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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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als Stilicho ohne Heer am Rhein erschien, 26 ) um mittelst Unterhandlungen den Frieden und die Grenzen des Reicheszu sichern, wahrscheinlich gewährte er ihnen deshalb Land auf dem linken Ufer, um den Besitzlosen unter ihnenRuhe und friedliche Bestrebungen einzuflössen, wogegen sie ihm Hülfstruppen stellen und für ihre unruhigen Königesolche erwählen mussten, die seine und Roms Politik begünstigten. Marcomer wurde ihm als Gefangener überliefert,Sunno von dessen eigenem Gefolge ermordet. 27 ) Bei dieser Gelegenheit erfahren wir, dass die lange Bekanntschaftmit der römischen Cultur auf die Rheinfranken schon soweit gewirkt hatte, dass ihre Flur und Häuslichkeit von derrömischen kaum zu unterscheiden war. 28 ) Dieses, wie es scheint, glücklich angebahnte Verhältniss dauerte nichtlange; die grosse Völkerwanderung begann und die von ihr mitgerissenen Vandalen und Alanen übeschritten 31. Dez.406 an mehreren Punkten zwischen Mainz und Strassburg den Rhein. Die ersteren wälzten sich auf Tournay,Rheims, Arras, alles verheerend, während die Alanen unter ihrem Könige Godegisel die Franken angriffen, jedochgeschlagen und 20,000 sammt dem Könige getödtet wurden. Die hierauf folgenden Wirren benutzten die attuarischenFranken, ihr Gebiet auf Kosten des römischen zu vergrössern. Dreimal, 412, 426 und 431 eroberten sie die Haupt-stadt Trier und verwüsteten -sie auf empörende Weise. 29 ) Wenn auch jedesmal wieder vertrieben, wurde ihnen dochzuletzt durch Frieden mit dem römischen Feldherrn Aetius 432 die ganze Germania seeunda (mit Ausschluss von Trier)eingeräumt. 30 ) So bildete sich nach und nach dieses südöstliche Frankenreich, seit dem dritten Jahrhundert auch dasripuarische oderRipuarien genannt, später durch Clodwig erobert, mit neuen Provinzen vermehrt und zum Unterschied vonNeustrien (dem salischen Reiche) Austrasien genannt. Die Geschichte dieser beiden Königreiche interessirt uns vorAllem, weil Lobberich und Bocholtz an der Grenze beider lag, und die Organisation aus dieser Periode, welche zudem namentlichen Hervortreten beider Sitze und ihrer Herren Veranlassung gegeben hat, mehr oder weniger dieGrundlage der Zustände bis zur französichen Revolution (1794) geblieben ist. Um hier einen kurzen Ueberblick undAnhalt an die politische Geschichte zu bieten, möge die Stammfolge der fränkisch-salischen Könige folgen, welche dasripuarische Reich verschlungen haben:

I. Clodio, König der Franken, im Lande der Menapier, residirte zu Dispargum (Disburg bei Distheim) bei Tongern, eroberte das Gebietder Nervier (oben S. 190) und verlegte seinen Sitz nach Cambray, + 477, Meroving sein Nachfolger, wahrscheinlich sein Neffe.

II.

HI.

IV.

Meroving (Meroveus) wahrscheinlich Clodios Neffe, schlug bei Chälons 451, unier Beihälfe des römischen Feldherrn Aetius, den

Hunnenkönig Attila, t 458.

,----------------------------------------------------------------------------------*----------------------------------------,

1. Childerich I., wegen Liederlichkeit verjagt, während welcher er beim Basinus, König 2. N. N.der Tongeren,') (irrig Thüringer) Schutz fand, wieder eingesetzt, eroberte von den RömernAndegavi (Andes) f gegen 481, h. Basina, die Frau des Tongern-Königs Basinus, welchediesem entlaufen und Childerich nachgereist war.

1. Clodowig (Clovis) gb. 466, König der Franken im Lande der belgischenMenapier (oben S. 192), residirte zuerst in Tournay, besiegte 486 beiSoissons, unter Beihülfe'des Ragnacher, Königs der Franken im Lande derNervier, seines Anverwandten, den römischen KönigSyagrius, 491 dieTon-gern, 496 die Alemannen beiZülpich,507 d.Westgothen/verlegte seine Residenznach Tours und zuletzt nach Paris, wurde 496 Christ und brachte daraufdurch Ruchlosigkeit, gemeine Ränke und Mord die sämmllichen fränkischenKönigreiche an sich, namentlich jene im Lande der Tongern (ResidenzCambray), der Nervier (Residenz Bavay), der Moriner (Residenz Teruanne)und der Ubier (Residenz Cöln) machte auch die Sachsen tributbar, f 511zu Paris im 30. Jahre seiner Regierung und 45. seines Alters, begrabenin St. Peter und Paulkirche, jetzt St. Genevieve in Paris, h. 495 1. eineBeischläferin, 2. Chrotechild (auch Chrotilde undClotilde) geb. 470 |515,Tochter des Burgunder-Königs Chilperich.

2. Audefled, h.Theoderich denGrossen, Königder Ostgothen

(Jornandes de __________

reb.Getic.c.58.) 486Clodowig3. Albofled, gegen dieRö-

Ragnacher, 2 )König der

Franken imLande der

Nervier, hilft

Sigibert, Königder Franken imLande d. Ubier,Residenz Cöln,gegen 500 vonseinem SohneCioderich er-mordet.-»

wird 496 mit mer-, wirdihrem Bruder später von

getauft. Clodowig er- 1. Chloderich er-

4.Lauthechild, mordet. mordet seinenVa-

ebenfalls mit ter 2. Richar, 3.

ihrem Bruder Rignomer, 1. u. 2. von

getauft. Clodowig eigenhändig,

3.auf sein Geheiss ermordet.

Chararich,König derFranken imLande de.rMoriner,(ob. S. 191).

, ------ -"' -------- >>

Sohn wirdmit seinemVater vonClodowigermordet.

Gregor von Tours stehen soll: Clodio Rhenum transit, so kann ich diese Stelle nicht finden. M ) Gregor von Tours II. 9. Sidon. Apoll.Paneg. Jul. "Vel. Majorano. Er besass also das Gebiet der Tongern und Nervier. «) Aimoin Gesta Franc. I. 6. Genealogia Merow, beiChifflet in Anastasi Childerici Regis p. 13. Eckhardt Comment. de rebus Pranciae Orientis I. 28. Er soll die Kinder des Clodio, welcheminderjährig waren, ausgeschlossen haben. 2 ) Gregor v.T. 1. c. «) Zur Zeit der Könige Genobaud, Marcomer und Sunno, 38S, hattendie Römer noch auf dem rechten "Ufer bis zum Limes festen Fuss, denn es wird ausdrücklich berichtet, dass die Feinde erst den Wall(Limes) durchbrachen und dann über den Rhein setzten. Gregor v. T. II. 9. Zur Zeit jedoch, als die Notitia Dignitatum utriusque imperii,orientis sc. et oeeidentis aufgezeichnet wurde, was nach den neuesten gründlichen Forschungen zwischen 402408 erfolgt ist, war das linkeUfer von Andernach abwärts, überhaupt die ganze Germania seeunda verloren, nur zu Luaiges am Jecker bei Tongern stand noch einrömischer Präfect mit einer kleinen Truppenabtheilung: PraefectusLaetorumLagensium prope Tungros Germaniae seeundae. Der ZeitgenosseSalvianus Massiliensis lib. VI. 119 nennt Cöln:Agrippina hostibus plena," 26 ) Fast gleichzeitig erweiterten auch die Salier ihre Herrschaft.Cl Claudianus in pr. cons. Stilichonis. 2 ') Die gestellten Hülfstruppen treffen wir in der Notitia imp., z.B. 1 fränkische Reiter-Abtheilung,7. fränkische und 9. ChamaviseheCohorten in Egypten, 8. fränkische Reuter-Abtheilung in Mesopotamien, Bructuri und Amsivarii in Frank-reich. Den übrigen Herganc deutet Cl. Claudianus in primum Consul. Fl. Stilichonis an, namentlich:- Rhenum minacem adeo mitescerecogis, ut Salius iam arva colat flexosque Sycambrus in falcem curvet gladios, geminasque viator quum videat ripas quae sit Romana requirat,Dass hier Franke und Sigambrer unterschieden werden, ist rhetorisch zu nehmen. 28 ) Siehe vorige Note in fine. Auch der Bericht desKaisers Probus über seinen germanischen Feldzug an den Senat bezeugt, dass sich seit Anfang des 2. Jahrhunderts die Lebensweise derDeutschen vollständig umgeändert hatte. Vopis. in Probo. 20 ) Gregor v.T. II. 9. Salvianus Massiliensis 1. e. VI. 119. 130. 3 °) IdatiiChron. I. 617.

') Dass Gregor von Tours unter Thüringer Tongern versteht, geht am deutlichsten aus seinem Werke II. 9. hervor, wo ererzählt dass die Franken, nach Ueberschreitung des Rheins vom rechten auf das linke Ufer, nach Thüringen, d. h. Tongern, gekommenseien. J ) loh habe Ragnacher hier eingereiht, weil er Anverwandter Clodowigs- und König im Lande der Nervier heisst. Da Letzteres