Druckschrift 
2 (1873)
Seite
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Morgen- und Abendständchen, die Liebesgaben und alleanderen Aufmerksamkeiten anerkennend verzeichnet stehen.Die Leser müsste es langweilen, wollte man solche, oftwiederkehrende kleine Erlebnisse hier anführen, weshalbwir uns nur auf folgende Mittheilung beschränken. BeiGelegenheit eines längeren Unwohlseins lesen wir:Ichempfange meine Schüler zu Hause, und wie leicht dieübrigen Stunden vergehen, die ich mit gemüthlicherUnterhaltung und Leetüre im Verein mit den Meinigenzubringe, können Sie denken; dabei spiele ich' mich sogründlich ein, als hätte ich die Absicht, eben eine Kunst-reise anzutreten. Ob mir nun meine Gesundheit erlaubenwird, unsern nächsten i. März (den 25jährigen Hochzeits-tag) wirklich mit Ihnen Allen in Hamburg zuzubringen,das hoffen wir noch, behandeln aber unsere Wünsche mitall' dem Vorbehalt, dem menschliche Pläne ausgesetztsind. Was man Von der Zukunft nicht allzu sicher er-wartet, das bekommt in der glücklichen Ausführung dop-pelten Werth. Wenige fühlen sich bei diesem Wetterbehaglich, Wenigen aber auch gewährt die Unterhaltungam Ciavier so viel Freude wie mir. Ich spiele nicht nurmeine Lieblingswerke, sondern auch alle Novitäten, musshier aber gestehen, dass ich beim Lesen derselben aufgrosse Hände mehr und mehr neidisch werde. Meinekurzen Finger reichen nicht aus, obgleich sie nicht ebensteif sind und sich zu dehnen verstehen und Rietz mitseiner colossalen Hand scheint mir beneidenswerth. Erspannt drei Octaven in einem Accord; auch spielt erOctavenpassagen mit dem zweiten und fünften Finger." ...Geich im Beginn dieses Jahres wird die jugendlicheWilhelmine Clauss alsneuer Stern" am PianistenhimmelDezeichnet. Noch nicht zu der später erlangten Reifegediehen, war sie doch für Moscheies, diesen Beschützerjunger Talente, schon bedeutend und anziehend, und imTagebuch findet sich die Notiz:Nach der Gewandhaus-"]probe in's Hotel zu Fräulein Clauss gegangen. Sie hatteviel mit den schweren Rhythmen des Schumann'schenConcertes zu kämpfen gehabt und war ängstlich geworden. ,

Moscheies' Leben. II.