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2 (1873)
Seite
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würde nie den Eindruck vergessen, den mein Talent aufihn als Knaben gemacht, wie ich den Götterfunken inihm belebt und ihn zur Begeisterung hingerissen hätte.Stets hätte ich ihm ermunternd beigestanden, und er einenStolz darein gesetzt, sich meiner dauernden Freundschaftzu versichern; er zweifle nicht, dass die Anwesenden seineGefühle theilten und gern mit ihm auf meine Gesundheitanstiessen." Das Lebehoch ertönte im gesungenen Drei-klang und beim Gläserschall konnte ich meine Thränennicht mehr unterdrücken. Ich stotterte hierauf Worte derErkenntlichkeit hervor, und entschuldigte die Hemmungmeiner Zunge durch das Gefühl, dass ein Mann, einFreund, mir Ehre angethan habe, der mich als Kunst-heros weit überflügelte, der als Mensch hochverehrt, einMuster edler Denkungsart unter uns lebe."

Nach und nach löste sich die ernste Stimmung inHumor auf, wir sprachen viel, und Hessen Alles leben;auch an Tabakswolken fehlte es nicht, und die Stundenvon eins bis sechs waren gemüthlich verflossen. Dannmachte ich noch einen langen Spaziergang mit Felix, aufdem er sehr mittheilend über seine hiesigen Verhältnissewar, und ich ihm die Frage vorlegte, wie er, dem diegrössten Städte Europas Anerkennung zollten, sich gradevon Leipzig fesseln Hesse? Es sei ein gewisser Sinn, einebesondere Kunstrichtung, erklärte er, die künstlerischeUmgebung und Auffassung, die ihn hier so anziehe, und?das Conservatorium liege ihm so am Herzen, dass er selbstwährend der Composition seines letzten Oratoriums seineStunden nicht versäumt habe. Den Abend brachtenwir bei Mendelssohn's mit ihren Geschwistern, Herrn undMme. Schunck sehr gemüthlich zu. Nach dem Souper un-terhielten wir uns auf zwei Ciavieren und endlich gab'seinen improvisirten Wettkampf! Das war eine Geistes-übung für mich-------ich musste ein paarmal unterliegen,

weil ich dem Felix mit so viel Wärme und Bewunderungzuhörte, dass ich das Mitspielen vergass.

Denkt Euch, als wir eintraten, erkannten wir denguten Mendelssohn kaum, da ihm ein Schnurr- und

Moscheies' Leben, n. 1 1