Druckschrift 
1 (1872)
Seite
197
Einzelbild herunterladen
 

?97

Der Neid hatte wohl dem Zeitungsschreiber seinenArtikel in die Feder dictirt, in welchem es hiess, FräuleinSonntag sei nicht zu einer Primadonna qualificirt, aberihre Erfolge widerlegten bald die Behauptung.

Am 4. Mai sagt das Tagebuch:Mit einer musikali-schen Arbeit beschäftigt, die manche Anwandlung vonWehmuth in mir hervorrief. Ich~schrieb nämlich für (denVerleger) Willis die Begleitung zu einem englischenLiede, die letzte Arbeit von Weber, die er für MissStephens zur Aufführung in seinem letzten Concert ge-schrieben hatte. Bloss die Gesangstimme und einige Tacteder Begleitung waren in seinem Manuscripte angedeutet.Das Fehlende schrieb ich, zur genauen Unterscheidung,mit rother Dinte dazu."

Zwischen den Concerten und Soireen dieser Saisonmachen das Moscheles'sche Ehepaar und andere deutscheFreunde, die Fräulein Sonntag fast täglich sahen, kleineAusflüge mit ihr; sie besuchen zusammen das Pferderen-nen von Epsom, ferner Chiswick, den Landsitz des Her-zogs von Devonshire. Sie bewunderten dort die herrlicheGemäldegallerie und sahen auch das Zimmer und Bett,wo Canning starb." Dass der Herzog von Devonshirekurz darauf Fräulein Sonntag zu seinem Balle lud, undsogar mit ihr tanzte, machte damals grosses Aufsehen,und wer weiss, ob es nicht manche Leserin interessirt,dass das reizende junge Mädchen an diesem Abende einsehr durchsichtiges weisses Kreppkleid trug, dem der Be-satz echter Goldborden ein classisches Ansehen verlieh;gehoben wurde ihre anmuthige Erscheinung noch durchdas reiche Goldgeschmeide im Haar und um den fein mo-dellirten Hals und die vollkommen schönen Anne undHände.

Der Director der italienischen Oper hatte beschlossen,nur dann Concerte in dem damit verbundenen Saale, so-wie die Mitwirkung seiner Sänger zu gestatten, wenn dieBenefizianten ihre Einnahme mit ihm theilten. Pixis ent-schloss sich zu seinem Locale und dieser Theilung, gab eineinactiges Concert, worin die Sonntag sang und Moscheies