c) Der Kupferstich.
m zweiten Drittel des für die Entwicklungsgeschichte der verviel-fältigenden Künste so hochwichtigen 15. Jahrhunderts tritt nehen demHolzschnitt auch der Kupferstich in Erscheinung, dessen erste Spuren,soweit bekannt, bis 1446 zurückreichen.
Der Kupferstich unterscheidet sich vom Holzschnitt technischdadurch, dass bei ersterem mit vertieften Linien gearbeitet wird,während, wie schon oben gesagt, der Holzschneider die Zeichnung erhaben heraus-arbeitet. Beim Kupferstich wird die Farbe in die mehr oder minder tief geschnittenenLinien eingerieben und durch den Druck der Presse herausgeholt. Aus diesem Grundemuss das Papier beim Kupferdruck weich und feucht und auch die Unterlage weich undnachgiebig sein, während der Druck des Holzschnitts eine feste Unterlage erfordert.
Ort und Zeit der Erfindung des Kupferstichs liegen gleichfalls im Dunkel, dochdürfte seine Geburtsstätte höchst wahrscheinlich in der Werkstatt der Goldschmiede zusuchen sein und die Nielloarbeit den Ausgangspunkt der Erfindung bilden.
Unter Nie 11 o sind in Metall eingravierte Zeichnungen zu verstehen, die miteiner schwarzen Schmelzmasse ausgefüllt wurden, um sie deutlicher hervortreten zulassen, auf welche Weise man im Mittelalter alle möglichen Gefässe und Geräte ausedlem und unedlem Metalle, für Haus und Kirchenbedarf verzierte.
Die Gewohnheit, von diesen Arbeiten Probeabdrücke zu nehmen, um die Wirkungder Zeichnung zu sehen und wenn nötig Änderungen vornehmen zu können, bevor dieNiellomasse eingeschmolzen wurde, hat aller Wahrscheinlichkeit nach zur Erfindung desKupferstichs geführt, da es nahe lag, nun auch Platten zu gravieren, die von vorn-herein für den Abdruck auf Papier bestimmt waren.
Die erste Anregung soll nach Henri Delaborde der Florentiner GoldschmiedMaso Finiguerra gegeben haben, der um 1452 eine für das Battisterio in Florenzbestimmte Kusstafel (Pax), auf die er eine Krönung der Maria eingraviert hatte, aufPapier abdruckte. Diese Annahme wird aber dadurch widerlegt, dass deutsche Kupfer-stiche von früher als 1452 bekannt sind.
Die Verwandtschaft des Kupferstichs mit der Goldschmiedekunst liegt schon inden Werkzeugen der ältesten Stecher begründet, die sich der Stichel und Punzen derGoldschmiede bedienten, wozu noch die Graviernadel (sogenannte kalte Nadel) zur Aus-führung feiner Strichlagen, Polierstahl und Schabeisen kamen.
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