102 Fränkische Zeit.
Galliens, dem sogenannten litus Saxonicum, geführt. Um die Mitte des5. Jahrhunderts ließ sich die erste sächsische Heerschar in Britanniennieder. Indem eine Heerschar nach der anderen folgte, wurde allmählichder größte Teil des Landes bis zum Forth von den Einwanderern in Besitzgenommen, während die von ihren Einwohnern verlassenen Teile der cim-brischen Halbinsel von Dänen besetzt wurden. Die Besiedelung Britannienserfolgte in der Weise, daß in den nördlichen Königreichen Northumbrien,Mercia und Ostangeln die anglische, in Ost-, West- und Südsachsen (Essex,Wessex, Sussex) die sächsische, in Kent und auf der Insel Wight die jütischeBevölkerung überwog. Zu Anfang des 7. Jahrhunderts nahmen Nort-humbrien und Kent, seit dem 8. Jahrhundert aber Mercia und Wessexdie führende Stellung ein, bis im Anfang des 9. Jahrhunderts König Egbertvon Wessex die Oberherrlichkeit über sämtliche Königreiche • erwarb undgegen Ende des Jahrhunderts Aelfred der Große, nachdem er das Landvon der Herrschaft der Dänen befreit hatte, den angelsächsischen Einheits-staat herstellte.
§ 15. Die Gründung und Ausbreitung des fränkischen Reiches.
Schröder Die Franken und ihr Recht, ZRG. 15, 1 und die dort ange-führte Literatur. Mayer-Homberg Die fränkischen Volksrechte im MA. 1,1—54, wodurch die bisherigen Anschauungen vielfache Berichtigung erfahrenhaben. Waitz 2 3 , 1 S. 20ff. v. Sybel Königtum 2 159ff. Dahn Könige 7,1 S. lff. 8, 1 S. lff. Brunner l 2 , 272ff. Bremer a. a. 0. (S. 96) 874ff.Arnold Ansiedlungen und Wanderungen 147ff. Lamprecht Fränkische Wande-rungen und Ansiedlungen, Z. des Aachener GV. 4, 189ff.; Wirtschaftsleben 1,lff. 153ff. 158. Heusler VG. 27ff. Stein Arch. TJFrk. 39. Much bei Hoops2, 81. v. Halban (S. 97) 2, 204ff.
Die vornehmsten Träger des seit Anfang des 3. Jahrhunderts er-wähnten Namens der Franken sind die Chatten, die schon Tacitus als dasmilitärisch und politisch bedeutsamste Volk unter den Germanen erkannthatte. Ein chattisches Gauvolk, dessen Gebiet den Hauptort des Volkes(Mattium, das heutige Metze) umschloß, waren die Hessen {Hassi) 1 . DasGebiet der Chatten umfaßte im 1. Jahrhundert das ganze hessische Landvon der Werra bis zur Röhn, dem Taunus und dem Westerwald; mit denstammverwandten Mattiaken, den Bewohnern des Rheingaues, reichten siebis an den Rhein und unteren Main. Seit der ersten Hälfte des 5. Jahr-hunderts suchten sie sich auch im Mosellarid festzusetzen, aber erst nachdem Tode des Aetius (455) mit dauerndem Erfolg. Noch entscheidenderwaren die fränkischen Bewegungen, von denen um die Mitte des 4. Jahr-hunderts Belgien ergriffen wurde, indem die schon zu Cäsars Zeiten aufder batavischen Insel und in dem Mündungsdelta des Rheins angesiedeltenBataver und Cannenefaten, beide chattischer Herkunft 2 , einen Teil ihrer
1 Vgl. Braune Indogerm. Forsch. 4, 341ff.
2 Tacitus Germania c. 29; Histor. 4 c. 12. 15. Vgl. Caesar Bell. Gall 4 c. 10.