1838.
„Meine Finger sind in gehöriger Ordnung", erwähntdas Tagebuch am i. Januar, „und die Programme für diebevorstehenden Soireen gemacht. Ich habe wieder in deneingeäscherten Schätzen des musikalischen Pompeji ge-graben und manches Grossartige an's Licht der Welt ge-bracht. Beethoven ist gross und wen möchte ich grössernennen? Da aber das Publicum immer nur ihn, und da-zwischen die modernen Effectstücke hört, so will ich ihmzuerst die Componisten vorführen, auf deren SchulternBeethoven sich zu seinem Adlerfluge emporschwingenmusste. Darf man doch die Vergangenheit seiner Kunstnicht vergessen, wenn man ihr in der Gegenwart huldi-gen will; habe ich aber mit den Altmeistern begonnen, sowill ich meine Hörer allmählich bis auf unsere Tage füh-ren, dann mögen sie ihre eigenen, vergleichenden Schlüsseziehen". Nach der zweiten Soiree sagt er: „Der Erfolgdieser Soireen beweist doch, dass das Publicum empfäng-lich für das Schöne ist, dass man nicht ihm zu Liebe demModegeschmack zu huldigen braucht, um es zu fesseln;es erfreute sich mit mir an den alten Sachen ganz undunzerstückelt, wie ich sie gab, als Dessert die beliebtenBeethoven'schen Variationen über ein Händel'sches Thema,mit Lindley". Vor uns liegen die Berichte der öffentlichenBlätter über «diese Soireen. Sie enthalten endloses Lobfür das Unternehmen, und benutzen es um ihre Anathemagegen „den italienischen Schwindel" zu schleudern undMosnheles als den Repräsentanten einer höhern Richtunghinzustellen. Auch über die neuen charakteristischen Etü-den, deren er einige spielte, ergehen sie sich in Lobprei-sungen.
„Warum spielte er sie nicht alle zwölf", heisst es? Manwünscht sie sämmtlich zu hören, wiederholt zu hören, Mo-scheies sollte die Bescheidenheit nicht zu weit treiben.
„Der Tonangeber in diesen Soireen war der Herzogvon Cambridge, er verlangte manches zweimal zu hörenund das Publicum stimmte ihm trotz der schon langen