— 180 —
Er war mit der Familie der Frau, während seines Auf-enthaltes in Hamburg bekannt, dann durch ein doppeltesverwandtschaftliches Verhältniss befreundet worden. Na-türlich hatte man in der kaufmännischen Stadt nicht so-gleich sein Genie erkannt, ahnte es nicht, wie der schmach-tende Jüngling sich entfalten würde. Gar Manche verarg-ten es ihm, dass er nicht zu jenen bequemen Naturen ge-hörte, denen das Geschäftspult eines reichen Onkels diesichere Leiter zum Throne eines Goldherrschers wird.Er aber war Dichter und musste es bleiben; so behielt ervon seinen kaufmännischen Studien nichts übrig als denAbscheu davor, und die wunderschöne Handschrift.*)
*) "Wie er über diese Hamburger Kreise dachte, zeigen folgende 1830in Hamburg gedichtete Strophen, welche er in Frau Moscheies'Album schrieb:
Dass ich bequem verbluten kann,Gebt mir ein weites edles Feld!O lasst mich nicht ersticken hier,In dieser engen Krämerwelt!
Sie essen gut, sie trinken gut,Erfreu'n sich ihres Maulwurfsglücks;Und ihre Grossmuth ist so gross,Als wie das Loch der Armenbüchs'.
Cigarren tragen sie im Maul,Und in der Hosentasch' die Hand',Auch die Verdauungskraft ist gut —Wer sie nur selbst verdauen könnt!
O, dass ich grosse Laster sah',Verbrechen blutig, colossal —Nur diese satte Tugend nicht,Und zahlungsfähige Moral!
Ihr "Wolken droben, nehmt mich mit,Gleichviel, nach welchem fernen Ort —Nach Lappland oder Afrika,Und sei's nach Pommern, immer fort!
O nehmt mich mit! — Sie hören nicht —Die Wolken droben sind so klug!Vorrüberreisend dieser StadtAengstlich beschleun'gen sie den Flug.
H. Heine.