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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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80
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80 Germanische Urzeit.

sache waren und die öffentliche Gewalt nur beschäftigten, wenn sievon dem Verletzten oder seiner Sippe mit Klage vor Gericht gebrachtwurden.

Gemeingermanisch bezeichnete man die schweren Friedensbrüche mitfirina (got. fairina, an. firri), firintät, firinwerk, d. h. dasAußerordent-liche",Ungeheure", wie noch mnd. ungehür in ähnlichem Sinne verwendetwird 3 . Ausschließlich nordisch warNeidingswerk" (nidingsverk), dem beiden Deutschen, soweit es sich um heimliches Firinwerk handelte, meintät,meinwerk, mein und mort entsprach 4 . Man rechnete dahin teils solche Un-taten, die eine Beleidigung der Götter enthielten, wie Verletzung- eineshöheren Friedens (des Ding-, Heer-, Tempelfriedens u. dgl. oder eines be-sonderen Festfriedens) 5 , Hausfriedensbruch und Gräberraub, teils gemein-gefährliche Handlungen, wie Landesverrat, Heerung 6 , Brandstiftung (anGebäuden), schädliche Zauberei, endlich alle von sittlicher VerkommenheitzeugendenMeintaten", wie Bruch eines Treugelöbnisses (S. 68), wider-natürliche Unzucht, Akte gemeiner Feigheit; namentlich Entweichen ausdem Heere (heiKsliz), ferner Mord, d. h. die nach vollbrachter Tat verdeckteoder verleugnete Tötung eines Menschen 7 , und größeren Diebstahl, beideim Gegensatz zu offenem Totschlag (ahd. slahta, manslahta, wie, an. vig)und offenem Raube, die nur als schlichte Friedensbrüche galten 8 .

* Vgl. v. Amira 3 233. Schiller-Lübben Mnd. WB. 5, 45. His a. a. 0. 31.

4 Vgl. v. Amira 3 233f. Brunner 2, 537. Diefenbach WB. d. got. Spr.2, 38ff. Grimm RA. 7. 623; DWB. 4, lb, Sp. 3170. 3217. 6, 1912. 1922.Kluge u. d. W. Schmeller WB. 2 1, 1611. Haltaus Glossar 1335f. HeyneHeliand, Glossar s. v. men etc. Ahd. Gl. 2, 602: flagitia firintät meintät. He-liand v. 2702f.: fiat sie fruma fremidin, firina farUlin, min endi mordwerk. Vgl.unsergemein" = nefarius.

5 , Vgl. Brunner 2, 580. Müllenhoff DA. 4, 472f. Wilda 233. 249.

6 Vgl. ags. here, hereteäm, afrs. unriuehte here, lang, arischild, aritreib, ahd.heriraita (L. Baiuw. 4, § 23. L. Rib. 64), an. herskjöldr, hernair. Vgl. MaurerKr. VJSchr. 5, 305f. Osenbrüggen Strafr. d. Lang. 40. 53. 141. Waitz l 3 ,491 n. Schmid Gesetze d. Angels. 27 n. Richthofen Altfr. WB. 816.

» Vgl. Wilda 706ff. Grimm RA. 625. v. Richthofen Zur Lex Saxo-num 220. Allfeld a. a. O. 52ff. 58ff. His 262. Die Feigheit des Mörders lagin dem Bestreben, sich der Fehde zu entziehen. Übermord" in allgemeineremSinne vgl. n. 4 und Grimm DWB. 6, 2530. 2534 Tötung eines neugeborenenKindes Germ. c. 19 (§ 11 n. 43).

s Vgl. Grimm RA. 634. Wilda 907ff. Pomponius Mela, Chorographia III

c. 3, § 28. Raub im Ausland als rühmliche Tat: Bell. Gall. 6 c. 23, Helmoldichron. Slav. 1 c. 47. Das Ehrenrührige des Diebstahls fand man in der Heim-lichkeit: got. fivbjo (clam) hängt mit jßiubs (für) und pinbi (an. pyfi, ahd. diuba)

d. i. furtum, res furtiva, zusammen. Vgl. Grimm RA. 635ff.; DWB. 2, 1085.Wilda 860ff. Diefenbach a. a. 0. 2, 705. Kluge u. d. W. Noch das Mittel-alter strafte nächtlichen Diebstahl höher, als den bei Tage verübten. Vgl. Ssp.IL 28 § 3. 39 § 1. Unerlaubtes Holzfällen mit der lärmenden Axt war kein Dieb-stahl, dennDie Axt ist ein Melder und kein Dieb", im Gegensatz zu der heim-lich arbeitenden Säge. Vgl. Grimm RA. 47. Graf u. Dietherr Rechtssprichw.363. 366. In den fränkischen Volksrechten und dem alamannischen Pactus wirdDiebstahl und Diebstahlsbuße mit taxaea, texaga (vgl. theo taxaea) bezeichnet.