Druckschrift 
Zwey Predigten, bey Gelegenheit der Sammlungen milder Beyträge für die unglücklichen Bewohner des linken Rheinufers
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

) 34 (Verdienste sich Jesus um die Welt erworben hat.Er hat das Reich des Unglaubens und des Aberglau-bens, der Sünde und des Lasters, der bangen Angstund Trostlosigkeit zerstört, und auf seinen Trümmernein Reich des Glaubens, der Liebe und Hofnung er-richtet, das kein Ende nimmt. Tausende sind schondurch ihn belehrt, gestärkt, beruhigt zur Vollendungeingegangen. Und zehntauſende werden noch Lichtund Kraft und Trost bey ihm finden. Bestimmtweiß es ein solcher, was wir ohne unsern Herrn undHeiland seyn würden, was wir durch ihn gewordensind. Auch uns hat er der Herrschaft der Finsternißentrissen, und uns zu Bürgern seines Reiches desLichts und der Liebe aufgenommen. Wenn wir inGott unsern Vater, in der Tugend unsre Bestim-mung, in der Ewigkeit unsre Heimath erblicken; soist es sein Werk. Jede Liebe, welche nicht auf aner-kannte Vorzuge beruht, ist von kurzer Dauer. Nurdann, wenn unsre Liebe aus deutlicher Einsicht her-vorgeht, lieben wir Jesum, wie wir sollen.Sie soll dann aber auch keine kalte, sonderneine tiefempfundene Liebe seyn. So war dieLiebe einer Maria beſchaffen. Ihr Herz voll Ge-fühl für ihren Freund und Helfer spricht uns aus derganzen Erzählung an. Jesus war mit den Festgän-gern, die hin nach Jerusalem wallten, angekommen.Während jene ihre Reise zur heiligen Stadt fortsetz-ten, blieb er in Bethanien. Kaum erscholl die Nach-richt: der Herr ist hier; da regte sich der Maria edleZuneigung, da sann sie darauf, ihm eine Freude zubereiten. Hatte ſie vielleicht davon gehoͤrt, daß manihm nachstelle, daß man auf sein Leben einen Preisgeſetzt habe? Sie glaubte, es koͤnnte wohl zum letz-tenmahl seyn, daß sie ihm einen Dienst leistete. Längsthatte sie für ihn ein Glas voll unverfälschten, kostbarenNardenöles aufbewahrt Damit wollte sie dereinst,