— III —
ritanern. „So gesungen", sagt das Tagebuch, „gefällt jedeMusik, mag sie noch so leicht, ja seicht sein; und dieCerito im Ballet war auch unwiderstehlich anziehend, sodass wir die späte Stunde vergassen und bis zu Endeblieben." Im Drurylane-Theater gab man Benedict's Oper,„the Brides of Venice." „Sie hat das Verdienst einer gutenBehandlung der Singstimmen und schöne Orchester-Effecte;sie ward gut aufgenommen und der Componist gerufen;die Sänger Hessen viel zu wünschen übrig." Später heisstes: „Unglaublich und doch wahr! In dem Morgen-Concertvon Madame Caradori-Allan begleitete ich zweiundzwanzig— sage zweiundzwanzig Gesangsstücke, welche die Concert-geberin, die Grisi, Persiani, Lablache Vater und Sohn mitFrau, Mrs. Shaw, Mario, Fornasari, Corelli und Staudiglsangen. Und dazu ein Heer von. Instrumentalisten.Joachim spielte Ernst's Othello-Phantasie und überwand siemeisterlich. Die neueste Klavier-Importation L. v. Me} r erdonnerte eine eigene Fantasie über Lucrezia Borgia her-unter, rund, schnell und kräftig, aber wo war die Seele?"
Die Frau meldet: „Nachdem ich Obiges für Euch ausdem Tagebuche copirt, seht Ihr Moscheies im Geiste mu-sikalisch brach liegen, aber Ihr irrt. Der Abend brachtenoch Unglaubliches, denn Moscheies und ich trieben dieMusik noch fort. Erst in Sivori's Concert, wo wir ihnsein Concerto dramatique spielen hörten, dann ging's indie Quartett-Soiree von Macfarren und Davison, wo Beet-hoven's posthumes Cis-moll-Quartett von Ernst gespielt,Lieder von Mendelssohn gesungen, aber grösstentheilsvergriffen wurden. Zum Beschluss zu Mrs. Sartoris. KeinWunder, dass wir diesmal ihre Musik gleichgültig fanden;auch zum Anhören gebraucht man Kraft und die unsrigewar schon in einem Tonmeer untergegangen."
Die eine grosse, unvergleichliche Freude dieser Saisonblieb Mendelssohn's Anwesenheit. Er dirigirte fünf Phil-harmonische Concerte, hielt aber erst eine Vorprobe neuerOrchester-Compositionen, u. A. der Schubert'schen undeiner neuen Gade'schen Symphonie. „Als Mendelssohn imOrchester erschien", sagt das Tagebuch, „wurde er mit