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Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
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48
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48 Die germanische Urzeit.

Schweden vollzogen 19 . Umgekehrt verlor der Richter bei den Frankendas Recht des Urteilsvorschlages an einen Ausschuß von sieben „Rats-bürgen" (rachineburgii, raginburgii), die aber, wie es scheint, von ihm,und zwar in jeder Tagung besonders, aus der Reihe der Dingleute berufenwurden 20 .

Bei einigen Stämmen ging dem Richter jeder maßgebende Einflußauf die Urteilfindung verloren, indem die Gemeinde den Urteilvorschlagvon einem eigenen, durch Volkswahl berufenen Beamten empfing, der imNorden zugleich als Gesetzsprecher (Gesetzesmann, Gesetzsprachmann)tätig war 21 . Bei den Dänen hatte die gesamte Gerichtsgemeinde dasUrteil zu finden; erst seit dem 13. Jahrhundert gelangte der königlicheVogt zu einer Mitwirkung dabei, die sich später zu einem ausschließlichenUrteilerrecht erweiterte 22 .

Gerichtsverhandlungen fanden immer nur bei Tage statt 23 , mit Sonnen-untergang wurde der (regelmäßig feierliche) Schluß (an. pinglausn) ver-kündigt 24 . Nur Tage, auf die ein Vollmond oder Neumond fiel, erschienen

19 Im Gericht der Landschaft (landsßing) hatte der Gesetzsprecher oder Lag-mann (laghmaßer) außer der richterlichen Amtswaltung und dem regelmäßigenRechtsvortrage (laghsaga) zunächst nur den Urteilsvorschlag, welcher der Folgeder Gerichtsversammlung bedurfte; erst im späteren Mittelalter wurde er zumEinzelurteiler. v. Amira Nordg. Obligationen^ 1, 5. 16f. 278; GGA 1883 S. 1065.Maurer Gesetzsprecheramt in Norwegen (Festgabe Arndts) S. 8—21 und diedaselbst angeführte Literatur. Lehmann Königsfriede lOff.; ZRG. 19, 198.

20 Über den Namen vgl. v. Amira 3 255. Grimm RA. 293f. 774f. Mül-len hoff bei Waitz Das alte Recht 291. Kögel ZDA. 33, 18. Kern Glossender Lex Sal. 83f. van Holten Malberg. Glosse §174. Lieberman Agr. Gl. 622.

21 Bezeugt ist der Rechtsprecher bei Isländern (lögsögumadr), Norwegern(lögmactr), Friesen (äsega, iudex, sapiens, legislator), Alamannen und Baiern(isago, isagare, iteilo, iudex), wenigstens angedeutet bei den Sachsen (eosago). Vgl.Maurer Alter des Gesetzsprecheramtes 1875; Island 211ff.; Altn. RG. 4, 263ff.Kr. VJSchr. 10, 374—81. 12, 75—89. Hertzberg a. a. 0. 156—77. v. Rieht- Ihofen Unters, über fries. RG. 2, 456—94; Altfries. WB. 609ff. Heck Altfries.GV. 47ff. Schröder ZRG. 17, 215ff. Lehmann, ebd. 19, 193ff. Merkel, •ebd. 1, 131ff. Beseler, ebd. 9, 244ff. Brunner l 2 , 204ff. v. Amira 3 255;Kr. VJSchr. NF. 18, 169ff.; GGA. 1883, S. 1063ff. Waitz 1, 359f. 2, 2, S. 148bis 158. Sickel MJÖG. 4, 121. Weinhold ZD. Phil. 20, 7ff. — In Island undNorwegen bildete der regelmäßige Rechtsvortrag im Ding (lögsaga) die Haupt-aufgabe der Gesetzsprecher; ob sie auch mit konkreten Urteilsvorschlägen befaßtwurden, ist für die älteste Zeit bestritten. Über Schweden vgl. n. 19.

22 Vgl Lehmann Königsfriede 107ff.

23 Daher ahd. tagadinc (mhd. teidinc, as. dagathingi, dagthingi), ferner mhd.tagedingen,, teidingen (mnd. dagedingen) und teidinger (d. h. Sachwalter, Vertei-diger). Vgl. Grimm DWB. 11, 233ff. Kluge s. v. verteidigen, v. Amira 3 252.

24 Gegenüber dem ausgebliebenen Prozoßgegner bestand der Ungehorsams-protest der im Gericht erschienenen Partei in der rechtsförmlichen Feststellungdes Sonnenunterganges (solis collocatio, solsatire, solsadium, an. sölsetr). Vgl. § 3n. 9. Grimm RA. 813ff. 846f. Waitz Das alte Recht 159f. van Heltezia. a. O. §179. Unrichtig H. 0. Lehmann Rechtsschutz 32ff.