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2 (1873)
Seite
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Der König von Preussen hatte Mendelssohn einSchreiben gesandt, worin er ihm die grösste Befriedigungüber die erste Aufführung desElias" in Berlin ausdrückte;leider aber erreichte dies Schreiben Leipzig einen Tagnach dem Tode des grossen Meisters. Im Gewandhaus-Concert des n. Novembers gab man:

Erster Theil: Paulus-Ouvertüre; Motette,Herr, nunlassest Du Deinen Diener in Frieden fahren"; Mendelssohn'sLied,Vergangen ist der lichte Tag" von Frau Fjege rüh-rend schön vorgetragen; Ouvertüre zu Melusine.

Zweiter Theil: Beethoven's Eroica.

Wer möchte die Gefühle bei diesem Concert schildern!Jeder kennt nur den eigenen Herzensschrein und verbirgtihn gern vor dem Auge der Welt.

Frau Moscheies, nach Frauenart ergriffen, meinte, anein Verbleiben in Leipzig sei nun wohl nicht zu denken.Der Verlust sei gar zu gross, der Zweck einer Thätigkeitim Verein mit Mendelssohn durch diesen Schlag zerstört.

-------Aber Moscheies berichtigte bald ihre Ideen.Er hat

mich an das ihm so liebe Institut berufen, ein Wirkendaran mit ihm wäre mir eine tägliche Freude und Ge-nugtuung gewesen, das Wirken daran ohne ihn bleibtmir Pflicht und heiliges Vermächtniss. Ich muss nun füruns Beide arbeiten."

So beginnt er seine Lectionen am Montag den 7. No-vember von Neuem und findet in seiner Pflichttreue gegendie Schüler den besten Trost für seinen herben Schmerz.Der Verkehr mit den Lieben des Verstorbenen, das Lesenseiner wohlthuenden an Mann und Frau gerichteten Briefe,das Spielen seiner Musikvon den Kinder stücken an,welche C. lernt, bis zu S.'s vierhändigem Spiel mit mirund meinem alleinigen Durchgehen seiner schönsten Cla-viercompositionen" das sind lebendig tröstliche Ver-mächtnisse von ihm", schreibt Moscheies. Seine Compo-sitionen werden auch in befreundeten Häusern im kleinenKreise gespielt, die Kammermusik giebt sein Octett; solebt man den trüben Winter mit ihm fort.

Der König von Sachsen wohnt einer Aufführung der