256 Fränkische Zeit.
darunter das von Cassiodor verfaßte Edictum Athalarici, finden sich inden „Variae" des Cassiodor 16 . Nach der Vernichtung des Ostgotenreichesdurch Justinian wurde für Italien die gesamte ostgotische Gesetzgebungzugunsten der justinianischen aufgehoben, während sie in der Provenceauch unter der fränkischen Herrschaft in Geltung geblieben sein muß 1 '.
3. Die burgundischen Gesetze 18 . Die Lex Burgundionum(Über constüutionum) ist ein Gesetzbuch des Königs Gundobad aus demEnde des 5. Jahrhunderts, zum Teil unter Benutzung des westgotischenGesetzbuches Eurichs, zum Teil auf Grund älterer burgundischer Königs-gesetze, sodann durch Novellen Gundobads (von 501—515) und Sigis-munds (die letzte von 517), die an den geeigneten Stellen eingefügtwurden, vermehrt, ohne daß eine eigentliche Neuredaktion stattgefundenhat. Außer einem von 31 Grafen unterzeichneten Einführungsgesetz(prima constitutio) zeigen die Handschriften einen festen Kern von88 Titeln, an den sich eine Gruppe von weiteren 17 Titeln anschließt. Esfehlt nicht an Spuren des römischen Rechts, obwohl das Gesetz im all-gemeinen durchaus germanisches Gepräge hat. Auch nach 534 blieb dieLex Oundobada (eine Bezeichnung, die auch das burgundische Gewohn-heitsrecht mitumfaßte) als persönliches Recht der Burgunden (Gundo-ladingi) bis über das 9. Jahrhundert hinaus in Geltung.
16 Ausg. von Mommsen MG. Auct. ant. 12, 60. 66. 268. 282. Vgl. BeiGiudice (n. 14) 208.
17 Vgl. n. 7. Bluhme a. a. O. 170ff. Die Reste des ostgotischen Volkes be-hielten gleichwohl ihr gotisches Recht bei. Vgl. Urkunde des Goten Stavila, civisBrixianus vivens legem Qothorum, Hist. Patriae Monum. 13 Nr. 38 (a. 769). Brunnerl 2 , 396f. Hist. Z. 65, 316. 78, 194. Vielleicht (wenn nicht auf das westgotiseheRecht zu beziehen) auch die Urkunde des Obezo, jilius quondan Bozoni de vicoOodi, et Dominica, iugalibus, qui professi sumus legem vivere Golhorum (a. 1045).Tamassia Una professione di legge gotica in un documento mantovano del 1045,Arch. giur. 68, 401ff. (1902); Le professioni di legge gotica in Italia, Atti eMemorie della R. Acad. di scienze in Padova 19, 1 (1903). Anderer AuffassungSchupfer Rivista ital. per la scienza giur. 34, 2. 3. 35, 1.
18 Ausgaben: MG. Leg. 3, 497ff. 579ff. (Bluhme) 1862; MG. Leg. Sectio 1,tom2 (v. Salis) 1892; Pontes rerum Bernensium 1, 90ff. (Binding) 1880. Diplo-matisch getreue Abdrücke sämtlicher Handschriften der L. Burg, bei Valentin-Smith La Loi Gombette, 14 Hefte, Lyon 1889ff. — Literatur: Brunner l 2 , 497,506. v. Amira 3 20. Dahn Könige XI 98. Kubier Zur Sprache der LegesBurgundionum, Wölfflins Arch. f. lat. Lexikographie 8, 445. v. Salis u. Bluhmein ihren Ausgaben. Bluhme JB. d. gem. deutsch. R. 1, 48ff. 2, 197ff. 5, 207ff.;Hist. Z. 21, 234. Boretius ebd. 21, 1. Hube Revue hist. de droit 13, 209.Zeumer N. Arch. 25, 257. Stobbe 1, 100—119. v. Daniels Handbuch 1, 154—78.Tardif Hist. des sources du droit francais 1890 S. 124ff. 169ff. v. Savigny (n.5)2\ lff. 7, 30ff. Ginoulhiac Revue hist. de droit 2, 529. Gaupp Ansiedlungen296ff. v. Halban a. a. O. 1, 268ff. 284ff. Kariowa (n. 5) 1, 983f. Affolter(n. 1) 140ff. Krüger G. d. Qu. u. Lit. d. röm. R. 1888 S. 317. MommsenN. Arch. 25, 587 ff. — Über eine bisher unbekannte Handschrift der GundobadaPetot Nouv. Revue 1913 S. 337ff. H. Mitteis ZRG. 47, 407. Zeumer N. Arch.25, 257ff. Über ein angebliches „Caput legis Gundobae" Conrat ebd. 37, 275.