Druckschrift 
2 (1873)
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

i3i

kündigt daher das seinige für den 7. Januar an und gehtnach Leipzig, wo er am 1. Januar im Gewandhaus-Concertspielen soll. Das Wiedersehen njit Hauptmann, David,Gade, Joachim, Frau Frege, dem ganzen musikalischenKreis übt den gewohnten Zauber auf ihn aus.Das isteine echt künstlerische Atmosphäre, in der sich's gutMusik macht", schreibt er seiner Frau.Meine Probe istsehr gut ausgefallen, David dirigirte mit dem baton undwir hatten nicht ein Binziges Mal anzuhalten. Ein Violin-spieler, Bazzini, soll hier in der Maurer'schen Concertantemit David, Ernst und Joachim grossen Effect gemachthaben und eine von Ersterem dazu geschriebene Cadenzelectrisch gewirkt haben. Gestern übte ich mich mehrereStunden auf dem Härtel'schen Instrument ein. Abendswar ich bei David's und zwar allein, da alle von ihm da-zu Geladenen an diesem Sylvester-Abend schon versagtwaren; darunter der jetzige Concert-Director, der junge Gade,der einen Mozartähnlichen Kopf hat. David spielte mirseine M. S. Variationen in G-dur über ein eigenes Thema,Variationen über ein schottisches Lied, Alles pikant; auchbegleitete ich ihm aus der Partitur Mendelssohn's neuesViolin-Concert, für ihn geschrieben. Es ist sehr schön, dasletzte Stück Mendelssohnisch feenartig hüpfend; der ganzeAbend war genussreich. Um 11 Uhr ging ich nach Hause,gab meinen Gedanken Audienz und begrüsste das neueJahr mit dem Gedanken an Dich und die Unsrigen!Es bedarf aller meiner Thätigkeit, um mir unsere langeTrennung erträglich zu machen, aber wie gross, wieungetrübt stelle ich mir das Wiederfinden vor! . . .

1845.

Moscheies schreibt an'seine Frau:

Leipzig, 1. Januar 1845, Morgens 7 Uhr.Glück und Segen zum neuen Jahr! Gestern Nachtschrieb ich Dir, heute will ich noch Einiges nachtragen.

9*