Druckschrift 
1 (1872)
Seite
43
Einzelbild herunterladen
 

43

sich heute ereignete, Hess mich die Gefahr wahrnehmen,der ein Künstler hier ausgesetzt ist, wenn er die Formender Artigkeit öffentlich verletzt. Der Sänger Bordogniwurde nämlich ausgepfiffen, weil er aus Vergesslichkeit[oder Absicht, nach seinem Duett mit Dlle. Cinti ihr nichti-die Hand reichte, um sie zurückzuführen".

Ausser diesem Concert gab Moscheies noch eins mitLafont in der Salle Favart (18. März) und später noch vierSoireen mit ihm, die vierte und letzte am 20. Mai zum Besteneiner armen Familie. Sie spielten wiederholt ein Pot-pourri über Gluck'sche, Mozart'sche und Rossini'sche The-rmen, welches sie zusammen componirt hatten, und dieses^Vorführen und Verschmelzen von Gedanken aus so ver-schiedenen Kunstschulen machte grosses Glück. Die feineWelt patronisirte die Unternehmungen beider Künstler inParis so sehr, dass sie auch in Versailles zusammen Con-Icert gaben und höchst zufrieden mit dem Erfolg waren.BDer Graf Senzillon hatte dort Alles für sie arrangirt, siekamen mit Ciavier und Geige an, hielten Probe, wander-|ten dann in Schloss und Park umher, spielten mit demigrössten Beifall und strichen ihre Einnahme ein. UeberjfjLafont bemerkt Moscheies:Er war ein süsslich sentimen-taler Sänger, nicht nur auf seiner Geige, sondern auchmit der Kehle, und wusste durch seine RomanzeLalärme" den Augen der Schönen gar manche Thräne zuentlocken. Seine Frau sang auch Romanzen, und da sie$so schön als stimmlos war, so schrieb die spitzige Federeines Kritikers nach einem Concert, in dem sie aufgetretenwar:Mme. Lafont a chante; eile a de beaux yeux."

Manchmal versammelte Moscheies das lustige Künstler-völkchen in seiner Wohnung,wo denn bis 3 Uhr musicirt,Ipunschirt und soupirt wurde; wer nur spielen, blasen odersingen konnte, war da, und Alles spielte, blies und sangInach Herzenslust."Ueberhaupt ist's eine lustige Zeit",Ischreibt er einmal:Freilich bei dem letzten Rothschild'-Ischen Staatsdiner, in Gegenwart von solchen Notabilitäten,Ivvie Canning oder Narischkin, musste ich sehr bescheidenauftreten." Die Einladung zu ihrem grossen, brillanten,