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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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90 Germanische Urzeit.

§ 13. Das Gerichtsverfahren.

Brunner l 2 , 251ff.; Grundzüge 8 21ff.; Entstehung der Schwurgerichte43ff. v. Amira 3 264ff.; Vollstreckungsverfahren 1874; Obl.-R. 1, §§11. 1523.34. 35. 70. 2, §§ 1113. 62; GGA. 1885 S. 161ff.; Germania 20, 53ff. v. SchwerinRG. 138ff. K. Maurer Altn. RG. 4, 210ft. 5, 732ff.; Krit. Ü. 5, 180ff. 332ff.;Krit. VJSchr. 16, 97ff. 18, 32ff. Hertzberg Grundtraekkene i den seldstenorske proces 1874. K. Lehmann Königsfriede der Nordgermanen 13ff. lllff.Boden Das Urteil im altnorweg. R., ZRG. 37, lff. Sohm Prozeß d. Lex Sal.1867; R.- u. GV. 113ff. 138ff. Thonissen Organisation judiciaire de la LoiSalique 1881 S. 401543. Pardessus Loi Salique 597ff. Waitz l 3 , 442ff.;Das alte R. der sal. Franken 15485. Behrend Zum Prozeß der Lex Salica1873 (Festgaben Heffter) 1873. v. Bethmann-Hollweg Zivilprozeß 1. 1868.Siegel G. des deutsch. Gerichtsverfahrens 1857. Gaudenzi L'antica proceduragermanica e Ie legis actiones 1884. Dahn Fehdegang u. Rechtsgang, Bausteine2, 116ff. Rogge Gerichtswesen der Germanen 1820. L. v. Maurer G. d. alt-germ. Gerichtsverfahrens 1824. R. Loening Reinigungseid bei Ungerichtsklagen1880. Grimm RA. 839ff. Sachsso Beweisverfahren 1855. Laughlin Theanglosaxon legal procedure, i. d. Essays of Anglos. Law 183305. PertileStoria del diritto italiano 6 2 . Zorn Beweisverfahren nach langob. Recht 1872.Cosack Eidhelfer des Beklagten nach ältest. deutsch. Recht 1885. v. WächterBeiträge z. deutsch. G. 62ff. Ficker MJÖG. Erg. 2, 493ff. Planitz Ver-mögensvollstreckung (S. 79). A Schmidt Echte Not 1888. Noordewier Regts-oudheden 331 ff. Weitere Literaturangaben bei v. Amira und Brunn er.

Über das gerichtliche Verfahren geben die Quellen der Urzeit nochkeinen Aufschluß, doch läßt sich aus den späteren Quellen, namentlichdurch Vergleichung des der früheren Entwicklungsstufe nahestehenden Pro-zesses der Lex Salica mit dem der nordgermanischen Kechte, wenigstensein annähernd richtiges Bild gewinnen. Wie bei allen Völkern in den An-fängen der Kultur, so war auch bei den Germanen die staatliche Kechts-pflege auf das strafrechtliche Gebiet beschränkt. Auch privatrechtlicheAnsprüche konnten nur in den Formen des letzteren verfolgt werden, in-dem der Kläger den Beklagten durch eine erfolglos gebliebene Aufforderung,seine Ansprüche zu befriedigen, in formelles Unrecht versetzte, so daßer, im Falle der Verurteilung, neben der ursprünglichen Verpflichtungauch eine Buße für sein Verharren im "Widerstände gegen die Bechtsordnungzu leisten hatte. 1

Während wir annehmen dürfen, daß das Sippegericht immer nachBecht und Billigkeit entschied, beruhte das von Hause aus immer auf denStreit zwischen Personen verschiedener Sippen berechnete staatliche Ge-richtsverfahren auf strengstem Formalismus und weitgehendem Verband-lungsprinzip 2 . Die Parteien hatten alle ihnen obliegenden Prozeßhandlungenpersönlich vor Zeugen und unter genauester Beobachtung bestimmterWortformen, von entsprechenden symbolischen Handlungen begleitet(S. 64), vorzunehmen; der geringste Formverstoß konnte sie zu Fall

1 Vgl. Jhering Das Schuldmoment im röm. Priv.-R. (Vermischte Schriften155ff.). v. Bethmann-Hollweg 1, 24. 26ff. 472.

2 Vgl. v. Zallinger Wesen u. Urspr. des Formalismus im altd. Privat-recht (1898) 22ff.