Druckschrift 
Zwey Predigten, bey Gelegenheit der Sammlungen milder Beyträge für die unglücklichen Bewohner des linken Rheinufers
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

) 37 Cwir ihm nicht erwiedern können, das können und sol-len wir Menschen, seinen Brüdern, vergelten. Got-tesliebe, Jesusliebe und Nächstenliebe sind unzertrenn-lich verbunden. Auch von ihm konnte man sagen:wer seinen Bruder nicht liebet, den er siehet, wiekann der Jesum lieben, den er nicht siehet? Leidendealler Art sind es, an welche er uns verwiesen hat.Sie sind seine Stellvertreter auf Erden, die Erbenseiner Ansprüche. Alle Menschen machen seine Fa-milie aus. Was wir erweisen einem unter seinengeringsten Bruͤdern, das betrachtet er als ihm gesche-hen! Ist unsere Kenntniß von ihm lebendig, unserGefühl für ihn innig; wie sollten sie sich dann nichtin Thaten aussern? Auch an uns ertönt sein Ruf:Liebet Ihr mich, so haltet meine Gebote.Dar-an wird jedermann erkennen, daß wir seine Verehrersind, wenn wir Liebe untereinander hegen, und wie er, gern einiges für die Brüder wagen.Denn unsere Liebe gegen den Göttlichen soll end-lich nicht engherzig, ſie ſoll großmuͤthig ſeyn.Was wagte unſere Maria nicht? Wie leicht konntesie getadelt werden? Ihres Landes Sitte verbotes ihr, öffentlich zu erscheinen. Doch ihr Herz gebot;und ſie drangte ſich zum Mahle. Sie wurde wirklichgetadelt. Jesu entarteter Jünger nannte ihre Wohl-that Verschwendung. Er berechnete, wie hoch mandieses Oel hätte verkaufen, wie viele Arme man da-von hatte unterstützen können, wenn der Ertrag inJesu Casse, worüber er die Aufsicht führte, geflossenwäre. Doch es galt ihm nicht das Wohl der Durf-tigen. Er verbärg seine Habsucht unter einen gutenSchein.: Sein Verhalten ist ein getreues, schreckli-ches Bild aller eigennützigen Menschen aller Tage.Seine Bemerkung konnte die gute Maria wohl be-trüben, aber nicht irre machen. Welche Gefahrdrohte ihrem Haupte! Wohl wuͤßte sie, daß Jesu