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Tafel 38. Besancon, Palais Granvelle.
Dies Haus verdient schon wegen seines Bauherrn besondere Beachtung:Nicolas Perronet, ein burgundischer Patrizier, war im Dienst Kaiser Karl V.zum führenden Minister und zum Herrn von Granvella geworden. Erstarb 155°-Sein Sohn Antoine, Bischof von Arms, folgte ihm in Einfluss und Würden.Beide zusammen sind die machtvollen Vertreter des internationalen Kaisertums.Es giebt noch ein zweites Palais Granvella: In Brüssel, die jetzige Universität.Es wurde von Sebastian von Noyen 1559—1564 in einem Stil erbaut, demman sofort ansieht, dass Sansovinos Bibliothek in Venedig das Vorbild abgab.Dorthin lenkte also der Geschmack des Sohnes die Aufmerksamkeit seinesBaumeisters, damals als er in den Niederlanden zu den höchsten Würden stieg:Denn 1560 wurde Erzbischof von Mecheln, 1561 Kardinal. Aber als die er-wachenden Volksströmungen ihn aus ilcn Niederlanden hinwegspülten, zog ersich 1564 wieder nach Bisanz zurück in das Haus, das sein Vater 1534—1 54' >erbaut hatte. Diese Zahlen wenigstens finden sich inschriftlich an der Schauseite.
Wer war der Meister, woher liess der gewaltige Mann den Künstlerkommen, um den Sitz zu bilden, den er sich als Zufluchtstätte aus demKreise politischer Sorgen geschaffen? Granvella kannte die Kunst allerVölker, er hatte ihre Werke gesehen, er war ein eifriger Sammler. Unddoch hat er weniger nach italienischer Form getrachtet als etwa die französischenKönige. Wie die ganze Stadt, so macht auch dieser Bau in vielen Teileneinen Eindruck, der für die lange Zugehörigkeit zum deutschen Reiche spricht.Liessen doch ihre Bürger dem Kaiser von Claude L'huillier eine Statueaufrichten, die die Revolution leider zerstörte, wehrten sie sich doch nochim 17. Jahrhundert entschieden dagegen, als Reichsangehörige an Spanienausgetauscht zu werden, wie der Regensburger Friede es wollte. Erst 1Ö74eroberte Ludwig XIV". die heftig sich verteidigende Stadt.
Die Schauseite des Palais Granvelle ist merkwürdig durch den Wechsel derStile. Das Erdgeschoss könnte man für deutsch nehmen, wenigstens die Um-rahmung der Flächen. So missverstandene Verdachungen sind an der Loireoder Seine selten. Die Fensterteilung hier und das zweite Geschoss habenden besonderen burgundischen Zug, der auch in den Bauten Dijons hervortritt.Das oberste Geschoss nähert sich den Anregungen des französischen Westens.Das Hauptthor endlich, der klassisch formenrichtigste Teil, mahnt an Oberitalien.Wie der Bauherr ein Kosmopolit war, so spricht auch sein Haus verschiedenerLänder Sprache.
Tafel 34a. Dijon, Maison Destot, rue des forges No. 56.
Die Darstellungen eines gotischen Hauses, die wir in Tafel 1 [ a boten,werden ergänzt durch das vorliegende Blatt. Es ist dabei zu bedenken, dassim 1 lauptgeschosse die Fenster modern sind. Man sieht die alten, teilweisevermauerten Gewände der einst dort befindlichen offenen Gallerie. Der Erbauerdürfte Jean de Rochefort, Baillie von Dyon sein, der Meister vielleicht jenemnahegestanden haben, der in Viviers an der Maison des Tetes (Tafel 165)arbeitete. Das kleine, um 1550 geschaffene Meisterwerk fein empfundenerRenaissance liegt versteckt, schwer zugänglich, in einem Hofe. Man verstelltdie Freude, die Sainte-Beuve empfand, als er es 1828 entdeckte:
.... Mais entrait-on par une etroite allee,Alors apparaissait la beaute revelee,Une facade au fond travaillee en bijou,Merveille ä faire mettre en terre le genou,Meur de Renaissance......
.....Surtout ces quatre enfants
Deux ä deux, face ä face alles et triomphants,Un ecusson en main, et plus bas, ces melees1 )e cavaliers sortant des pierres ciselees.
Tafel 18. Dijon, Maison rue des forges No. 38.
Auch dieses Haus ist seit 1836 durch die Lädeneinbauten eines wesent-lichen Teiles seiner Wirkung beraubt, nämlich seines Erdgeschosses, das auszwei Fenstern und einer Reliefvase zwischen diesen bestand. Gebaut alsSeitenflügel des I lötel Chambellan, wird es nach der Familie Milsaud benannt,die es seit Anfang des Jahrhunderts bewohnt.
Die Schauseite entstand 1561. Ein kräftiger Realismus belebt in eigen-artiger Weise die architektonischen Glieder. Im ersten übergeschoss verdrängter sie geradezu mit seinen Blumen- und Stoffgehängen. Freilich sind dieFenstergewände der Hauptfenster hier nachträglich entfernt worden.
Dem Zuge des fein empfundenen Flachornaments mit den Augen nach-zuwandern, wird dem Freund der Baukunst eine besondere Freude sein.
Tafel 45 und 120. Dijon, Palais de Justice.
An ältere Bauteile wurden unter Belassung der gotischen Fensterseit 1572 durch Etienne Pinguet, Maurer in Dijon, ein Anbau geschaffen,während für das Portail« besondere Abmachungen abgeschlossen wurden.Hugues Bruhee lieferte den Entwurf, der Maurer Clamonet die Ausführuni;,bis 1571; war das Werk vollendet.
Bruhee erscheint somit als ein tüchtiger Meister, dessen Hand sichauch anderweit erkennen lässt. An den Bildhauerarbeiten soll Gilles ParigotAnteil haben.
Das auf Blatt 45 dargestellte Thor vor der Kapelle, die am Hauptsaaldes Gerichtshauses sich anlehnt, ist, wie urkundlich nachweisbar, von demTischlermeister Hugues Sambin ausgeführt worden. Dies geschah in den70er Jahren des 1 (>. Jahrhunderts. Das Werk ist vorzüglich erhalten. Nurdie Wappen im Giebel hat man 1793 herausgebrochen. Sambin nimmtin der Renaissance I )ijons eine Stellung ein, wie Bacheher in Toulouse. Ergilt als der Meister, dem alles Gute jener Zeit zu verdanken ist. Aber wenn
Bruhee die Schauseite entwarf, so ist er wohl auch zweifellos der Schöpferdes I lauses Rue de Forges 38. Und wenn Sambin jenes Thor schuf, so kanner nicht gut zugleich der Meister des Umbaues des Palais de justice sein, indem sich eine formell wesentlich unsicherere Hand bekundet. Da fehlt es,wie mir scheinen will, noch an der Stilvergleichung, um festen Anhalt überdie Meister zu bieten.
Wie dem auch sei, gewährt die Schauseite viel Lehrreiches. Die Be-handlung der seitlichen Nischen, der Fenster darüber, die ganze malerischeAnordnung bekundet ein vornehmes Empfinden für Wirkung und vor allemeine dem Feingefühl der französischen Renaissance nicht ganz angemessene,dem Deutschen aber vertraute grössere Volltönigkeit der Formensprache.
Tafel 41. Dijon, Maison Rue Vannerie 39.
Auch den reizenden Erker dieses Hauses, der um 1 570 entstand, schreibtman dem Sambin zu. In der ungemein eigenartigen Formbehandlung scheinter mir dem Giebel des Justizpalastes näher zu stehen.
Tafel 14b. Dijon, Maison Pouffier, rue Chaudonnerie 28.
In Dijon ist dies Haus als Maison des Cariatides bekannt. Es entstandzu Anfang des 17. Jahrhunderts für den Schöffen (echevin) Jean Pouffier.Der grosse Topf (marmite) im Giebel deutet an, dass die Familie durch denEisenhandel wohlhabend geworden war.
Das Erdgeschoss ist durch Ladenbauten zerstört. Die Übergeschossezeigen ein entschieden barockes Empfinden, ohne dass die Gebundenheit desGesamtaufbaues durch dieses wesentlich beeinträchtigt wurde.
Tafel 41. Dijon, Hotel des Berbis.
Der hübsche Erkergehört den ersten Jahren des 17. Jahrhunderts an.
an der Ecke des Place des Ducs de Bourgogne
Tafel 41. Dijon, Hotel le Gouz de Gerland.
Die Schauseite gegen die Rue de la Conciergerie mit ihren drei Erkernist auf das Jahr 1538 datiert. Den vierten an der Ecke fügten neue Besitzerdes Hauses zu Anfang des 17. Jahrhunderts hinzu, als sie die gequaderteSchauseite (auf unsrem Blatte links) anbauten.
Diese Erker alle bilden eine Gruppe von Schöpfungen, die ausserhalbder Pariser Kunst jener Zeit stehen. Die Meister der Hauptstadt mögendiese Schmuckstücke nur mit Lächeln betrachtet haben, denn sie stehenabseits von den Bestrebungen, die die führenden Köpfe beschäftigten. So trittbis ins 17. Jahrhundert die Selbständigkeit der burgundischen Lande, die inihrem Parlament einen staatlichen Mittelpunkt und in ihrem Gerichtsadelkunstsinnige und wohlhabende Führer hatten, klar erkennbar hervor.
Tafel 19. Dijon, Hotel de Vogue.
Der Erbauer des Hauses, Etienne Bouhier de Chevigny, war ein Dilettantin der Architektur. Aber schwerlich hat ein solcher den Entwurf geschaffen,der eine ausserordentliche Reife des Könnens verrät. Zu bemerken ist,dass die Balkone an den Fenstern des Übergeschosses im rechten Flügelaus dem 18. Jahrhundert stammen, während sonst das Werk die ursprünglicheForm der Zeit um 1615 festhält. Durch Sauvageots Veröffentlichungen frühbekannt, hat gerade dieses Gebäude auf die wieder aufgenommene französischeRenaissance grossen Einfluss gehabt. Auch auf deutschem Boden! Van derNull und Siccardsburg haben wesentliche Gedanken zu ihrem Palais Larischin Wien, einem der vornehmsten Werke des dortigen Wohnbaues, hierherentlehnt.
Im Süden wirkte die Renaissance vielfach unmittelbarer. Die Haupt-stadt der Entwicklung wurde dort Toulouse.
Tafel 144. Toulouse, Hotel Bernuy.
Der Hof des jetzt als Lycee benutzten vornehmen Adclssitzes zeigt dieMeisterhand eines Künstlers der Frührenaissance. Manche Dinge mahnen andie Auffassung der nordischen Künstler, der Meister in den Königstädten undSchlössern der Loire, manches erinnert in der scharfen Profilierung an Bronce-guss. So namentlich die kandelaberartigen Säulen. Einzelheiten wie diefigürlichen Konsolen unter den Postamenten der Brüstung im übergeschosssind noch gotisierend. Überall aber äussert sich im Einzelnen wie im Ganzenein Meister von grossem Können. Als dieser Meister gilt Nicolas Bachelier.Mit welchem Recht, weiss ich nicht zu sagen. Bachelier ist für Toulouse zueinem Gemeinbegriff geworden, unter dem man die feinere Renaissancezusammenfasst. Nach Maurice du Seigneur soll Bacheliers Vater aus Luccastammen, um 1480 nach Toulouse gekommen sein. Sein Sohn sei dort1485 geboren, in Italien gebildet, um 1572 gestorben.
War er der Meister des Thores der Dalbade, so erscheint er wenigerals Schüler der Florentiner, wie als ein in der Lombardei ausgebildeter Meister.Genua war der Handelsplatz, von dem aus die lomb.irdischen Marmorbild-hauer mit dem Stein auch ihre Kunst nach dem Westen ausführten. In Toulousesehen wir einen Künstler thätig, der in der Fassade der Certosa zu Paviaden Höhepunkt des Schaffens erblickt haben mag. Denn es kommt ihmweniger auf planmässige Entfaltung der klassischen Ordnungen, auf klarenEntwurf an, als auf Feinheit der Einzeldurchbildung und malerisch wirksameGruppierung.
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