Druckschrift 
Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen
 

16 Die germanische Urzeit.

ein; Tacitus bezeichnet sie alscaput Sueborum", und schließlich bliebder ursprünglich einem ganzen Völkerkreise eigene Name an ihnen haften:die Semnonen sind der Kern der späterenSchwaben" oder Alamannen 4 .Außer den Jahresfesten des Gottes, bei denen alle Völkerschaften des Bundesdurch Gesandte vertreten waren, zeichneten sich die Sueben durch ge-wisse Eigentümlichkeiten in Tracht und Sprache aus. Bei ihnen mögenschon Keime der Lautverschiebung, die seit dem 6. Jahrhundert den Über-gang zum Althochdeutschen bezeichnet, vorhandengewesen sein, wenigstenstritt das Althochdeutsche zuerst bei ihnen und den ebenfalls suebischenBaiern und Thüringern, alsbald auch bei den Langobarden hervor 5 ; seineweitere Ausbreitung über einen Teil der Franken hat, im Anschluß an diegeographische Lage,'auf reiner Kulturentwickelung beruht, wie dies nochheute bei dem Fortschreiten des Hochdeutschen in den niederdeutschenGebieten der Fall ist. Geschlossene Kreise hoch- oder niederdeutsch reden-der Stämme hat es nie gegeben, für die Rechtsgeschichte ist diese aus sprach-lichen Motiven hergenommene Einteilung daher von keiner Bedeutung 6 .

Auf dem Festland ursprünglich nur in der norddeutschen Tiefebenezwischen Elbe und Oder seßhaft, hatten die Germanen sich schon vorAugustus ostwärts bis zur Weichsel und über diese hinaus bis an den Pregelausgedehnt. Hier berührten sie sich mit den Eisten (Aestii), d. h. den vonden Slawen alsPreußen" zusammengefaßten Preußen, Letten und Littauern.Ihre Grenze gegen die Slawen (Venedae, Veneti) war die obere Weichsel.Die Ausdehnung der Germanen nach Süden und Westen erfolgte aufKosten der Kelten. Cäsar fand die keltischen Bojer in Gallien, nachdemsie ihre noch heute nach ihnen benannte frühere Heimat (Boiohaemum,Baiahaim) vor den Markomannen hatten räumen müssen, während dieauf beiden Ufern des Mederrheins angesiedelten Menapier sich allmählich

4 Vgl. Germania c. 39. Baumann Forsch, z. DG. 16, 216; Forsch, z. schwäb.G. 1899, S. öOOff. Kossinna Die Sueben im Zusammenhang der ältesten deutsch.Völkerbewegungen, Westd. Z. 9, 199ff. 10, 104ff. Müllenhof f 4, 456f. 460. WellerBesiedlung des Alamannenlandes 1898. Cramer, G. der Alamannen 1899 (GierkeU. 57); Würt. VJHefte NF. 9, 467. Devrient Die Sueben und ihre Teüstämme,Hist. VJSohr. 6, lff. Much bei Hoops 1, 57.

6 Die Langobarden zeigen auf dem Gebiete des Bechts und nach Brückner(S. 12) auch auf dem der Sprache eine so große Verwandtschaft mit den Sachsenund Angelsachsen, also ingväonischen Völkern, daß ihre Einordnung unter die Her-minonen die größten Bedenken hat. Daß sie von Strabo 7, 1, Ptolemaeus 2, c. 11,§§ 9, 15 und Tacitus (Ann. 2, 45) den suebischen Völkern zugezählt werden, erklärtsich aus ihrer Beteiligung an dem Suebenbunde des Marobod, da umgekehrt dieherminonischen Chatten und Cherusker (Plinius 4, 99), die dem Bunde fern gebliebenwaren, in Gegensatz zu den Sueben gestellt werden. Pie maßlose Ausdehnung desSuebenbegriffes bei Tacitus beruht wohl auf der ungehörigen Vermischung politischerund ethnographischer Beziehungen. Den frühzeitigen Übergang der Langobardenzum Hochdeutschen hat der lange Einfluß der suebischen Völker, unter dem sie seitdem Abzug aus der norddeutschen Heimat standen, veranlaßt. Über ihre Beziehungenzu den Nordgermanen Anm. 2. Brunner I 2 538.

6 Vgl. ZRG. 15, 20. Braune Beitr. z. G. d. deutsch. Sprache 1, 2f.