Druckschrift 
1 (1872)
Seite
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II

Es versteht sich von selbst" (fährt Moscheies fort),dass der grosse Beethoven der Gegenstand meiner heilig-sten Verehrung war. Bei meiner hohen Meinung von ihmkonnte ich es nicht begreifen, wie die (eben erwähnten)Damen der Wiener Gesellschaft den Muth fanden, ihn zuihren musikalischen Vorführungen einzuladen und ihmseine Compositionen vorzuspielen. Ihm muss es aber ge-fallen haben; denn er war damals oft in solchen Abend-unterhaltungen anzutreffen. Sein unseliges Gehörleidenmochte ihm schon damals das Selbstspielen verkümmern,und so vertraute er diesen Frauenhänden seine neuen Com-positionen an. Wie erstaunte ich aber erst, als ich einesTages beim Hofkapellmeister Salieri, den ich nicht zuHause traf, einen Zettel auf dem Tische liegen sah, aufwelchem in Lapidarschrift zu lesen war:Der SchülerBeethoven war da!" Das gab mir zu denken. Ein Beet-hoven kann noch von einem Salieri lernen? Um wievielmehr ich. Salieri war der Schüler und wärmste VerehrerGluck's gewesen, nur Mozart und seine Werke wollte ernicht gelten lassen, das wusste man. Aber dennoch gingich zu ihm, wurde sein Schüler, auch drei Jahre lang seinAdjunct in der Oper, und erhielt dadurch die Befugniss,alle Theater unentgeltlich zu besuchen. Es war ein heite-res vielbewegtes Leben in dem lieben Wien."