Druckschrift 
2 (1873)
Seite
230
Einzelbild herunterladen
 

230

Kurz nach der Sonntag gastirt die ausgezeichnete-Johanna Wagner in Leipzig. Stimme, Gesang, edle Hal-tung im Spiel, Alles erwirbt ihr gerechten, und man solltemeinen, auch dauernden Beifall. Aber nein eine Ma-dame Lagrange folgt ihr auf der Leipziger Bühne und dieFrau schreibt:Was doch die Welt für ein undankbaresInstitut ist! Jetzt lobt man die Lagrange auf Kosten derSonntag und Wagner, denen man Stimme und Gesangs-kunst abspricht. Wie reimt sich das mit der Schwärmereider letztvergangenen Wochen für die beiden nun hintan-gesetzten Künstlerinnen ?....-

Am 18. März sagt das Tagebuch:Ein Genuasseltenster Art wurde mir durch Frau Schumann's Spielmeines G-moll-Concerts zu Theil. Ich hatte es nie so__ richtig aufgefasst gehört als von dieser Meisterhand,f Schumann's Symphonie setzte ich wieder hoch über seineneue Sonate (A-moll mit Violine) und das M. S. Trio inG-moll. Die erstere gefiel mir besser als das letztere. Diesergeht sich in einer beunruhigenden Leidenschaftlichkeit,in contrapunktischen Verstrickungen, rhythmischen Schwan-kungen und oft wiederholten Vorhalten. Das melodischeElement geht dabei verloren wie der Sonnenstrahl imNebel. Selbst den Humor im letzten Stück des Trioswünsche ich mir weniger tobend, dafür fröhlicher und ge-F müthlicher. DiePilgerfahrt" der Rose hat viel edlenSchwung und glückliche Empfindungs-Malerei. In denLiebesergüssen ist er mir mitunter zu pathetisch, gränztbeinah an's Kirchliche."

Frau Schumann spielte meine Cello-Sonate mitGrabau und ich kann sagen mit Liebe. Seh. selbst bliebeinsylbig; meine Bemerkungen über Kunst, in die ich ihnhineinziehen wollte, riefen nur ein einsylbiges Nickenhervor."

Mit der Bach-Gesellschaft, deren Conferenzen Mo-scheies eifrig besucht, konnte er nicht immer Wellenschlagen. Sein Antrag, die erste Lieferung mit Ciavier-auszug herauszugeben, ward überstimmt; das verdross-ihn.Die Dorfschulmeister und nicht Gelehrten, die keine

V