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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
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73
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§ 11. Privatrecht. 73

das, soweit es nicht mit der Waffenreichung verbunden wurde, regelmäßignoch eine besondere Adoptionsgabe des Wahlvaters an den Adoptiertenverlangte 49 . Während die Adoption an und für sich wohl nur dazu diente,eine mit gegenseitiger Treupflicht verbundene Pflegekindschaft herzu-stellen, ohne daß der Adoptierte damit auch in die Familie aufgenommenwurde 50 , gab es noch einen besonderen Akt der Aufnahme in das Geschlecht,die altnordische ceüleiding (Einleitung in das Geschlecht), die regelmäßigmit einem feierlichen Gastmahl verbunden war, und die später zum Teilzu einer Art Erbvertrages abgeschwächte Aufnahme in denBusen" durchUmarmung (adfatimus) oder Umschließen mit dem Mantel, vielleicht auchdie zuweilen mit der Adoption verbundene Schoß- oder Kniesetzung 51 .Auf diese Weise konnte auch die Ehelichkeitserklärung unehelicher Kindervollzogen werden, während die stillschweigende Legitimation durch nach-folgende Ehe wirkungslos war.

Wie es möglich war, Personen, die nicht zur Sippe gehörten, in dieseaufzunehmen, so mußte es, da die Sippe die unbedingte Aufrechterhaltungdes Friedens unter ihren Mitgliedern verlangte 52 , auch gestattet sein, wenn

49 Vgl. n. 62f. v. Amira 3 187f. Brunner l 2 , 103. Rietschel bei Hoops1, 38. Stobbe a. a. 0. 611. Wilda ZDR. 15, 258. 269. Pappenheim DiePflegkindschaft in der Graugans, Festschr. Brunner 1910. Sohm a. a. 0.,344f. 5481 551 n. Ehrenberg a. a. 0. 40 n. 51ff. Grimm RA. 146. 464.Müllenhoff DA. 4, 415. Kohler a. a. 0. 431f. Potkanske Zeremonie derHaarschur bei Slaven und Germanen, Anz. d. Krakauer Ak. d. W. 1896. Paul.Diac. Hist. Lang. 4 c. 38. 6 c. 53. Dem Kinde ein Geschenk zu machen warauch bei der Namengebung üblich. Vgl. Müllenhoff 4, 635. Maurer Wasser-weihe 81. Paul. Diac. 1, c. 8.

60 Vgl. v. Amira 3 188. Siehe auch Röder Erziehung der vornehmenangels. Jugend in fremden Häusern 1910. Eine Art Pflegebrüderschaft war diealtnordische föstbroßdrälag (ebd. 185f.), auch die Schwurbrüderschaften oderGilden (ebd. 187f.) verfolgten verwandte Zwecke. Vgl. Maurer Altn. RG. 3,190ff. Pappenheim Die altdänischen Schutzgilden 2143; ZDPhil. 24, 157ff.;ZRG. 42, 322ff. Brunner l 2 , 132. Kohler ZVglRW. 5, 434ff. Gudsmunds-son Föstbrosdralag 1892 (vgl. Maurer Z. f. Volkskunde 3, 103ff.). Rietschelbei Hoops 1, 296. Über die angelobte Brüderschaft (affraialio) in westgerma-nischen Rechten vgl. v. Amira GGA. 1888 1, 49. Goldschmidt Univers.-G.d. Handelsrechts 134; ZHR. 35, 344ff. Pappenheim ZRG. 42, 330.

51 Vgl. n. 62. v. Amira 3 175. Brunner l 2 , 131. Maurer 3, 191. Wen-geland Tidsskrift f. Redsvidenskap 3, 257ff. Grimm RA. 155. Wilda a. a. 0.257. Pappenheim Über künstliche Verwandtschaft im germ. Recht, ZRG. 42,304. Über den adfatimus (altfr. atfathumjan) vgl. v. Amira 3 175; Hand-gebärden 246; Erbenfolge 60. Brunner l 2 , 103. Siehe auch Kogler ZRG. 38,157ff. Über Kniesetzung Grimm RA. 160. 433. 464f. v. Amira Zweck u.Mittel 52 f. Über Adoption durch Schoßsetzung und Haarschur bei den IndernVgl. Jolly Würzb. Rektor.-Rede 1910. Adoption durch Umschließung mit demMantel auch im spanischen Recht, vgl. Hinojosa ZRG. 44, 293.

52 Der Sippefrieden verbot Fehde wie Rechtsgang unter den Sippegenossen,deren Streitigkeiten ausschließlich vor das Sippegericht gehörten, und hier wohlstets ohne den Formalismus der staatlichen Gerichte nach Recht und Billigkeitentschieden wurden. Vgl. v. Zallinger a. a. 0. 22ff. 29ff.