Druckschrift 
1 (1896)
Entstehung
Seite
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Der tour du Tresau oder Tresor ist rechts neben dem Thore sichtbar.Der kleine Wirtshausgarten am Eingange zur Cite erstreckt sich rückwärtsbis auf die äussere Mauer des Wallgrabens. Die diesen überschreitendeBrücke deckt ein Zwingerbau, der mit einer breiten Rundbastion in Ver-bindung steht.

Von der porte Narbonne führt die Hauptstrasse durch die Cite unmittelbarzum Thor des Schlosses.

Tafel 78. Avignon, Brücke Saint -Benezet.

Die Brücke wurde 1177—1188 angeblich vom heiligen Benezet erbaut.Sie hängt wohl mit der Gründung des Ordens der Hospitaliers pontifes zu-sammen, die im 12. Jahrhundert erfolgte und als deren Leiter Benezet gilt.Das Werk ist aber zweifellos nicht in der kurzen Zeit von 11 Jahren errichtet.Hatte die Brücke doch gegen 900 m Länge bei nur 4 m Breite. NeunzehnBogen von eliptischer Form überspannten den Fluss und die zwischen seinenbeiden Armen liegende Insel. Inmitten des westlichen Armes machte dieBrücke einen Knick, angeblich um so besser dem Wasserdruck widerstehenzu können. Beide Enden waren durch starke Festungswerke gedeckt.

Sehr bemerkenswert ist die Konstruktion. Die Brückenjoche bestehenje aus 4 einzelgespannten Steinbogen von bis zu 33 m Spannweite. DieseAnordnung entspricht jener an altrömischen Brücken, so namentlich an derPont du Gard.

Erwägt man dabei, dass bei niederem Wasserstand heute noch die Bogen-ansätze einer niedrigeren Brücke an den Pfeilern beobachtet werden können,so erkennt man, dass Benezet wohl schwerlich die ganze Brücke neu gebaut,sondern dass er eine zerstörte antike Brücke wieder hergestellt hat, zugleichan dem alten Bauwerke lernend.

Die Kapelle auf dem zweiten Brückenpfeiler von der Avignoner Seiteist dem heiligen Nicolaus, dem Patrone der Schiffer, geweiht. Sie gehörtdem 12. Jahrhundert an und liegt 4,5 m unter der Brückenbahn. Erstim 14. Jahrhundert wurde sie in zwei Geschosse abgeteilt. Der Chorbaudürfte aus dieser Zeit stammen. Immerhin ist die Tieflage der altenKapelle bemerkenswert. Sollte sie aus einer Zeit stammen, in der Holz-überbau sich über die Pfeiler spannte, sollte sie mithin älter sein alsdie Bogen ?

Nur drei Joche der Brücke haben sich erhalten. Sie ragen als Stumpfhöchst malerisch in den Strom hinein.

Tafel 81. Cluny.

Unser Blatt ist nicht die Darstellung eines vorhandenen Stadtbildes,sondern es sind von den erhaltenen romanischen Wohnhäusern der Stadt diemerkwürdigsten in der Zeichnung zusammengerückt worden. Sie sind gegebennach Photographien von Nadar, Mieusement, Robert und eigenen Aufnahmen,sowie nach älteren photographischen und zeichnerischen Darstellungen.

Cluny, der Mittelpunkt des berühmten Benedektmer Mönchsordens, istheute ein Städtchen von 4500 Einwohnern. Die 1089 begonnene, 1095geweihte Abtskirche, deren Ruhm es war, St. Peter in Rom an Flächeninhaltzu übertreffen, ist 1801 —1811 so gründlich zerstört worden, dass fast nichtsvon ihr übrig blieb. Erhalten hat sich noch das Eingangsthor in demKlosterbezirk, das eine merkwürdige Übereinstimmung mit dem antikenTriumpfthor in Langres besitzt, mithin beweist, wie solche alte Reste aufdas 11. Jahrhundert wirkten. Doch sehen wir dieselbe Einwirkung in derZeichnung des Androuet du Cerceau (Tafel 15), der für seine Gallerie abermalsdas Vorbild von Langres wählt.

Antike Anregungen spürt man auch noch in den Pilastern und Säulender dargestellten Wohnhäuser, namentlich dort, wo sie einen Steinbalken stattder zumeist üblichen Rundbogen tragen.

Die meisten der dargestellten Häuser sind dem 11. und 12. Jahrhundertzuzuweisen.

Tafel 29 a. Mont Saint - Michel, La Merveille.

Es ist das herrliche Kloster inmitten der südöstlichen Ecke der Buchtzwischen Bretagne und Normandie schon unzählige Male beschrieben worden.Ich verweise vor allem auf Edouard Corroyers ausgezeichneten Guidedescriptif du Mont Saint-Michel« (Paris 1886), in dem der restaurierendeArchitekt des Klosters alle seine reichen Kenntnisse niedergelegt hat. Esgehört auch der ganze Apparat an Schnitten, Grundrissen und Aufrissendazu, um einigermassen eine Vorstellung von dem Bau zu geben, der denkegelförmigen Berg von ungefähr 900 m unterem Umfang und 78,60 mErhebung über den Meeresspiegel zum grössten Teil bedeckt.

Hier kann nur ein Stück des an Eigenart so unerschöpflich reichen Gruppevorgelegt werden. Nördlich legt sich an den Hügel, dessen Spitze die Abtei-kirche einnimmt, ein Bau von etwa 70 m Länge. Dieser sucht seinen Unter-grund an der Berglehne und gewinnt nach etwa 8 m Höhe den Fussbodenfür das erste Geschoss, den Keller und die Halle de l'Aumonerie; 7,5 mhöher liegt das zweite Geschoss. Über dem unteren, das nur io 1 /* m Tiefebesitzt, da es rückwärts aus dem Felsen herausgehauen werden musste, sindhier Räume gewonnen, von denen der westliche, die Salle des Chevaliers,bei vierschiffiger Anlage bis zu 20 m Tiefe erhält. Das östlich anstossendeRefektorium ist schmäler und nur zweischiffig. Der Rittersaal ist 8 m hochund trägt auf seinen schönen frühgotischen Gewölben den Kreuzgang, vondem unsre Tafel eine Ecke darstellt. An diesen stösst der mächtige Schlaf-saal (dortoir). Die jetzt verglasten grossen Öffnungen, die unsre Tafel rechtszeigt, sollten in einen im 13. Jahrhundert begonnenen, doch nicht ausgeführtenKapitelsaal führen. Jetzt öffnen sie die herrliche Aussicht nach Westen.Hinter dem Standort unsrer Aufnahme befindet sich die Mauer, deren Fensternach Norden blicken. Der First des Schlafsaales liegt etwa 42 m über denGrundmauern.

Dieser Riesenbau wurde 1203 begonnen und 1228 vollendet. Trotz derRaschheit des Baubetriebes fehlt es nicht an reizvoller Durchbildung.

Sehr merkwürdig i-t die Anordnung doppelter Säulenreihen als Trägerdes Pultdaches über dem Kreuzgange. Dadurch, dass die Säulen der einenReihe in der Achse der Arkade der andren Reihe stehen, ist dem Ganzen ein

Grundriss und Schnitt vom Kreuzgangauf der Merveille in Mont Saint-Michel.

schillernder Reichtum verliehen, der überaus reizend wirkt. An einem der inden Zwickeln der Arkaden angebrachten Reliefs erscheinen drei Männer, undüber ihnen die Inschrift Maitre Roger, Dom Garin, Maitre Jehan: Es sinddies wohl zweifellos die Namen der Architekten.

Tafel 60. Sens, Palais Synodal.

Der Sitzungssaal des Kapitels besteht aus 6 Jochen, deren jedes durchein grosses Masswerkfenster erleuchtet wird. Er wurde 123 1 erbaut, 1267nach dem Einsturz des benachbarten Turmes erneuert, 1850—1865 vonLefort restauriert.

An schlichter Grösse und wuchtiger Formgebung ist dieser Bau wohldie gewaltigste Schöpfung nicht rein kirchlicher Art in der französischenGotik. Hier gewinnt z. B. das Masswerk Abmessungen, wie sie selbst an dengrossen Domen wohl selten vorkommen.

Tafel 59. Cordes.

Auch hier, wie in Cluny, giebt die Zeichnung eine Gruppe von Häusernwieder, und zwar diesmal gotischen Stiles, die ^tatsächlich an Ort undStelle nicht so eng aneinander gerückt stehen. Die Unterlage für die1 Jarstellung boten Photographien von Mieusement und eigene Aufzeichnungen.

Das Städtchen Cordes liegt im Departement Tarne, in den Bergen nord-westlich von Albi. Es wurde 1222 vom Grafen Raimund VII. von Toulouse(f 1249) gegründet, der den Namen Cordes von Cordova entlehnte. Derreiche und lebenslustige Fürst wollte hier einen Hofhalt schaffen, der anGlanz jenem der Kalifen Spaniens gleich käme, zugleich aber auch seinerHerrschaft einen festen Halt geben. Die starken Bastionen, die zahlreichenBurgen und Wachttürme ringsum im Lande zeugen für den Ernst der Zeiten.Erst 1217 waren die Grafen von Toulouse als eifrige Albigenser mit Hilfespanischer Truppen wieder in Toulouse eingezogen, 1218 war der gewaltigeMontfort vor den Mauern der abtrünnigen Stadt gefallen. Der mit Rom ver-bündete Norden sammelte sich nochmals zum Anlauf gegen die Ketzer:Schon 1229 musste Raimund unter Rutenhieben seinen Glauben abschwören,um sich vom Bann zu reinigen.

Der Hof Raimunds bildet somit einen Nachklang der grossen Zeit derTroubadoure. Noch vergingen zwei Jahrzehnte der Ruhe, ehe mit der anLudwig IX. Bruder, Alfons von Poitou, verheirateten Tochter des letztenGrafen von Toulouse das Land an Frankreich verfiel. Dieser Zeit des be-ginnenden Einflusses des Nordens, dieser ernsteren, härteren Zeit gehörendie Bauten des jetzt so weltentlegenen, etwa 2000 Einwohner zählendenStädtchens an.

Tafel 132. Provins, Hotel Vauluisant.

Provins dankt seine Blüte den Grafen von Champagne; namentlich unterHeinrich dem Freigiebigen (-J- 1181) kam der dortige Markt in Blüte, gegen 3000Webereien füllten die Stadt, deren Einwohnerzahl sich im 13. Jahrhundert bis zu80000 hob. Von dieser Grösse bietet die heutige stille Landstadt nochmancherlei Zeichen: Neben den Kirchen die sehr merkwürdigen Festungs-bauten, die Kloster- und Krankenhausanlagen, die Schlösser in der burgartigenOberstadt.

Ein solcher Bau aus der Blütezeit ist das Hotel Vauluisant, das, wie esscheint, für die Cisterzienser des Stiftes Preuilly als städtischer Sitz errichtetwurde. Der grosse Saal im Hauptgeschoss, zu dem man über eine breiteTreppe hinaufsteigt, wird jetzt von der Stadt zu wirtschaftlichen Zweckenbenützt. Wie in Cordes erweist sich die Gotik hier als eine auch im Wohn-hausbau monumental denkende Kunst.

Tafel 105. Avignon, Chäteau des Papes.

Seit 1812 Avignon an den französischen Staat kam, ist das papstlicheSchloss, das schon im 18. Jahrhundert gelitten hatte, als Kaserne benutztworden. Man teilte die riesigen Stockwerkhöhen durch Balkenanlagen, ordneteneue Fenster an, entfernte baufällige Teile und vernichtete somit viel vonder alten Wirkung des riesigen Palastes.

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