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1,1 (1863) Geschichte der verschiedenen Geschlechter Bocholtz unter besonderer Berücksichtigung der alten Geographie, Rechts-, Sitten- und Culturgeschichte des Niederrheins
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Born s. Burginatium.

Bornheim bei Mors. F. Wartthurm und Gräber. R. 51.

Boslar, Dorf im Kreis Jülich, im Jahre 861 Villa Buslare.F. Münzen, Mauerreste; soll einst ein römisches Lagergewesen sein.

Breisig, unterhalb Andernach. F. Mauerwerk, Münzen, In-schriften. Freher Script. 11. 33.

*Brempt, Rittersitz bei Geldern. F. Sarcophag, Gefässe,Becher. R. 71.

Brocomagus: Brumat. Ilin. Peut. F. Münzen, Waffen, Denk-steine. St. Insc. 1. 81. M.

Brohl, Dorf mit naheliegenden Tufsteinbrüchen bei Ander-nach. F. Denksteine, Münzen. St. Insc. 57. M.

Brühl bei Cöln. F. Inschriften. B. Jahrb X. 107. Gelende mag. col. 210.

*Budberg bei Uerdingen. F. Inschriften, Gefässe, Mün-zen. R. 41.

* Büderich gegenüber Wesel, auch Buricum genannt, früherauf einer Insel. F. Münzen, Denksteine. St. Insc. II. 12.

*Buer, Dorf zwischen Essen und Westerholt. F. altdeutscheGräber und Urnen, wie sie unten bei Fahnenburg abge-bildet sind. Die Urnen stehen südlich vom Orte in Grä-

ben , welche gleichförmig entfernt von einander gezogensind, zwischen 1 und 2 Fuss unter der Erde. In einerUrne, welche in einem Garten des Dr. Rachel gefundenwurde, lag ein rohgearbeiteter, eiserner Knopf (vomPferdegeschirr?) sonst enthielten die übrigen nur Knochenund Asche.

Burginatium, von W. irrig für Schenkenschanze, von An-deren für Cranenburg, von Ponlanus für Büderich undWe>el, von Stangenfol für Montreberg gehalten, von Eini-gen sogar gleichbedeutend mit Arenatio, welches unterJulian seinen Namen in Burginatium verändert habensoll.Es ist Born, jetzt nur noch Gehöfte. F. Grabsteine, Mün-zen, Gefässe, Inschriften. B. Jahrb. IX. 37. St. Insc. II.3. R. 61 Seh. 47. Itin. Peut. Vergl. Montreberg.

*Bürgel r. u. F. Denksteine, Münzen. St. Insc. II. 39. Eslag zur Römerzeil auf dem linken Rheinufer. Damalsfloss der Rhein 5 ) von Baumberg gerade auf Urdenbachlos, so dass dieses rechts, Bürgel links 6 ) blieb. Auf derletzten Hälfte dieses Weges findet sich noch jetzt einfliessendes Wasser, welches der alte Rhein heisst, es er-giesst sich der von Garath kommende Mühlenbach darin.

Buruncum, von mehreren für Bürgel gehallen (siehe vorigenArtikel), andere wollen es durchaus nach Woringen ver-

männern häufig, mit nicht ganz milden Worten. Das von Minola und Dederioh nachgewiesene Geusen, gegenüber Bonn, sollte doch endlichden Streit schlichten, der unvorgreiflich wohl nicht hätte entstehen können, wenn man das von Minola 239 seq. Gesagte mehr gewürdigthätte (einige Streiter hatten es nicht einmal gelesen). Die Einwendungen, dass Geusen ein ganz unbedeutender Ort und dort, so wie inBonn, keine Spur von einem Hafen sei, entscheidet gar nichts. Am Rhein und in Italien selbst sind von den grössten Orten und Einrich-tungen die meisten ganz spurlos verschwunden. Auch von demHafen bei Speier, denValentinian erbauen Hess, wie der von Mai entdeckte AurehSymmachus berichtet, ist jede Spur verschwunden. Wenn aber behauptet wird, eine Brücke über den Rhein und eine Flotte daselbst seienfür Rom ein kaum nennenswerthes Ereigniss gewesen, wohl aber eine Brücke und Flotte zu Boulogne (das soll hier gemeint sein) , wegenEngland, so ist das eine vollständige Verkennung. Deutschland war den Römern unendlich wichtiger als Britanien. Was Cäsar in seinenCommentaren sagt, die Verzweifelung Augustus bei der Niederlage des Varus, sein langer Aufenthalt am Rhein, sogar den Winter über, dieThaten des Drusus, Tiberius und deren hohe Anerkennung, die spätem Anstrengungen der Kaiser bis auf Valentinian herab, belehren unseines ganz Anderen. Ein gesicherter Uebergang über den Rhein war für den römischen Staat eines der grössten Ereignisse. Nichts destoweniger sollen deutliche Worte: Bonnam et Gesonia(cum) in: Bonnoniam und Gesoriacum umgeändert werden müssen, und einen ganzenApparat von Gelehrsamkeit verwendet man, um einen practisch vielleicht gar nicht brauchbaren Gedanken aufrecht zu erhalten, d. h. ohnezu wissen, ob das Terrain-Verhältniss von Boulogne sur mer, welches wie man (irrig) annimmt, aus zwei Orten, Bonnonia und Gesoriacum,zusammengewachsen sei, ein Bedürfniss für Brücken (im welthistorischen Sinne) biete, soll doch nur diese OrteFlorus gemeint haben! Manvergisst, dass der ganze Lauf der Erzählung des Florus es klar macht, dass er nur von Zuständen am Rhein und nicht am Meere spricht,(vergl. Sternberg über Entstehung von Mainz, Bonn und Cöln 1853 8° S. 2024) und behauptet, dass grammaticalisch das cum und diePlurale pontibus und classibus, historisch aber der Verlauf der Züge des Drusus gegen die Deutschen und die erst nach Drusus erfolgteEntstehung von Bonn einer Auslegung zu Gunsten dieser Stadt und eines ihr gegenüber liegenden Orts widerstreiten. Indess kann nicht,'da einige HandschriftenGesonia" haben, dascum" zu diesen gehören und an Stelle von et stehen müssen ? jedenfalls ist diese Partikel einerSacherklärung nicht hinderlich, und der Plural braucht nicht einmal, wie von einigen geschieht, dichterisch genommen zu werden, wenn,wie zu Cöln bei der Constantinsbrücke, eine Insel die Verbindung vermittelt und eine Flotte auf jedem Ufer gestanden hat. Was dieFeldzüge des Drusus angeht, so haben wir viel zu wenig Nachrichten darüber, als dass wir daraus unumstössliche Schlüsse ziehen könnten.Es ist richtig, dass Dio Cassius nur von Feldzügen des Drusus berichtet, die von der batavischen Insel und von Mainz her unternommensind, aber sind deshalb auch nicht andere militärische Operationen gleichzeitig von ihm geleitet, von denen Dio nichts weiss? Ganz gewiss.Plinius Hist. Nat. berichtet uns, dass Drusus zur selben Zeit, wo er Aliso baute, von dem Dio erzählt, dass heisst 11 Jahre vor Christusoder 743 nach Erbauung Roms, eine Feste am Rhein im Lande der Catten angelegt habe, von der Dio nichts weiss; ebenso spricht er voneiner Schlacht bei Arbalo, die ebenfalls dem Dio unbekannt geblieben ist. Wenn also auch Dio nichts von Motiven weiss, die Drususbestimmen konnten, zu Bonn eine Brücke zu haben, so folgt daraus nicht, dass solche Motive nicht vorhanden gewesen sind. Wer die.Beweggründe würdigt, die Caesar zu seiner Rheinbrücke vermochten, wer den grossen Blick der römischen Herrscherklugheit nicht unberück-sichtigt lässt, kann Motive genug für eine Drususbrücke bei Bonn finden. Musste denn das gegenüber liegende Ufer ein feindliches sein ?konnten dort nicht Ubier wohnen und Befestigungen zum Schutze gegen gemeinsame Feinde liegen? scheinen nicht die beiden Castelle,Ober- und Niedercassell, dafür zu sprechen? mussten nicht von dort aus die Römer das rechte Ufer des Rheins bis unter Cöln herunter inSchranken halten, und gebot es nicht die Feldherrnklugheit, wenn ein Volk von zwei so entfernten Punkten, als die Lippe und der Main,durch Seiten- und Rückenanfälle zur Nachgiebigkeit und Unterwerfung gezwungen werden sollte, die Fronte nicht zu vernachlässigen? Undvon wo konnte Drusus den Sigambrern besser die Stirn bieten, wenn es Krieg galt, und wo im Frieden ihnen von demWerthe der römischenCultur und deren Bedeutung besser Ueberzeugung schaffen und sie so im Sinne vonTacitus zurFreundsohaft stimmen, als vonBonn aus, ange-sichts eines weiten, fruchtbaren Thaies, gerade mitten vor der feindlichen Grenze? Was nun schliesslich die Entstehung Bonns angeht, soist durch die seitherigen Nachrichten nicht erwiesen, dass es nicht schon zu Drusus Zeiten bestand. Im Gegentheil, fasst man die römischeBefestigungsweise der Grenzen, namentlich den, in Nassau so trefflich aufgedeckten Pfahlgraben mit seinen gleichmässig von einander ent-fernten Forts ins Auge, so kann unter den Befestigungen des rechten Rheinufers durch Drusus Bonn zwischen Cöln und Remagen nichtgefehlt haben, und wie viel römisches Gebiet sie von dort zu schützen hatten, wird im folgenden Capitel (Nr. 10) über den Limes nach-gewiesen werden.

5 ) Noch früher ging ein breiter Rheinarm von Baumberg ab durch das Hildener und Unterbacher Bruch, den Bilkerbusch, amFusse des Grafenbergs und der Fahnenburg vorbei, durch das Rather und Mörsenbruch in die Richtung nach Kaiserswerth hin, wo er sichwieder mit dem Hauptstrome verband. Bei hohem Wasser ist diese ganze Strecke noch überströmt. Im Jahre 1846 und 1853 war vonNeuss ab bis zu mir, am Fusse der Fahnenburg, ein einziger See, worin Flingern, Pempelfort und Düsseldorf als Inseln lagen.

6 ) Rein hat sich durch die Untersuchung der Oertlichkeiten ein besonderes Verdienst erworben. Seine Schrift: Haus Bürgel,das römische Buruncum, Crefeld 1855 8°, ist mir leider nicht zu Gesicht gekommen, indessen sehe ich aus Lacomblets wichtigem Aufsätzeüber Bürgel (Archiv II. S. 335), dass letzterer seine Ansichten theilt und noch weiter begründet.

Fahne, Bocholu I. G0