— 42 —
er sich bei mir eingeladen, um mich spielen zu hören.Meyerbeer tritt bei jeder Gelegenheit als mein Freundauf. Er sagte laut bei Tische: „Der Einzige, der Beethovenvollkommen spiele, sei ich".
Natürlich bringt dieser Pariser Aufenthalt viele Theater-berichte und Novitäten, welche mehrfach das Bedenkender Frau erregen. „Arnal's Komik", sagt sie, „ist sehramüsant, aber das Stück passe minuit so realistisch dar-gestellt, dass es an's Unaesthetische streift. Die neue Operla Jacquerie soll von Auber „un opera en re" genanntworden sein, weil das D-dur darin vorherrscht." Guido undGinevra vonHalevy wird von Moscheies „tüchtige, gut ge-schriebene Musik" genannt, aber begeistern kann er sichnicht dafür. Als sie dann noch Robert le Diable gesehnund Moscheies vieles darin gelobt und bewundert hatte,heisst es in einem Brief der Frau: „Begreift Ihr, dass manso Entsetzliches in Musik setzt? — Der Eine die Pest, derAndere den Teufel. Ich bin keine Pietistin, aber Orgel-spiel und Kirche passen mir nicht für's Theater und wennsich die Gräber aufthun und die todten Nonnen aufer-stehn, bekomme ich eine Gänsehaut", •— „Und ich", fügtMoscheies dem Brief hinzu, „wenn so viel Posaunen, Hör-ner und Ophicleiden das übrige Orchester übertäubenund mir im Ohr schwirren, wie ich auch immer Meyer-beer's grosses Talent achte und ehre. Der Chor war vielzu schwach gegen diese Orchestermassen, die Ausstattungbis auf die Nonnenscene nicht meiner Erwartung gemäss.Mario und die Dorus Gras vortrefflich, die Andern mittel-mässig. Halevy's Sheriff ist eine geistreiche Ideen-Mosaik,die jedoch einen Eindruck von Zerstückelung macht". Spä-ter heisst es: „Was sieht und hört man nicht alles in Paris?Wir die Hugenotten zum ersten Mal. Ja, das ist doch eingrosses, gewiss sein grösstes Werk und es hat mir impo-nirt. Rossini's Barbier von Sevilla mit Pauline Garcia,Rübini und Tamburini ist auch nicht zu verachten, denndie Meisterschaft der drei Kehlen kann Einem nur Be-wunderung entlocken. Duprez ist ein vortrefflicher Teil,Bouffe im Gymnase, die Dejazet im Palais Royal, und