Druckschrift 
2 (1873)
Seite
169
Einzelbild herunterladen
 

169

Moscheles'schen Hause nicht fehlen;doch waren unsereGespräche rein musikalisch", sagt das Tagebuch,währendman die Kinder mit Thorheiten unterhielt. Ich hatte ihmeinen Antrag zu machen von Chappell, der das Verlags-recht seiner zu schreibenden Oper haben, möchte. DasSujet englischThe tempest" (der Sturm), aber die Operecht italienisch für Lumley. Noch ist keine Note davon ge-schrieben, und doch ist das Werk schon für das Auftretender Lind in kommender Saison angekündigt!" Später giebtMendelssohn den Plan, diesen Text zu componiren, ganz auf,und schreibt dies dem nicht wenig betretenen Director.

Mendelssohn's Geburtstag wer hätte damals geahnt,dass es sein letzter sein sollte? muss fröhlich begangenwerden. Dazu vereinigt man sich mit Frau, Kindernund Schwägerin des zu Ueberraschenden. Ein Prolog,ein Scherz im Frankfurter Dialekt, das WortGewand-haus" als Charade aufgeführt Alles ergötzt den Ge-feierten. Er wiegt sich, von Lachen erstickt, auf seinemStuhl. Wer dächte an den grossen Musiker, der demHeiligsten den richtigen Ausdruck in erhabenen Har-monien zu verleihen weiss? Wer an den Familienvater?Er ist der Schulknabe, der seinen Feiertag geniesst, jedesWortspiel wird dankbar von ihm gewürdigt. Alles wirdvon ihm enthusiastisch beklatscht, vom ganzen Kinder-chor unterstützt; es ist ein "wahrer Jubel. Die bevorstehen-den Schrecknisse des neuen angetretenen Jahres sind nochin wohlthätige Schleier gehüllt. Wenn die eherne Handdes Schicksals diese unerbittlich lüftet, wird eine reineKünstlerseele, ein edler Mensch für die bessere Welt ge-fordert, Verwandte, Freunde und Kunstjünger in eine niezu hebende Trauer versenkt, aber heute halten sie ihnnoch, und kein Schatten fällt auf die allgemeine Heiter-keit. Sich so an den Freund zu erinnern, wie er an demAbend war, ist für die Hinterbliebenen ein Trost.

Am 17. Februar sagt das Tagebuch:Mit Mendels-sohn hatte ich eine wahre Herzensergiessung über meinAbschlagen des Spielens in Gade's historischem Concert.Ich will meine Leistungen nicht zu häufig dem jetzigen