unserer Mündigkeit und Verantwortlichkeit nicht immerbeipflichten können, so verkennen wir doch den WerthIhrer Erfahrungen und guten Absichten nicht. — TausendDank für Ihre herzlichen Geburtstagswünsche. Ich habe■dem Schöpfer für viel Glück und grosse Gunst zu danken,und ergebe mich in jede Prüfung, die diese irdischenGüter begleitet." ...
Eine Anfrage an Moscheies: „Ob man ihn solle alsDirigent des Musikfestes in Norwich vorschlagen", lehnter ab, da er besonderer Umstände und Rücksichten halberEngland in diesem Jahre nicht besuchen konnte. Im Maihört er mit seiner Frau den „Lohengrin" in Weimar.Das Tagebuch sagt: „Liszt dirigirte das gut geschulteOrchester; Fräulein Agthe, Milde, Beck, sehr brav. Vonder Introduction an, mit ihren hohen Violinlagen undGradations-Effecten fiel mir die Instrumentation als frap-pant originell (auch originell hart) auf. Ein dramatischesLeben ist in dieser Musik charakterisirt; dass dies aber2um grossen Theil in Recitativen liegt, sagt mir nicht zu;ich möchte sie gern öfter durch rhythmisch melodischePhrasen oder formelle Stücke unterbrochen sehen. Wag-ner's Behandlung ermüdete mich oft, weil sie zu monotonund zu stark aufgetragen ist. Gern hätte ich für einendurchgeführten Hauptgedanken, für eine anhaltendereEmpfindung manche schöne, aber zu schnell vorüber-gehende Einzelnheit, manchen schlagenden Effect entbehrt,dennoch interessirte mich das Werk sehr. Man muss esgehört haben und wieder hören, um genauer zu urtheilen."„Wir hatten vor der Abreise aus Weimar noch grossenGenuss an den Kunstschätzen des Schlosses, die uns durchdie Herrschaften selbst in liebenswürdigster Weise zu-gänglich gemacht wurden." — „Die Aufforderung, Etwasfür das Schiller-Album in Weimar zu schreiben, veran-lasste mich, eine Phantasie für Pianoforte-Solo über Schil-lert Gedicht „Die Erwartung" zu componiren." — „Cranzaus Hamburg, der heute hier (in Leipzig) die „Erwartung"hörte, sprang auf und sagte: „Das Stück muss ich haben,.setzen Sie Ihren Preis darauf."