) 19folgt diesem edlern Gefühle! Es leitet Euch sicher,leitet Euch zum innern Frieden! Nicht fremd ist Euchdiese Seligkeit. O was gleicht dem segnenden Be-wußtseyn, Schmerzen gelindert, Thranen gestillt,Leiden entfernt, Freude verbreitet, vielen den Weg desLebens verschönert, und ihren Uebergang zur Ewigkeiterleichtert zu haben? Ihr kennt ihn, den großen Vor-gänger in jedem Guten, den erhabenen Menschen-freund, der in anderer Wonne die seine fand,den kein bedrängter Armervergebens je um Hülfe bat,kennt sein Gebot, so eindringlich: „folget mir nach!seyd barmherzig wie Euer himmlischer Vater barmher-Ihr kennt ihn, der die Liebe selbst, derzig istLiebe Urquell und der Liebe Vergelter ist. Nurauf den sieht er mit Beyfall hernieder, den nur wirder zu seinem Anschaun erheben, der Liebe hegt undübt. ,,Selig sind die Barmherzigen: denn sie werdenBarmherzigkeit erlangen.“ Oft habt Ihr Euch entzücktan der Ausſicht in jenes Reich des Lichtes und derLiebe, wohin nur erbarmende Liebe uns den Eingangeröffnet.Etwas länger laßt mich verweilen bey den be-sondern Gründen, welche für Wohlthun auch ge-gen Fremde und Entfernte reden. Wie natürlichist dieses Wohlthun! So viele denken sich die Men-schen immer als getrennt durch Verfassung und Wohn-ort, durch Sprache und Sitten. Aber ist diese Ab-sonderung nicht mehr willkührlich? Sind diese Grän-zen nicht bloß eingebildet? Diese Trennung ist dasWerk der Menschen, sie besteht nur in Gedanken,nur in todten Buchstaben. In der Natur der Dingefindet sich keine Spur davon, und der Geist achtetihrer nicht. Könnten wir uns von der Erde erheben,und aus einem höhern Standpunkte herabsehen, wür-den wir diese Gränzen dann wohl bemerken? Würden
Druckschrift
Zwey Predigten, bey Gelegenheit der Sammlungen milder Beyträge für die unglücklichen Bewohner des linken Rheinufers
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten