§ 30. Die Rechtsbildung im allgemeinen. 249
recht) 9 , das für sie in derselben Weise, wie für die Germanen ihr Volks-recht, den Charakter eines persönlichen Rechtes erhielt 10 . Mehrfach ließendie germanischen Herrscher für ihre römischen Untertanen besondereRedaktionen des römischen Rechts (leges Romanae) herstellen.
Die gleiche Rücksicht wie den römischen Provinzialen ließ man wohlallgemein, im Gegensatz zu den im Lande weilenden Fremden, auch dengermanischen Bewohnern einverleibter Gebiete, die dem herrschendenStamme nicht angehörten, zuteil werden 11 . Jedenfalls kam im Franken-reich, das die verschiedensten Stämme gleichmäßig umfaßte, das vollePrinzip der persönlichen Rechte, nach dem jeder Reichsangehörigedas Recht seines Stammes überall im Reiche mit sich trug, zur Anerken-nung 12 . In Italien führte dies Prinzip, das mit der fränkischen Eroberunghier sofort Eingang fand, zu der später auch in Burgund und Septi-
9 Vgl. S. 108. v. Halban Rom. Recht 1, 531 189f. 272f. 2, 72f. BrunnerRG. der Urkunde 113ff. 139ff. Siehe auch Mitteis Reichsrecht u. Volksreehti. d. östlichen Provinzen des röm. Kaiserreichs 1891.
10 \^ e ge n des römischen Rechts im Langobardenreich vgl. (gegen HegelStädteverfassung von Italien 1, 382ff.) Liutpr. 91. 127. Schröder Ehel. Güter-recht 1, 20f. Brunner l 2 , 380. 532f. v. Halban a. a. 0. 2, 52ff. Neumeyera. a. 0. 134ff. 223ff. v. Bethmann-Hollweg a. a. O. 1, 332ff. Schupfer Istitu-zione politiche langobardiche 156—99. E. Mayer It. VG. 1, 25ff. M. Conrat G. d.Quell, u. Liter, d. röm. Rechts 1, 50ff. Für das fränkische Reich bestimmte diepraeceptio Chlothars II c. 4 (MG. Cap. 1, 19): Inter Romanos negutia causarumRomanis legebus praecepemus terminari. Die Kirche als juristische Person lebtenach römischem Recht, das Recht der einzelnen Kleriker richtete sich nach ihrerNationalität, die Eigenkirchen folgten dem Recht des Kirchherrn. Vgl. S. 156.Loening Kirchenr. 2, 284ff. Eichhorn 1, 274f. Brunner l 2 , 393f. MG. Cap. 1,192 c. 6. 212. Lib. Papiens. Pipp. c. 6, Karol. c. 142, beide nebst expositio. Aller-dings bestimmte Lib. Pap. Ludov. Pii c. 53: ut omnis ordo aecclesiarum secundumlegem Romanam vivat, aber die urkundlichen Professionen italienischer Klerikerzeigen, daß diese sich zwar zum römischen Recht bekennen konnten, es aber häufigvorzogen, ihr angestammtes Recht zu behalten. Zum Teil anderer Meinungv. Savigny G. d. röm. R. im MA. 2 1, 142f. 146. v. Bethmann-Hollweg
2, 77 ff.
11 Vgl. Dahn Könige 7, 1 S. 132ff. 3 S. lff. Hist. Z. 78, 194. Waitz 2, 1S. 108 n. v. Bethmann-Hollweg 1, 155f. 184. 331. L. Burg. 47, 1. Rothar. 367.Liutpr. 91. Paul. Diac. Hist. Langobard. 3 c< 6.
18 L. Rib. 31 § 3: Hoc autem constituemus, ut infra pago Ribuario tarn Franci,Burgundionis, Alamanni, seu de quacumque natione conmoratus fuerit, in iudiciointerpellatus, sicut lex loci contenit, ubi natus fuit, sie respondeat. § 4: Quod si dam-natus fuerit, secundum legem propriam, non secundum Ribuariam, damnum susteneat.Form. Marc. 1, 8 (§ 19 n. 36). Cap. missorum, MG. Cap. 1, 67 c. 5. Vgl. Brunnerl 2 , 382ff. v. Amira 3 23. v. Daniels Handbuch 1, 109ff. Waitz 2, 1 S. 108ff.
3, 344ff. 4, 403; Das alte Recht 97ff. Dahn Könige 8, 4 S. llff. v. SavignyG. d. röm. Rechts im MA. 2 1, 115ff. Eichhorn 1, § 46. Pardessus Loi Salique,diss. 2. v. Bethmann-Hollweg 1, 455ff. 2, 72ff. Gengier RDenkm. 51f. StobbeJB. d. gem. deutsch. R. 6, 23ff. Gaupp Ansiedlungen 218ff. 241ff.; ZDR. 19, 161.Mommsen Ostg. Stud., NA. 14, 525. v. Richthofen Zur Lex Sax. lOff. WildaStrR. 678ff. Lupi Cod. dipl. Bergom. diss. 4 pg. 213—32. Muratori Antiqu. 2,diss. 22. Padelletti Arch. stör. ital. 3, 20 S. 431ff. Salvioli Atti e doc. delle