Druckschrift 
2 (1873)
Seite
133
Einzelbild herunterladen
 

133

Am 4. Januar.Zurück nach Dresden. Gutzkow's,,Urbild des Tartuffe" gesehen, und mich köstlich unter-halten. Emil Devrient als Moliere ausgezeichnet."

Am 5. Januar.Mein Zimmer wurde so voll vonBesuchenden, wie Du es in Wien kanntest, und da vieleKunstjünger und manche Wunderkinder darunter waren,so ist es gut, dass ich kein Ciavier habe. Hiller gab mireine grosse Matinee, bei der alle Künstler und Kunstlieb-haber zugegen waren; wir spielten meine Es-dur-Sonate,ich allein viele Stücke, Alles enthusiastisch aufgenommen.Abends mit Hiller's in die neue Marschner'sche OperAdolfvon Nassau". Sie hat viel Schönes in dramatischer Be-ziehung, die Instrumentation ist ausgezeichnet, nur in zweiStücken fand ich unverkennbare Plagiate von Spohr undDonizetti. Der Componist wurde zwei Mal gerufen, ob-wohl das Publicum gegen Ende zu erkalten schien. Nachdem Theater fand ich bei den Freunden G.'s eine grosse-Gesellschaft, in welcher Hofrath Carus eine Vorlesungüber seine Reise nach England als Begleiter des Königsvon Sachsen hielt."

Am 6. Januar.Lipinsky und Reissigersteckten"es mir noch zur rechten Zeit, dass sich einige Kapellistenwegen Mangels an persönlicher Einladung zu meinemConcert beleidigt fühlten und schnell machte ich es gut. Eine traurige Stunde verlebte ich bei Frau von Weber.Ich fand sie neuerdings in Thränen um einen erwachse-nen Sohn, der vor Kurzem in ihren Armen starb. Diearme Frau! Ich konnte ihr meine tiefste Theilnahmenicht versagen aber mein Besuch war ihr auch tröst-lich..... Jetzt ist es */ 2 2 Uhr Nachts und die Fort-setzung folgt, wenn ich ausgeschlafen habe..... " .

Am 7. Januar, wieder n Uhr Nachts.Mein heu-tiges Concert fiel über alle Maassen brillant aus; derschöne Saal des Hotel de Saxe übervoll, der Hof ineiner Loge, Alles was ich spielte, mit Enthusiasmus vonPublicum und Kapelle applaudirt, ich jedesmal hervorge-rufen (gleichbedeutend mit sechs Mal in Wien). Ich spielteheute mein G - moll - Concert mit doppelter Leidenschaft,