12Eine dritte Perle in jener reichen Schnur ist die Treue. DerKrieg ist erklärt; ohne Zaudern ziehen sie hinaus, des VaterlandesSöhne, der Edelmann und der Bauer, der Gelehrte und der Handwerker,der Kaufmann und der Fabrikarbeiter. Der Vater läßt Weib undKind, der Sohn seine Mutter, der Bräutigam die Braut.„Das wäre mir ein schlechter Ruhm,An Haus und Gut und EigenthumIn ſolcher Zeit zu denken.„Zerfallen magst du, kleines HausMit vielen Brüdern zieh' ich aus,Ein größeres zu bauen.Treu dem Vaterland und treu dem König, boten sie Schulter anSchulter die harte Brust den feindlichen Kugeln, Bajonetten und Lanzenspitzen dar. Die Zurückbleibenden sahen sie ziehen blutenden, ja brechen-den Herzens unter krampfhaftem Schluchzen. Aber das eigene Leid mußschweigen gegenüber der Pflicht der Treue. Unterdessen sind sie nichtmüßig. Sie zupfen Charpie, senden warme Kleider, Decken, Mund-vorrath nach ins Feld, pflegen mit aufopfernder Hingebung die Ver-wundeten, sammeln sich zu gemeinsamer Fürbitte im Gotteshause, beugenihre Kniee im stillen Kämmerlein und flehen um Sieg und glücklicheHeimkehr der Ihren. Die Treue schlang damals ein festes Band umalle, daheim und draußen, um Besitzende und Besitzlose, wenn ich sosagen darf. Die Treue feierte ihre höchsten Triumphe. Wie der jungeKrieger in der Fülle seiner Kraft sterbend ist dargestellt auf dem Denkmalunserer Stadt, die Treue zum Vaterlande verkörpernd bis in den Todsind sie nicht ebenso zu Tausenden und Abertausenden hingesunken, diekraftstrotzenden Gestalten, geadelt durch die wahrhaft königliche Gesinnung,in welcher sie, freiwillige Opfer auf dem Altare des Vaterlands, starben?Und die Thränen der Mütter, die das steinerne Bild geschaffen; waren'snur herbe Schmerzensthränen, hervorgepreßt von der Trauer um dieVerlorenen, oder waren es nicht auch milde Freudenthränen, daß derSohn, den sie einst unter dem Herzen getragen, ihr eigen Fleisch undBlut, seine Treue besiegelt mit dem Tod, und so ruhmvollen Antheilbekommen an der Neuerstehung der Herrlichkeit des alten DeutschenReiches? Wer stand treuer zu König und Vaterland, die Mutter oderder Sohn? Eine schwer zu entscheidende Frage!„Die Treue steht zuerst, zuletztIm Himmel und auf Erden,Wer ganz die Seele dreingesetztDem kann der Himmel werden!
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Reden bei dem religiösen Festakte auf dem Exerzierplatze zu Düsseldorf, gehalten von Herrn Divisionspfarrer Dr. Pörtner und Herrn stellvertr. Divisonpfarrer von Bracken am Sedantage 1. September 1895
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