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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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81
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§ 12. Strafrecht. 81

Die rechtliche Keaktion gegen jeden Friedensbruch war die Fehde,d. h. Feindschaft 9 . Der Friedensbrecher wurde zum Feinde (faidosus),und zwar bei gemeinen Friedensbrüchen zum Feinde des Verletzten undseiner Sippe (so daß sie ihn ungestraft angreifen, schädigen, unter Um-ständen töten konnten), bei schweren Friedensbrüchen aber zum Feindedes Volkes, der Götter, des Königs, der unbedingt getötet werden sollte 10 .Darum belegte man ihn mit dem Namen des Wolfes (got. wargs, an. vargr,ahd. warg, mlat. wargus) 11 , denn gleich diesem war er friedlos und demTode geweiht 12 . Ulfilas übersetztzum Tode verurteilen" mit gawargjandaupau,Urteil" undVerurteilung" mit wargipa 13 . Das Urteil, das dieFriedlosigkeit verhängte (dieFriedloslegung"), war demnach ein Todes-urteil, und man darf wohl annehmen, daß ebenso auch mit dem über denanwesenden Missetäter ausgesprochenen Todesurteil die Verhängung der

Vgl. Grimm in Merkels Lex Salica p. 8. Kern in Hesseis Lex Salica, Noten§21. ZRG. 20, 18. Brunner 2, 509 n. Schreuer Verbreehenskonkurrenz 29 n.van Helten Malberg. Glossen §§ 20. 51. Die Grundbedeutung vonrauben"(got. biraubön, mlat. raubare) war rapere, diripere, davon ahd. roup (as. rof, ags.redf) die Beute, namentlich die dem Gegner entrissene Kleidung, dann Kleiderschlechthin (frz. robe, it. roba), überhaupt bewegliches Gut (mlat. rauba). Danebenschon früh die heutige Bedeutung (rapina, depraedatio), besonders in ahd.walaroupa (ags. woäreäf), hrioroup (mhd. reroup) Leichenberaubung, as. nödröfgewaltsamer Raub. Vgl. Brunner 2, 647; BSB. 1906 S. 121 (ZRG. 40, 483);bei (Mommsen) a. a. O. 57. Grimm DWB. 8, 210f. 218. Diefenbach 2,164f. Uhlenbeck WB. 25, 117. Kluge u. d. W. Du Cange s. v. raub.Diez WB. d. rom. Spr. I. s. v. roba. ZRG. 20, 20. Andere Bezeichnungen fürRaub" ahd. nama (an. näm), die Nehmung, ferner scäh (mhd. schäch, afrs.skdk, frz. echec) und an. ran (auch in den Gesetzen Wilhelms des Eroberers c. 12,Liebermann 1, 491), vgl. ahd. rahan und das rauba birahanen des Hildebrands-liedes. Über ein mutmaßliches falcön van Helten 325f.

9 Ed. Roth. 45: faida hoc est inimicitia, ahd. fihida, mlat. faida. DasWort war allen Westgermanen bekannt. Für faidosus ahd. gif&h, afrs. fach, fäth,fay, ags. fah, ja, gefä, fdhman, adän. fegh. Langob. fegang, jagang war wohlFehdegänger. Vgl. Brunner l 2 , 221f. Müllenhoff 4, 325f. v. Amira 3 237.

10 Vgl. n. 27. Brunner l 2 , 232; Abspaltungen 63. His a. a. 0. 165f.175ff. Maurer Kr. Überseh. 3, 38. Recht von Staveren (Waitz UrkundenNr. 17 [9]): inimicus regis. Verhandl. d. genootsch. pro exe. iure patrio 7, 2,Suppl. Nr. 571: des gemeinen landes vijant. Auch v. Amira 3 238 gibt zu, daßden Friedlosen jedermann nicht nur als Feind behandeln darf, sondern soll,v. Schwerin RG. 126 stellt die Tötungspflicht der Allgemeinheit in Abrede undgibt nur ein Tötungsrecht zu.

11 Vgl. Grimm RA. 733. Diefenbach a. a. 0. 1, 231f. Brunner l 2 ,234f.; Abspaltungen 63. v. Amira 3 237; ObL-R. 2, 116. Puntschart ZRG.(rom. Abt.) 37, 252ff. In England begegnet auch undfes hiafod (qui Caput lupi-num gerit).

12 Daher die Formeln fay ende ferdloes, fäth and frethelas (RichthofenAltfr. WB. 724. 729), ßgh oc frithloes (Valdemars Sielandske Lov. c. 87, Ausg.Thorsen S. 61). Vgl. His 175.

13 Vgl. Brunner l 2 , 242. 174. v. Amira Zweck u. Mittel 47. Man ver-gleiche as. wargida (n. 50), giwaragean (peinigen), waragtreo (Verbrecherbaum,Galgen).

B. Schröder, Deutsche Eechtageächichte. 7. Aufl. 6