 138f.

16 Ausg. Bluhme MG. Leg. 5, 145ff. Padeletti Eontes iur. Ital. 1, 3ff.I