1836.
Ein Brief von Moscheies am Anfang dieses Jahresgeschrieben, sagt: „Noch immer bleibt unser Felix (Men-delssohn) stumm; er hat den Schmerz um seinen Vaternicht überwunden, sonst würde er schreiben. Was manüber ihn hört, ist eben auch nicht tröstlich. Er soll seinenbesten Halt verloren haben, soll eine unbeschreiblicheLeere fühlen und nicht arbeiten können; das muss anderswerden. — Aber sein Schmerz ist mir nur zu erklärlich,wenn ich an die Tage zurückdenke, die ich im Herbstmit ihm in seinem elterlichen Hause verlebte. Der schwache,fast erblindete Greis hatte einen so regen Geist, ein soklares Urtheil, dass mir die Verehrung des Freundes fürdiesen Vater nicht nur begreiflich ward, nein, dass ich sieauch theilte . . . ." Wie hart sein plötzlicher Verlust auchdie andern Familienglieder traf, beweisen die hier folgen-den Briefe. Der erste ist von der Gattin:
Berlin, 12. Januar 1836.Bei dem schrecklichen, so ganz unerwarteten Schlage,der mich getroffen, wird es Ihrem theilnehmenden Herzen,geliebte Madame Moscheies, gewiss eine Besänftigung desSchmerzes sein, wenn ich Sie in Wahrheit versichere, dassdie zwei Tage, die der vortreffliche Herr Moscheies im'October mit uns zubrachte, zu den heitersten, erfreulich-sten gehörten, die Sein Lebensende verschönerten, ja dassder Nachgenuss noch Ihn eben so tief als angenehm be-rührte. Ueberhaupt schien sich noch Alles zu vereinigen,dass seine Wünsche befriedigt waren, und die Verhält-
Moscheles' Leben. II. I