In des Vaters Werkstatt hat der junge Albrecht zwei Jahre gearbeitet, denKupferstich geübt und nebenbei fleissig gezeichnet. Seine nachweisbar früheste Arbeitist ein Selbstbildnis des dreizehnjährigen Knaben (in der Albertina in Wien), welchesdie eigenhändige Unterschrift trägt: „Das hab ich aus dem Spiegel nach mir selbstkonterfeit im 1484. Jahr, da ich noch ein Kind war. Albrecht Dürer." Das bis zumGürtel reichende Bildnis ist mit Silberstift auf grundiertes Papier gezeichnet, mit einerfür ein so jugendliches Alter erstaunlichen Festigkeit und Freiheit.
So viel Talent sich auch hier bereits offenbarte, der strenge Vater scheint diesenNebenarbeiten, die wohl zumeist heimlich betrieben wurden, nicht besonders grossesWohlgefallen entgegengebracht zu haben: ein Zeugnis bestätigt diese Annahme. ImBritischen Museum befindet sich die Skizze einer Frau, die einen Falken auf der Handträgt, in einer burgundischen Haube mit herabhängendem Schleier, auf gerötetemPapier leicht mit Kreide ausgeführt. Dabei steht, offenbar von der Hand eines ehe-maligen Gespielen des kleinen Goldschmiedlehrlings, die Inschrift: ..Das ist auch alt,hat mir Albrecht Dürer gemacht, ehe er zum Maler kam in des Wolgemuts Haus, aufdem oberen Boden in dem hinterem Haus im Beisein Conrat Lomeyer's seligem."'')Auf den Boden also, in Ecken und Winkeln mussten sich die Anfänge der Kunstverstecken, die das Entzücken der ganzen gebildeten Welt werden sollten.
Bald wurde dem Knaben, der den Künstlerberuf in sich fühlte, die väterlicheWerkstatt zu enge, er wollte Maler werden, doch wird es lange genug gedauert haben,bis der Vater seine Zustimmung gab. Zwei Jahre hat er am Arbeitstisch des Gold-schmieds zugebracht,ehe der Vater ihnlosgab. Dürer selbstberichtet darüber: ..Daich nun säuberlicharbeiten konnte, trugmich meine Lust mehrzu der Malerei, dennzu dem Goldschmied-werk; das hielt ichmeinem Vater vor:aber er war nicht wohlzufrieden, denn ihnreuete die verloreneZeit, die ich mit derGoldschmiedlehre zu-gebracht hatte. Dochgab er mir nach, undda man zählte nachChristi Geburt 1486
18. A. Dürer. König Tod. Kohlezeichnung.
Aus: M. Thausing, „Dürer." Leipzig, E. A. Seemann.
*) Thausing, „Dürer." I. 57.
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