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2 (1873)
Seite
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wenn Sie mich nach meinem seltenen Schreiben beurthei-len, ich in der Wagschale Ihrer guten Meinung sehr ge-sunken bin und hoffe nur die gewohnte Nachsicht beiIhnen zu finden, die immer meine Partei nahm, wennmeine Schwächen zu streng beurtheilt und gerichtet wur-den. Jetzt stehe ich vor Ihnen als Mann, dessen Jugend-fehler Sie vielleicht längst vergessen haben; aber ebenweil ich als solcher in häusliche Pflichten, in Vaterfreu-den und Sorgen verwickelt bin, während ich meine Kunstnoch immer liebe und pflege, bin ich ein schlechter Corre-spondent geworden, bleibe aber trotzdem eingedenk derLiebe und Freundschaft, die Sie mir stets geschenkthaben.

Während Sie sich in Wien mit den modernsten Künst-lern Sängern und Clavierspielern unterhalten, fehltes uns auch hier nicht an Wundern aller Art. Thalbergbenutzt seine Jugendkraft und sein Talent, um in Gross-britannien Lorbern und Guineen zu sammeln. Ich seheihn viel, wenn er nach London kommt, jetzt aber hat erschon sein Abschieds-Concert gegeben und ist nach Schott-land gereist. Es ist mir interessant, die jüngeren Künst-ler ihre Carriere machen zu sehen, während ich nun an-fange, den ruhigeren Zuschauer zu spielen und die Kunstzwar mit immer grösserer Liebe, doch mehr privatim zutreiben. So habe ich wöchentlich einen musikalischen Zir-kel von Freunden und Künstlern in meinem Hause, wonur gewählte Musik gemacht wird. Meine älteste Tochter,12 Jahre alt, trägt auch ihr Scherflein dazu bei und ent-wickelt einen soliden Vortrag auf dem Pianoforte. Esfreut mich, meinen Kindern eine vielseitige Bildung zugeben ohne die Ambition zu haben, dass sie als Wun-der-Erscheinungen gelten. Ohnehin wünsche ich nicht,dass sie von der Kunst öffentlichen Gebrauch machen."

Später heisst es:Thalberg ist wieder in London,will nach Paris und dann nach Amerika. Die Concurrenzmit Liszt wird ihm wohl zu lästig und desshalb scheinter London künftig meiden zu wollen....."

In einem andern Brief wird das Erfreuliche der neuen