Druckschrift 
1 (1896)
Entstehung
Seite
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des Werkes sich schon in den Armen des 20 Jahre jüngeren Herzogs vonOrleans, des späteren Königs Heinrich II., zu trösten verstanden hatte.

Das Denkmal gilt als Schöpfung des Jean Goujon. Ob das richtig ist.scheint mir zum mindesten fraglich. Teile hat man dem Nicolas Quesnelzugeschrieben, und zwar ist wirklich ein starker Unterschied vorhanden zwischender liegenden Gestalt und dem Reiter einerseits, der zarten Architektur unddann drittens den sonstigen, etwas schweren Bildsäulen. Mir will scheinen,als könne derselbe Künstler nicht das leblose Blattwerk am Kapitalunsres Grabes und zugleich das schwungvolle an der Orgel in Saint Maclougeschaffen haben.

Als Bildhauerwerk ist zweifellos das edelste die liegende Gestalt desToten. Ähnliche Gedanken finden sich wiederholt an niederländisch-burgundischen Gräbern. Die Vermittelung zwischen diesen und den Figurenin Brou bildet Holbeins berühmtes Bild des toten Christus von 1 521 imBasler Museum. Irgend welche Wechselwirkung muss da bestanden haben, seies durch Conrad Meyt oder sonstwie. In den Karyatiden des Brezedenkmalsäussert sich eine Formensprache, die mehr an die Niederländer des Um-schwunges zum Italianismus als an die zierlichen feingliederigen ArbeitenGoujons in Paris erinnert.

Wie dem auch sei: Am Denkmal arbeitete ein grosser Künstler, demwohl auch sehr entschiedene Wandlungen zugetraut werden können. Die Artz. B. wie der Reiter auf dem Pferde sitzt, die Bewegung des Passgängersist kaum von einer zweiten Reiterstatue übertroffen worden. Man sieht daüberall die Vorahnung dessen, was ein zweiter Sohn des nördlichen Frankreich,Giovanni da Bologna, in Italien verwirklichte. War er doch 1524 geboren,reiste er doch schon 1544 nach Rom. Er trat also mit verwandten An-sichten, wie dies Denkmal und die Leistungen seines Lehrers de Breuk boten,in die Schule Michelangelos ein.

Tafel 191 und 192. Chäteau Mesniere.

Das Schloss liegt im Departement Seine inferieure. Palustre weist es inseinem berühmten Werk über die geschichtlichen Schlösser Frankreichs derZeit um 1540—1546 zu. Nach aussen wahrt es sich noch seinen festungs-artigen Zug. Die Ecktürme deuten noch auf die Absicht, die Facen des1 lauses zu bestreichen. Aber die Formenfreude und der Festesglanz der Zeitbricht sich an diesen schon kräftig Bahn. Der Aufbau der unten jonischen,oben korinthischen Säulenordrrung, erreicht an Formenrichtigkeit nicht ganzden Louvre. An Feinheit der künstlerischen Empfindung steht er ihm un-mittelbar zur Seite. Namentlich die unteren Arkaden sind von hohem Reiz;ebenso, für sich betrachtet, die Dacherker. Sehr merkwürdig ist, wie der

Architekt sich um die Notwendigkeit herumwand, nachdem er das Gurtgesimsverkröpft hatte, dies auch mit dem Hauptgesims zu thun. Die Konsolen-reihe unter dem Architrav dankt diesem Bestreben sein Entstehen.

Nicht minder eigenartig sind die Fenster des Obergeschosses. Ihr Ge-wände ist zur Hälfte antik, zur Hallte aus eigentümlichen Abtreppungengebildet. Ursprünglich lag über dem mittleren jonischen Säulchen wohl einGebälk, sodass das ganze Fenster durch ein Steinkreuz geteilt war. DasAbbrechen des Brüstungsgesimses durch das Tieferlegen der Sohlbank istwohl auch späterem Umbau zuzuschreiben.

Tafel 147. Rouen, Monument de Saint-Romain.

Im Mittelpunkt der alten Stadt liegen die Kaufhallen. Die Leinenhallegeht ins 13. Jahrhundert zurück, andre schlössen sich, einen grossen Hofumschliessend, an. Durch diesen Hof, place de la Haute-Vieille-Tour führenmehrere Verbindungswege, über einem dieser wölbt sich das Monument deSaint-Romain. Dies bot für ein bestimmtes kirchliches Fest, la Fierte deSaint-Romain, die Bühne. Die Geistlichkeit trug nämlich den Schrein mitden Reliquien des heiligen Romanus in feierlichem Aufzug die Rampenhinauf. Dort löste sich ein Verurteilter von der Strafe, indem er den Schreindreimal auf die Schulter hob. Diese Bestimmung erklärt die eigenartigoffene Form des 1542 errichteten Bauwerkes. In künstlerischer Beziehung istes merkwürdig durch die klare, schlichte Verwendung der klassischenOrdnungen.

In den Provinzstädten zeigen mancherlei gesonderte Schulen, die hierin einigen ihrer bezeichnenden Hauptwerke dargestellt werden sollen.

Tafel 40. Caen, Saint-Pierre.

Hector Sohier ist der grosse Renaissancemeister von Caen: Sein kirch-liches Hauptwerck ist der Chor von Saint-Pierre. Die Gesamtwirkung warfrüher bedeutender, als der Chor noch über der Stadtmauer sich erhob undstatt der jetzigen Strasse sich der Flusslauf der Orne hinzog. Dafür ist dasAuge jetzt den zarten Einzelheiten des Baues näher, mit denen Sohier diegotischen Grundformen in das Gebiet der neuen Kunst herüberzog.

Von wunderbarer Feinheit und von höchstem dekorativen Reiz ist auchdie Behandlung des Rippenwerkes im Innern.

Der Chor entstand seit 1521, doch hatte erst seit 1525 Sohier die Bau-leitung.

Die Champagne nimmt lange eine Stellung ein, die jener der Loire-gegenden die Wage hält. Noch sind es zumeist nicht pariser Meister, denendie Führung im königlichen Bauwesen zufällt, sondern die werksicherenKünstler der grossen Bischofssitze. In der Champagne gewöhnen diese sichbald an eine feine vornehme Renaissancebehandlung.

Tafel 142 b. Troyes, Saint-Nicolas.

Die Kirche brannte 1524 nieder, wohl während sie im Hau war. Dennschon 1518 soll sie Gerard Faulchot begonnen haben. Sie wurde seit1 520 neu errichtet. Die Grundform ist schon bemerkenswert. Ein saalartigesLanghaus von fünf Jochen, das nach Osten aus dem Achteck schliesst undvon einem gradlinig abschliessenden Umgange umgeben ist. Vor der West-front ist eine Empore angebracht. Auf dieser steht der Calvarienberg. Einebreite Treppe führt im nördlichen Seitenschiff zu diesem empor. GrosseStatuen, Christus an der Säule, der auferstehende Christ und andere vonFrancois Gentü sind dort aufgestellt.

Die Kirche wurde 1882 —1890 von Salmersheim erneuert.

Tafel 142 a. Troyes, Saint-Pantaleon.

Saint-Pantaleon gehört verschiedenen Zeiten an: Eine Kreuzkirche vonnur je zwei Jochen an Langhaus und Chor, nach Osten im Achteck geschlossen.umgeben von Seitenschiff und Umgang, der gegen Osten gradlinig schliesst.Der Blick auf unserm Blatt ist in die südwestliche Ecke der Kirche, dieTaufkapelle, gerichtet, wo ein 1685 errichtetes Treppentürmchen sich erhebt.Der malerische Reiz der wunderlichen Stilmischungen ist es, der mich zurWahl dieses Blickes veranlasste. Denn frühe Gotik vermengt sich hier mitspäter, während der Renaissance der Schmuck zufällt.

Tafel 146. Troyes, Saint-Nicolas.

Das Südthor der Kirche wird dem Jehan Faulchot zugeschrieben; esscheint mir eines der bezeichnendsten Werke der Renaissance in der Champagnezu sein. Welch ausserordentliche Feinheit! Eine Architektur von fastmädchenhafter Zartheit, die sich mit ihren schüchternen Ausladungen, ihremsauberen Flachornament vor die Wandfläche legt, scheinbar ohne in derenTiefe zu greifen. Die Statuen der oberen Nische sind spätere Werke. JehanFaulchot war der Sohn des ersten Meisters Gerard Faulchot und setzte 1535den Kirchenbau fort.

Tafel 114. Troyes, Saint-Niziers.

Die Kirche Saint-Niziers kam erst im 16. Jahrhundert zu einiger Be-deutung. Sie wurde an Stelle einer älteren, 1535 begonnen. Das Südthorgehört dieser ersten Erbauungszeit an. Es ist noch völlig in gotischenFormen gehalten. Zwar entbehrt es seiner Statuen, die dem Ganzen erstden Abschluss verliehen hätten, aber die Schule des Meisters Guaide zeigtsich noch durchaus bildungsfähig. Das Nordthor behält die Holzkonstruktiondes Dachausbaues bei, wandelt aber die Formen nach den (lesetzen derRenaissance. Die Monogramme und die verschränkten Mondsicheln weisenauf die Zeit König Heinrichs II. (1547 —1559) und der Diana von Poitiershin. Pierre Chambiges oder Jehan Faulchot dürfte an diesen Werkengearbeitet haben, an dem die französische Renaissance sich in ihrer vor-sichtigen, feinen Formensprache äussert.

Tafel 69. Troyes, Hotel Vauluisant.

In dem teils gotischen, teils 1564 errichteten Hause, das jetzt einekaufmännische Gesellschaft inne hat, ist einer jener schönen Kamine erhalten,wie sie die Prunkstücke der vornehmen Häuser Frankreichs bildeten. DieArt, wie er, in den Raum hineingezeichnet, ein Stück der Gesamtarchitekturbildet, dürfte neben der Feinheit der Formgebung den Architekten anregen.Auch dieser Kamin ist um 1 564 entstanden.

Tafel 93. Troyes, Hotel de Mauroy.

I )er Hof liegt versteckt, an der Rue de la Trinite Nr. 7. Diese läuft hinterder Vorhalle hin, die zur Linken auf unsrer Tafel zu sehen ist. Nur ein Thorund eine Anzahl Fenster durchbrechen die Umfassungsmauer des etwa 11 mbreiten und 31 m langen Raumes, während ihn nach dem Hof zu sechs Stein-pfeiler mit vorgelegten fein gegliederten Säulen abschliessen. Am Ende desRaumes findet sich eine Wendeltreppe, das Obergeschoss ist in Holz gebildet.Unter der Schieferbekleidung steckt wohl das alte Riegelwerk. Zur Rechtensieht man den ähnlich gebildeten Seitenflügel, der eine moderne Umgestaltungerfuhr. Gegenüber befindet sich ein spätgotischer Baurest. Der Hof hateine Breite von 9 7* m und wirkt in seiner Abgeschlossenheit, der Ruhe undZierlichkeit der Architektur, wie auch in seinem teilweisen Verfall ausser-ordentlich anmutend.

Tafel 93. Troyes, Hotel de Chapelaine.

Das in der Rue de Croncels gelegene Haus ist eine der liebenswürdigstenSchöpfungen der Erührenaissance, die freilich durch die Einfügung der Balkonsim 18. Jahrhundert eine Veränderung erfuhr. Auch das Thor ist nicht dasursprüngliche. Es dürfte der Bau um 1550 entstanden sein.

Wesentlich anders liegen die Verhältnisse im Südosten, namentlich inBurgund. Hier treffen zwar zahlreiche Einflüsse aus dem Pariser Schaffens-kreise, aus den Niederlanden wie aus Italien ein, das Grundwesen des Bauensbleibt aber den östlichen Grenzländern verwandter. Noch waren die FrancheComte, Bar, Lothringen, Toul, Metz, Verdun nicht dem französischen König-reiche einverleibt, bildeten vielmehr Pufferstaaten zwischen diesem und demdeutschen Reich.

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