) 20 (jene Scheidungen nicht verschwinden? Würde uns dieseErde nicht als Ein Ganzes erscheinen, und würdenwir in der Menſchheit nicht Eine Familie auf ihrverbreitet erblicken? Vor Gott sind wir alle Brüder,alle seine Kinder, alle Gegenstände seiner Huld undErben seiner Seligkeit. Und wir, wir sollten denFremden von unserm thätigen Wohlwollen ausschließen?So natürlich dieses Wohlthun ist; so christlichist es auf der andern Seite. Der ganze Geist derReligion, zu welcher wir uns bekennen, fordert esvon uns. Das Evangelium iſt eine Anſtalt nicht bloßfür dieses oder jenes Volk; nein, für alle Menschenaller Zeiten, Nationen und Sprachen. Sein groͤßtesGebot iſt Liebe, „brüderliche Liebe und allgemeineLiebe.“ Je engherziger wir sind; desto weniger sindwir von diesem Geiste durchdrungen. Je weiter unserHerz sich allen Menschen öffnet, aller Wohl umschließt;desto reicher hat sich dieser Geist in uns ergossen. Erwar auch Jesu Geist. Wie tadelte er die Parthey-sucht der Juden? Wie frey war er von ihr? Wieliebreich nahm er den Samariter in Schutz und heilteder Phönicischen Mutter ihre geplagte Tochter? AllenMenschen bereitete er seinen himmlischen Segen. „Ausallen Himmelsgegenden sah er Menschen herbeyeilen,und mit Abrahams Nachkommen an den Seligkeitenseines Reichs Antheil nehmen." Dieser Geist Jesuist auch Gottes Geist. Unendlichkeit ist sein Nahme,sein Wesen Liebe, erbarmende, allumfassende Liebesein Thun. „Er ist nicht bloß der Juden Gott; erist auch der Heiden Gott, ja wahrlich, auch derHeiden Gott.“ Wo sie wohnen mögen, welcheFarbe sie auszeichne, mit welchem Nahmen sie ihnnennen, unter welchen Gebraͤuchen sie ihn verehren:alle bewacht sein Auge, alle beschirmt seine Rechte,allen öffnet sich seine Vaterhand. „Der Herr behu-tet die Fremdlinge.“ Dieser Geist Gottes und Jesu
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Zwey Predigten, bey Gelegenheit der Sammlungen milder Beyträge für die unglücklichen Bewohner des linken Rheinufers
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