§ 29. Die Stände. 245
Recht, so daß sich sein Wergeid, wenn er in Königsdienst eingetreten war,auf das Dreifache erhöhte.
Die Juden 78 nahmen unter den Franken, im Gegensatz zum West-gotenreich, eine leidlieh günstige Stellung ein, da sie sich durch ihren Handelund die unter ihnen verbreitete Arzeneiwissenschaft vielfach unentbehr-lich machten. Sie waren persönlich frei und konnten Grundbesitz er-werben, durften aber keine christlichen Knechte haben, auch war ihnender Zutritt zu öffentlichen Ämtern verschlossen. Unter sich lebten sienach jüdischem Recht, Christen gegenüber hatten sie sich von gericht-lichen Anschuldigungen durch einen nach jüdischem Brauche geschworenenEid zu reinigen. Ein Volksrecht besaßen sie nicht, weder das römische,noch das jüdische; der Rechtsschutz, den sie genossen, beruhte aus-schließlich auf dem ihnen vom König gewährten Schutz, war also jeder-zeit widerruflich. Besondere Privilegien erhielten die ausdrücklich in denKönigsschutz aufgenommenen Juden, die dafür einen Schutzzins an diekönigliche Kammer entrichteten 79 . Ein typisches Judenschutzrecht imSinne des Mittelalters war dem fränkischen Reiche noch unbekannt 80 .
Drittes Kapitel.Die Rechtsquellen.
Stobbe G. der deutsch. Rechtsquellen I. 1860. Gengier Germ. Rechts-denkmäler 1875. Davoud-Oghlou Histoire de la legislation des anc. Germains2Bde 1845. Brunner l 2 , 376ff. v. Amira 3 18ff. V.Daniels Handbuch 1,107—313. Waitz 2 3 , 1 S. 86—135. 3 2 , 599—630. v. Schwerin DRG. 106ff.v. Sybel Königtum 2 358ff. Gfrörer Zur G. deutscher Volksrechte 1, 167ff. 322ff.Dahn Könige 7, 2 S. 31ff. 8, 3 S. lff. 9, 1 S. 283; DG. 1, 2 S. 548ff. GlassonHistoire 2, 134—242. Viollet Histoire du droit civil francais 95—134. SalvioliManuale di storia del dir. ital. 40ff. Pertile Storia del dir. ital. I 2 , 116—64. ÄltereQuellenausgaben: Sichärd (1530), Tilius (1573), Herold (1557), Lindenbrog(1613), Baluzius (1687), Georgisch (1738), Bouquet (1738), Canciani (1781—92),Walter (1824).
78 Vgl. Stobbe Juden in Deutschland 3ff. 197ff. Waitz 2, 1 S. 270f. 4, 44.237. 343f. Loening G. d. Kirchenr. 2, 51ff. Heusler Inst. 1, 147ff. Brunnerl 2 , 402ff. 2, 49. Dahn Könige 7, 1 S. 306ff. 7, 3 S. 20. 207ff. 8, 2 S. 243ff.9, 1 S. 213. Dopsch 1, 149. 2, 331f. Höniger Zur G. d. Juden in Deutschi. 16ff.(Z. f. G. d. Judentums in Deutschi. 1). Tamassia Stranieri ed Ebrei (§ 30 n. 14).MG. Cap. 1, 258 Nr. 131. Scherer R.-Verh. der Juden i. d. deutsch-österr. Ländern1901 S. 19ff. 62ff. Liebermann Gl. 527.
79 Vgl. Form, imperiales 30. 31. 52 (MG. Form. 309f. 325).
80 Die dafür bisher angeführten Form, imper. 32 und 37 können nach denAusführungen von Tangl N. Arch. 33, lff. nicht in Betracht kommen, da dervon Zeumer MG. Form. 311 und 315 gegebene Text auf einer irrtümlichen Lesartberuht.