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abgesteckten Abteilungen erschien deutlich als dreier Legionen Werk; weiterhin gab ein halbeingestürztcr Wall und flacherGraben zu erkennen, dass dort die schon halb vernichteten Reste Fuss gefasst hatten: die gebleichten Gebeine in Mitten derEbene, wie sie sich geflüchtet, wie sie Widersland geleistet hatten, zerstreut oder aufgehäuft. Danehen lagen Bruchstückevon Waffen und Gliedmassen von Pferden; zugleich hingen an Baumstämmen angeheftet die Köpfe. In den nahen Hainenstanden die barbarischen Altäre, an denen sie die Tribunen und Centurionen erster Ordnung hingeschlachtet hatten. — Unddie, welche übrig waren von jener Niederlage, aus der Schlacht oder den Fesseln entkommen, berichteten: hier seien dieLegaten gefallen, dort die Adler ihnen entrissen; hier habe sich Varus die erste Wunde beigebracht, dort sich durch seineunselige Rechte und eigenen Stoss den Tod gegeben. Auch zeigten sie den Ort, von dem herab Arminius die Anredegehalten, die Galgen für die Gefangenen, die Gräber (für die lebendig Begrabenen), und wie er übermüthig Feldzeichenund Adler verspottet hätte.
So brachte denn das anwesende römische Heer, sechs Jahre nach der Niederlage, die Gebeine der drei Legionenzur Ruhe und zwar, da keiner die Seinigen vom Feinde unterscheiden konnte, alle zusammen, als wären es Verbündeteund Verwandte, unter einem Erdhaufen, freilich mit gesteigertem Zorne gegen die Feinde, betrübt zugleich und tieferbittert. Den ersten Rasen zu dem Grabhügel legte der Caesar selbst, den Todten ein Liebesdienst, den Anwesenden einZeichen seiner Theilnahme am Schmerze. — Doch das grade missbilligto Tiberius, sei es, weil er bei Germanicus Allesmissgiinslig auslegte, sei es, weil er glaubte, das Heer wäre durch das Bild der Erschlagenen und Uubestalteten trägergemacht zur Schlacht und zaghafter gegen die Feinde; auch hätte sich der Imperator, bekleidet mit der Augurwürde unduralten Ceremonien , auf Todtendienst nicht einlassen sollen.
Doch Germanicus war dem Aiminius, welcher in unwegsame Gegenden zurückwich, nachgezogen. Sobald ei-serner habhaft geworden, befahl er der Reiterei vorzugehen und eine Ebene, welche der P'eind besetzt hielt, ihm zu entreissen.Arminius bedeutete die Seinigen sich zu sammeln und an die Wälder heran zu rücken} dann wandte er sich plötzlich um,und gab denen, die er hier und da im Waldgebirge versteckt halte, das Zeichen hervor zu brechen. Da ward durch dienicht erwartete Kämpferschaar die Reiterei in Unordnung gebracht. Die Hülfscohorlen werden nachgeschickt; doch, fortgerissenvon der Sehaar der Fliehenden, mehrten sie die Bestürzung. Sie wären in einen Sumpf gedrängt worden, wohlbekannt denSiegern, gefahrvoll für jeden, der ihn nicht kannte, hätte nicht der Cäsar die Legionen vorrücken lassen und in Schlachtreihegestellt. Das erfüllte die Feinde mit Schrecken, mit Math die Soldaten; und nach unentschiedenem Kampfe kam es zumAbzüge. Bald danach führte er das Heer wieder an die Ems, und brachte die Legionen auf Schiffen, wie er sie hinge-schafft hatte, zurück. Ein Theil der Reiter erhielt Befehl, am Ufer des Ocean nach dein Rhein zu ziehen; Cäcina, der seineigenes Heer führte, ward bedeutet, er sollte, wie wohl er auf bekannten Wegen zurück marschirte, die langen Brücken '_)so zeitig als möglich überschreiten. Es ist dies ein schmaler Knüppelweg zwischen unabsehbaren Sümpfen, einst vonLucius Domitius aufgedämmt; im Uebrigen war das Land morastig, voll zähen, dicken Schlammes oder gefahrlich wegenseiner Bäche und rings herum allmiilig ansteigenden Waldung, die damals Arminius vollständig besetzt hielt, da er aufRichtwegen und in schnellem Maische den Soldaten, die an Gepäck und Waffen schwer zu tragen hatten, zuvor gekommenwar. Cäcina, der hin und her überlegte, wie er die Brücken, die vor Alter eingesunken waren, herstellen und dabei denFeind abwehren könnte, beschloss bei dem Damme selbst ein Lager aufzuschlagen, damit zugleich die Arbeit und, vonAnderen, der Kampf begonnen würde. — Die Barbaren, deren Streben es war, die Posten zu durchbrechen und auf die,welche beim Schanzen beschäftigt waren, zu stürzen, beunruhigen uns, ziehen um uns herum, stürzen über uns her.Durcheinander hörte man das Rufen der Arbeiter und der Kämpfer. Und Alles stand den Römern gleichermassen entgegen:der Boden mit seinem liefen Schlamme, nicht hallbar genug um fest zu stehen, zu schlüpferig um sicher vor zu rücken;die Soldaten niedergedrückt durch die Last der Panzer; selbst die Wurfgeschosse konnten sie mitten im Wasser nicht rechtschwingen. Andererseits die Chcruscer, gewohnt in Sümpfen Schlachten zu schlagen, schlanke Gestallen, ungeheure Lanzen,geschickt selbst aus der Ferne Wunden beizubringen. Erst die Nacht entzog die schon wankenden Legionen dem ungünstigenKampfe. Die Germanen, des glücklichen Erfolges wegen unermüdlich, verslatteten sich auch da noch keine Ruhe: was anGewässern auf den rings ansteigenden Höhen entspringt, das leiteten sie in die Niederungen. Da so das Erdreich unterWasser gesetzt und was an Verschanzung fertig war, überfluthet ward, so verdoppelte sich der Soldaten Arbeit.
Das war das vierzigste Jahr, das Cäcina, gehorchend oder befehlend, im Kriegsdienste zubrachte, in glücklichenwie in misslichen Lagen wohlbewandert und deshalb unverzagt. Wie er so die Zukunft überdachte, fand er kein anderesMittel, als den Feuid in den Wäldern fest zu halten, bis die Verwundeten und, was den schwerer beweglichen Theil desHeeres bildete, voraus wären. Inmitten nämlich der Berge und Sümpfe erstreckte sich eine Ebene, die einen Marsch nurin schmalen Zügen verstattele, drum bestimmte er von den vier Legionen die fünfte für den rechten Flügel, die ein undzwanzigste für den linken, die erste, den Zug zu führen, die zwanzigste zur Abwehr gegen etwaige Verfolgung.
Das Entgegengesetzte wirkte zusammen die Nacht zu einer ruhelosen zu machen: die Barbaren erfüllten beifestlichem Mahle mit frohem Gesänge oder wildem Getöse die Thäler zu ihren Füssen und die wiederhallenden Waldhöhen:die Römer hatten trübe Wachtfeuer, nur abgerissene Laute, und sie lagerten ohne Ordnung am Walle, oder irrten durchdie Zelte, schlaflos mehr als wachend. Den Feldherrn schreckte überdies ein grauenvoller Traum. Er glaubte denQuintilius Varus, mit Blut bespritzt, aus den Sümpfen aufsteigen zu sehen, und zu hören, wie er ihn gleichsam zu sichrief; doch habe er ihm nicht Folge geleistet, und die Hand, die er ihm entgegen streckte, zurück gewiesen. — Als derTag graute, wichen die Legionen, die auf die Flügel gestellt waren, aus Furcht oder Trotz vom Posten und besetztenschnell die Ebene jenseits der Sümpfe; dennoch brach Arminius nicht sogleich hervor, obwohl nichts dem Angriff imWege stand. Als aber das Gepäck in Schlamm und Gräben stecken blieb, die Soldaten rings herum in Unordnunggerathen waren, die Ordnung der Truppen schwankte, und jeder, wie es zu solcher Zeit geschieht, nur auf das, was ihnbetraf, Bedacht, aber gegen die Befehle harthörig war: da heisst er die Germanen losbrechen mit dem Rufe: «seht da! Varusund die Legionen von demselben Geschicke zum zweiten Male umstrickt!" So spricht er und sprengt zigleich mit einer
') Siehe das folgende Ortsverzeichniss unter pontes longi.