§ 31. Die Volksrechtc und die Leges Romanae. 253
quellen, die in -wörtlichen Auszügen (nur die Institutionen des Gaius inselbständiger Bearbeitung) rein äußerlich, ohne Verarbeitung und System,aneinandergereiht wurden. Durch die zum Teil auf der römischen Inter-pretationsliteratur des 5. Jahrhunderts beruhende, den einzelnen Quellen-stellen beigefügte Interpretatio gelangte die Lex. Romana zu größtem An-sehen in ganz Westeuropa, so daß sie, obwohl seit Rekkessvinth bei denWestgoten außer Kraft gesetzt, in den früher westgotischen Teilen desfränkischen Reiches Geltung behielt, ferner in Burgund und der Provencerezipiert und auch sonst vielfach benutzt wurde und noch auf Jahrhundertehinaus eine umfangreiche Rechtsliteratur von Auszügen (epitome) undGlossen hervorrief 6 .
Das inzwischen durch Gesetze späterer Könige vermehrte Gesetzbuchdes Eurich erhielt unter Leovigild (572—86) eine Neuredaktion, die demlangobardischen Edikt des Rothari zum Teil als Vorlage gedient hat undvielleicht ebenfalls die Bezeichnung „Edikt" führte, später aber in derLex Wisigotorum als „Antiqua" bezeichnet wurde 7 . Eine dritte Redaktion
u. Lit. d. röm. R. 309. Mommsen Cod. Theodosianus I pg. 65ff. v. Wretschkoebd. pg. 307ff. Fitting ZRG. 11, 222. 325. Hitzig ebd. rom. 27, 187. KariowaRömische RG. I 976. Zeumer N. Arch. 23, 472ff. Fragmente einer Leoner Pa-limpsesthandschrift: Legis Romanae Visigotorum fragmenta, Madrid 1896. Eindarin überliefertes Gesetz des Königs Theudis von 546 bei Zeumer S. 467. Vgl.N. Arch. 23, 77ff. 475.
6 Vgl. v. Wretschko a.a.O. (n. 5). Conrat Qu. des röm. R. I 218ff.Zeumer N. Arch. 24, 120f. Halban a. a. 0. II 323ff.
7 Vgl. n. 53. TJrefia a. a. O. 323ff. Zeumer N. Arch. 23, 475ff. Isidor vonSevilla (f636) berichtet von Eurich (Hist. de reg. Got. c. 35): Sub hoc rege Gothilegum institula scriptis habere coeperunt; nam antea tantum moribus et consuetudinetenebantur, sodann von Leovigild (c. 51): In legibus quoqueea, quae ab Eurico incon-dite constituta videbantur, correxit, plurimas leges praetermissas adiciens plerasquesuperfluas aujerens. In das Gesetzbuch Leovigilds wurden auch verschiedene Be-stimmungen der Lex Romana von 506 aufgenommen. ■— Ein wertvolles Bruch-stück einer Rechtsquelle gotischen Ursprungs sind die nach ihrer Fundstelle be-zeichneten Holkhamer Kapitel (nach ihrem Entdecker Fragmente Gaudenzis),herausgegeben und kommentiert von Gaudenzi Un antica compilazione didiritto romano e visigoto con alcuni frammenti delle leggi di Eurico, Bologna1886, jetzt auch bei Zeumer Leges Visig. 469ff. und Leges Visig. antiqu. 317f.(Collectio iuris Romano-Visigothici). Wegen mehrfacher Bezugnahme auf einedictum regis (c. 7. 10. 11) zum Teil für ein Bruchstück eines Edikts Theode-richs II (so von TJrefia) oder Eurichs (Gaudenzi) oder eines in Italien entstandenenostgotischen Edikts (Patetta) erklärt, trägt unsere Quelle doch zu deutlich denCharakter einer das westgotische Gesetzbuch ergänzenden, partikularrechtlicheAbweichungen hervorhebenden lokalen Rechtsaufzeichnung privaten Ursprungs.Unter dem edictum regis ist entweder das Gesetzbuch Eurichs oder das des Leovigildzu verstehen, außerdem ist die Interpretatio, das Edikt Theoderichs des Großen,vielleicht auch die burgundische Gesetzgebung berücksichtigt. Entstanden ist dieRechtsaufzeichnung jedenfalls in einer Gegend, wo west- und ostgotische Einflüssesieh berührten, also entweder Mitte des 6. Jahrhunderts in der Provence oderEnde des 6. Jahrhunderts in Septimanien. Vgl. Zeumer Leg. Vis. pg. 16; N. Arch.12, 389. 23. 465. A. B. Schmidt ZRG. 22, 223. 24,"213ff. 29, 235ff. ConratG. d. Quellen 1, 270—82. Brunner RG. I 2 , 494f. v. Amira 3 21. Patetta Sui