gehalten bei meiner Auffassung, meinem Tempo zubleiben; andre finde ich falsch — noch mehr aberwünsche ich, dass ihnen Zeit bleibe, sich für meineClassen vorzubereiten. Mit einem Wort, ich will Unter-stützung in meinem Lehramt, aber keine fremden Ein-flüsse, darüber habe ich mich heute deutlich ausge-sprochen." .....„Und was soll ich dazu sagen? Eine
Schülerin spielt bei der Prüfung eine posthume Mscr.-Etüde in F-dur von Mendelssohn, die mir unbekannt ist:— ich höre auch bei dieser Prüfung so ganz nebenbeidavon sprechen, dass noch manches von Bedeutung inMendelssohn's Nachlass ist; und doch bin ich mit einigenAnderen von seiner Wittwe dazu ausersehen, seine hinter-lassenen Werke fü.r die Herausgabe durchzusehen, auchzusammenzustellen und wo möglich zu ergänzen. Alsoeine begünstigte Schülerin geniesst das Vorrecht, einposthumes Werk von Mendelssohn vor mir kennen zulernen, zu spielen! Das ertrage, wem's gefällt!" — Wardieser Zwischenfall ein „ärgerlicher", so finden wir geradein dieser Zeit Notizen über so manche Schüler, die gerngesehen werden, mit denen es sich gut lebt und musicirt.Obenan J. O. Grimm, der mit inniger Verehrung die Liebedes Meisters erwiderte; auch die Herren Radecke, v. Sahr,Jadassohn, Mertel u. A. hatte Moscheles gern um sich,erfreute sich an ihren Fortschritten und nahm das herz-lichste Interesse an dem der Kindheit entwachsendenGernsheim, so wie an den Gebrüdern Brassin. Es ver-jüngte ihn, mit diesen bildungsfähigen Jüngern zu ver-kehren, seine Schule, die musikalischen Erfahrungenseiner Künstlerlaufbahn durch sie fortzupflanzen. Nahtedas Frühjahr heran und „die Künstler aus der Ferne" be-suchten Leipzig oder berührten es nur kurz auf ihrerWeiterreise, so erfreute ihn der „anregende Verkehr",denn Alles sprach bei ihm vor. In diesem Jahre, wie unsdas Tagebuch beweist, der hochgeschätzte Lindpaintner,Freund Rosenhain, Speidel, Cossmann, Königslöw, Bottu. a. m. Es fand auch eine freundschaftliche Annäherungan die gräfliche Familie * * statt, die zu vielen genuss-