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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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104 Fränkische Zeit.

walde im Norden bis zur Loire im Süden gebot. Schon damals scheinensich ihm die chattischen Franken angeschlossen zu haben, die ihre ur-sprüngliche Verwandtschaft mit den Saliern wohl nie ganz außer acht ge-lassen hatten. Durch die chattischen Franken wurde Chlodovech mit ihrenNachbarn, den Thüringern und Alamannen, in Krieg verwickelt; dieersteren machte er schon 490 tributpflichtig, die Alamannen wurden 496,endgültig nach 501 dem fränkischen Reich einverleibt, bis auf die zunächstdurch Theodericb den Großen vor dem gleichen Schicksal bewahrten Be-wohner der Alpenlande im oberen Rätien. Das letzte Jahrzehnt seiner Re-gierung füllte Chlodovech mit der Eroberung der westgotischen Besitzungenzwischen Loire und Garonne (507) und der Beseitigung der übrigen fränki-schen Könige aus. Den salischen Königen folgte er als Verwandter ohneweiteres in der Herrschaft, von den Ribuariern wurde er durch Volksbe-schluß zum König erhoben 5 . Damit war die Einheit des gesamten Franken-reiches hergestellt und seine Verbindung mit anderen germanischen wieromanischen Ländern angebahnt.

Auf Chlodovech folgten seine Söhne Theoderich I 6 , Chlodomer, Childe-bert I und Chlothar I. Sie teilten das Reich, wußten aber gleichwohl seineGrenzen noch mehr zu erweitern; 531 wurde Thüringen (bis auf den vonden Sachsen eroberten Nordthüringgau), 534 Burgund erobert, dazu kamendie westgotischen Besitzungen zwischen der Garonne und den Pyrenäen,die früher westgotische, seit 509 ostgotische Provence, die Alamannen inRätien (536) und die Baiern, die letzteren wohl durch freien Anschluß.Nachdem die drei anderen Linien ausgestorben waren (558), vereinigteChlothar I das ganze Reich in seiner Hand. Nach reinem Tode (561) wurdees wieder unter seine Söhne geteilt. Zwei von ihnen hinterließen keineNachkommen. Sigibert (f 575) wurde von seinem Sohne Childebert II(f 595), dieser von Theodebert II und Theoderich II beerbt. Der Sohnund Nachfolger des vierten Bruders, Chilperich, war Chlothar II (584 bis629), in dessen Hand das ganze Reich 613 infolge einer den Stamm Sigi-berts gewaltsam beseitigenden Thronrevolution der austrasischen Großennoch einmal vereinigt wurde. Chlothar II nahm 623 seinen Sohn Dagobert I(f 639), dieser 634 seinen Sohn Sigibert III zum Mitregenten für Austrasien an.

Durch die Bürgerkriege war die Kraft des Reiches erschöpft, durchdie Thronrevolution von 613 in Austrasien die königliche Gewalt zugunstender Landesaristokratie auf das äußerste geschwächt. Schon 614 sah Chlo-thar sich genötigt, ihr in seinem Pariser Edikt weitgehende Zugeständnissezu machen. Unter den Nachfolgern Dagoberts entwickelte sich innerhalbder einzelnen Reichsteile das Amtsherzogtum in einer mit der Reichs-einheit unvereinbaren Weise zu einem erblichen Stammesherzogtum, wäh-

6 Die Königswahl erfolgte unter Waffengetöse (väpnatak) und Erhebung aufden Schild. Gregor. Tur. ffist. Franc. 2 c. 40. Vgl. S. 29.

6 Diesem folgte als König in Austrasien sein kraftvoller Sohn Theodebert I(533548), sodann dessen Sohn Theodebald (f 555).