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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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144
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144 Fränkische Zeit.

bringer königlicher Befehle, sondern Treuhänder (Gewaltboten") desKönigs, so daß sie hinsichtlich der inneren Reichsverwaltung durchaus andes Königs Stelle standen und nur diesem für die Innehaltung ihrer Auf-träge verantwortlich waren* 5 . Sie walteten ihres Amtes daher nicht nachVolksrecht, wie die Herzöge und Grafen, sondern nach Amtsrecht; auchhatten sie das Recht des Königsbannes.

Unmittelbar nach Antritt ihres Amtes, nach einer Verordnung Lud-wigs des Frommen im Mai (also im Anschluß an den Reichstag), hattensie einen Landtag abzuhalten, zu dem die geistlichen und weltlichen Be-amten und die königlichen Vassalien des ganzen Sprengeis entboten wur-den; wo die Ausdehnung des Sprengeis es notwendig machte, konnte dieVersammlung auf zwei oder drei verschiedene Orte verteilt werden, so daßstatt eines allgemeinen Landtages mehrere Sonderlandtage stattfanden 46 .Auf dem Landtag hatten die Königsboten die ihnen aufgetragenen Mit-teilungen zu machen, die für ihre Aufgaben erforderlichen Anordnungenzu treffen, Beschwerden anzuhören, und, wenn es anging, sofort zu er-ledigen. Auch Personen, die nicht geladen waren, konnten sich einfinden,um ihre Beschwerden vorzubringen.

Die Tätigkeit der Königsboten war auf einen Monat in jedem Viertel-jahr beschränkt, so daß immer zwei Monate Frist blieben, um dem KönigBericht erstatten und neue Instruktionen einholen zu können; auch diesonstige amtliche Stellung der Königsboten, namentlich der geistlichen,mochte diese Unterbrechungen ihres Dienstes notwendig machen. Wäh-rend jedes der vier Amtsmonate hatten sie an vier verschiedenen Ding-stätten Gericht abzuhalten, so daß während eines Jahres sechzehn missa-tische Gerichtssitzungen stattfanden 47 . Außerdem sollten sie das Land

45 Vgl. Brunner 2, 190. Über die bis Ende des 9. Jahrhunderts im Ge-brauch gebliebenen außerordentlichen Königsboten, die mit den ordentlichendurchaus konkurrierten, für Ein- und Absetzung von Grafen und Übertragungvon Krongütern aber ausschließlich zuständig waren, vgl. Krause a. a. 0. 252ff.

46 Vgl. Ludwigs Commemoratio missis data von 825 (MG. Capit. 1, 308)und sein Legationis capitulum (309f.). In dem letzteren heißt es: Itaque volumus.ut medio mense maio conveniant idem missi, unusquisque in sua legatione, cumOmnibus episcopis, abbatibus, comitibus ac vassis nostris, advocatis nostrie ac vice-dominis abbalissarum necnon et eorum qui propter aliquam inevitabilem necessi-tatem ipsi venire non possunt ad locum unum; et si necesse fuerit, propter opor-tunitatem conveniendi, in duobus vel tribus locis, vel maxime propter pauperespopuli, idem conventus habeatur, qui omnibus congruat. Et habeat unusquisquecomts vicarios et centenarios suos secum, necnon et de primis scabinis suis tres autquattuor.

47 Vgl. Karls Capitulare de iustitiis faciendis von 81113 c. 8 (MG. Cap. 1,177): Volumus, ut propter iustiiias, qude usque modo de parte comitum r&manserunt,quatuor tantum mensibus in anno missi nostri legationes suas exerceant, in hiemeianuario, in verno aprili, in aestate iulio, in autumno octobrio. Ceteris vero mensi-bus unusquisque comitum placlium suum habeat et iustitias faciat. Missi autemnostri quaier in uno mense et in quatuor locis habeant placita sua cum Ulis comiti-bus, quibus congruum juerit, ut ad eum locum possint convenire. Daß die Königs-boten bei ihrer richterlichen Tätigkeit an die ordentlichen Gerichte gebunden ge-