Druckschrift 
2 (1873)
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

7iAm 21. Nov. verliess er Prag, am 4. schreibt er aus

Hof, 11 Uhr Vormittags.

Ueberall auf der Reise, wo ich gezwungen bin, Haltzu machen, ist es mein Vorsatz, mich mit Dir zu unter-halten. Der wichtige Moment des Scheidens aus Pragward vorgestern überstanden; er war so gut, so künstlichvorbereitet, dass er scheinbar leicht vorüberging. Ichwusste mehrere Stunden vor der Abfahrt die Mutter sozu zerstreuen, dass sie keinem Trennungsgedanken Raumgeben konnte. Ich. Hess sie mir packen helfen, machtedann allerlei Possen und Spässe, sie musste lachen undich unterdrückte die Thränen! Endlich hiess es: ich mussfort, eine minutenlange Umarmung öffnete die Schleusender Thränen: Auf Wiedersehen! waren meine letztenWorte und schon war ich die Treppe hinunter. Mir warleichter als den Zurückbleibenden: ich dachte an Dich undunser Wiedersehen."

Karlsbad durchwanderte ich eine Stunde bei köst-lichem Wetter, in Eger sah ich mir Wallenstein's Be-hausung an, während ich auf den Eilwagen wartete."

Würzburg, 5. Nov.Hier muss ich bis 3 Uhr Nach-mittags bleiben und will mir indess Stadt und Kirchenansehen. Das Wetter ist noch köstlich. Meine Reise-gesellschaft war gleichgültig; selbst Walter Scott hätteaus einem Bierbrauer, einem Handlungsdiener und einemZollinspector nicht mehr herausbringen können als ich, umso ungestörter reichten meine Gedanken zu Dir. Ich leseeifrig die Zeitungen; trotz der kriegerischen Wolken, dieam Horizont stehen, hoffe ich ungestört nach England ge-lassen zu werden."

Frankfurt, Freitag Morgens 4 Uhr. Pariser Hof.Meine Reisegesellschaft hierher wieder sehr gleichgültig,Wagen vortrefflich, Schlaf ditto. Nun wieder vier Stun-den in dem öden Saal des Posthofes auf den Mainzer Eil-wagen warten. Deiner Nase gefiele der kalte Tabaks-rauch auch nicht; ich habe aber keine, wie Du weisst, undrauche selbst. Gestern gab man die Puritani auch kein