Druckschrift 
2 (1873)
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

kräftigen Ton erzielen kann. Sie kamen bald und mitgrossem Recht in Aufnahme und Moscheies spielte stetsmit Lust darauf. Ein Crefelder, Herr Scheibler, wolltevermittelst verschiedener Stimmgabeln und Berechnungvon Vibrationen Claviere leicht und sicher stimmen kön-nen , die Sache klang scharfsinnig, bewährte sich abernicht als praktisch. Von Ramsgate an der OstküsteEnglands schreibt Moscheies entzückt, wie er den Lec-tionenstaub von seinen Fingerspitzen schüttelt und fügthinzu:

Fragt mich aber meine Frau, wie es kommt, dassich die grosse Ruhe nicht zum Componiren gebrauche, sokann ich nur sagen, mein Gewissen erlaubt es mir nicht.Geist und Finger sind nach so einem Londoner Treibjagengelähmt und der erstere kann nur durch die letzterengeheilt werden, d. h. ich muss viel gute und die besteMusik spielen, ehe ich mir erlaube, eigene Gedanken zubekommen oder gar aufzuschreiben, sonst dürfte es nurseichtes abgedroschenes Zeug werden. Nimmt doch dererschöpfte Körper nach überstandener Krankheit erststärkende Medizin, ehe er wieder in seinen Beruf eintritt."Doch schreibt er zu Ende dieses See - Aufenthalts einenGreek war-song für Phillips, der auf dessen Einsendungerwiedert:I shall sing it at the Philharmonie and every-where eise and will answer for its success." Auch denschönen Text von UhlandSchäfers Sonntagslied" com-ponirt er und nennt in einem Brief das Leben in dieserP'erienzeit einhimmlisches".

Kaum nach London heimgekehrt, überrascht sie diefreudige Nachricht von Mendelssohn's Verlobung.

Vier Jahre zuvor, am 3. September 1832 hatte er nochder Frau geschrieben:Klingemann bleibt ein Ritter vomJunggesellenorden und das bleibe ich mit ihm, und wirbeide werden uns einmal in 30 Jahren gern verheirathenwollen, dann mag uns aber kein Mädchen mehr. DieseProphezeiung schneiden Sie aus dem Brief, wenn Sie ihnverbrennen und heben Sie sie sorgfältig auf; in 30 Jahrenwird sich's zeigen, ob sie glaubwürdig war". Am 6. Oc-