— 9 o —
während der Krankheitszeit eingelöst werden. „Ich hattein den drei Tagen viel mit meinem Seelenzustand zukämpfen," schreibt er, „aber das Publikum merkte esnicht. Das Orchester machte mir auch zu schaffen.Denke Dir, wie besonders wehmüthig es klang, wo alleSecundo-Parten der Blasinstrumente fehlten!... Ich spielteauch im York-Münster auf der prachtvollen Orgel (fugirt)und erging mich in der Umgegend, um die Ungeduldtodtzuschlagen, die immer nach Hause wollte. Eine alte,halb zerfallene Statue soll eine old Mother Shipton vor-stellen, die gewahrsagt haben soll: London is Lincoln wasYork will be; den Yorkern natürlich sehr schmeichelhaft.Auch die Assisen mit dem zweistündigen Verhör dreierMörder fesselten mich, denn es war ein interessanter Fall."
Nach London zurückgekehrt, gab es viel mit derSpohr'schen Symphonie für Doppel-Orchester zu thun; Mo-scheies sollte sie auf Spohr's ausdrücklichen Wunsch di-rigiren und plagte sich viel dabei, da die PhilharmonischenDirectoren ihm nicht in der Aufstellung des Orchestersund ähnlichen Dingen beipflichten wollten.
„Das Werk", sagt Moscheies, „hat all' die grossenEigenschaften, die man an Spohr kennt und liebt: Schönethematische Behandlung, geniale Modulationen und vor-treffliche Instrumentation; aber den Hauptgedanken fehltes an Neuheit und ich wünschte mir mehr Episoden undContraste, da die Einheit so gross ist, dass sie beinahezur Monotonie führt. Den Harmoniker mag das befriedi-gen, aber das Ohr bekommt zu viel gleichbedeutende Ein-drücke. Das Orchester spielte mit Liebe und Eifer, er-zielte aber doch nur massigen Beifall"___
Nun fingen auch die Continentalkünstler an, das Ei-land musikalisch zu bevölkern, und unter diesen trittAnton Rubinstein als Rival von Thalberg auf. „Dieserrussische Knabe", sagt Moscheies, „-hat federleichte Fingerund dabei die Kraft eines Mannes." Aber auch die Ein-heimischen regen sich. Blagrove gab Quartett-Soireen,Bennett trat mit seinem Sextett in Fis-moll hervor, dieRoyal Academy of music führte Spohr's „Letztes Gericht"