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1 (1896)
Entstehung
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11
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strebende Steinhelm mit seinem vornehm ausgebildeten Eckturme und nachArt der Erkerfenster behandelten Mittelmotives giebt dem Bau in vollerKlarheit die Höhenrichtung.

Die bis zu 90 m Höhe aufsteigenden Helme gehörten freilich schonder gotischen Zeit an. Sie wurden zu Ende des 12. Jahrhunderts errichtet,während die Untergeschosse nicht lange nach der Gründung der Kirchedurch Wilhelm den Eroberer (1064) und nach dein Baubeginne durch denberühmten Bischof Lanfranc (1066) errichtet worden sind.

Tafel 79. Caen, Sainte-Trinite.

Zum Vergleich sei die Schauseite der grossen Schwesterkirche heran-gezogen, Sainte-Trinite. Absehen muss man natürlich von der oberenTurmbekrönung, die erst dem 18. Jahrhundert angehört. Der Treppenturmam Südturm zeigt an, wie die Blendarkaden des fünften Geschosses geplantwaren. Die Helme sollten erst über dem sechsten Geschoss sich erheben.Sie wurden aus militärischen Gründen abgetragen. Im Unterbau treten dieStrebepfeiler hier schon stärker hervor. Man erkennt die Absicht, der Schau-seite einen wirkungsvollen Aufbau zu geben, die Motive verschränken sich.Die Kirche, 1062 von der Königin Mathilde, Grälin von blandem, der Ge-mahlin Wilhelm des Eroberers gegründet, scheint nicht minder thatkräftigausgeführt worden zu sein, stellt aber einen Eortschritt in der Formengebungdar. ohne dass durch diesen eine grosse Wirkung erzielt wurde.

Beide Schauseiten sind durch den ausgezeichneten Kenner normannischerKunst, V. Ruprich-Robert, sorgfältig erneuert worden.

Tafel 154. Chartres, Cathedrale Notre-Dame.

Wenn man die Bürger von Chartres fragt, welcher der beiden Türmeihrer Kathedrale der schönere sei, wird das Urteil immer zu Gunsten desnördlichen, höheren ausfallen. Der Architekt wird dem nicht ohne weitereszustimmen. Er wird erkennen, dass der südliche Turm zwar in seinerWirkung durch nachträgliche Umbauten an seiner Umgebung geschädigt, ansich aber ein Meisterwerk ist. Der Westfassade fehlte unverkennbar früherdas gewaltige Radfenster, das erst das [3. Jahrhundert hinzufügte. Mandenke sich, wie schon erwähnt, als drittes Geschoss etwa die jetzt so hochemporgehobene Statuengallerie und darüber den Giebel, dessen Spitze bisin die Mitte der Fenster des dritten Turmgeschosses reichen würde, sowird sich für den Südturm eine ganz veränderte Wirkung ergeben. DasStreben der späteren Gotik, sich in der Höhenentwicklung zu überbieten, hatmanche der schönsten ihrer älteren Entwürfe schwer geschädigt. Manbraucht nur an das Münster zu Strassburg zu denken, um sich der Einwirkungder aufhöbe Türme ausgehenden Ruhmsucht des 14. und 15. Jahrhundertsklar zu werden.

Der Nordturm in Chartres ist einer jener Werke, die es zum vollendetenAusgleich zwischen lotrechter und wagrechter Linie brachten. Die Strebe-pfeiler machen, dass der Turm emporzuwachsen scheine, die Gurtgesimsebinden ihn fest zu einem geschlossenen Ganzen, der achteckige Helm iscmit höchster Meisterschaft mit dem quadratischen Unterbau verbunden. AlleTeile entwickeln sich ungekünstelt und mühelos von unten herauf. Mansehe z. B., wie die Säulchen an den Ecken des Achteckgeschosses durchähnliche im zweiten Turmgeschoss vorbereitet wurden.

Der Nordturm hat auch in seinen unteren Teilen Umgestaltungen erfahren.Den oberen baute zu Anfang des 1 5. Jahrhunderts der Dommeister Jean Texier.Er zog den ganzen künstlerischen Reichtum heran, um das alte Werk zu über-bieten. Die Feinheit in der Überschneidung aller wagrechten Linien, diedadurch erzielte Verknüpfung der einzelnen Geschosse zu einem einheitlichenAufbau, die Durchbildung der Einzelheiten zeigt überall den unbedingtsicheren Meister.

Der südliche Turm ist 106,5 m hoch. Er trägt am Ansatz der Turm-spitze die Inschrift Harmann Ml'LXIV. Sie dürfte auf Erbauer Bezug haben.Der nördliche Turm ist 115,17 m hoch.

Tafel 58. Villard de Honnecourt.

Die auf unserer Tafel wiedergegebene Zeichnung" stellt einen Teil desTurmes der Kathedrale von Laon dar. Dieser wird besonders augenfälligdurch die aus einer Eiale hervorschauenden Ochsen, die sich noch heutean der Kirche finden. Das zweite Blatt giebt den Grundriss.

Die gelehrten Herausgeber des Skizzenbuches von Villard de Honnecourt,der um 1250 lebte, haben den Namen dieses Mannes in hohes Ansehengebracht. Und gewiss ist er ein tüchtiger Künstler, ein aufmerksamerBeobachter gewesen. Aber unsre Blätter, die zu den sachlichsten unter denArchitekturzeichnungen gehören, lehren vor allem Eines: Nach solchenZeichnungen kann man im 20. Jahrhundert nicht bauen, und konnte es auchnicht im 13. Jahrhundert. Honnecourt war schwerlich mehr als ein gebildeterFreund der Architektur, der sich in die Schöpfungen Sachkundigerer mitLiebe vertiefte, der aber, wie namentlich der Turmgrundriss beweist, dieeinfache Konstruktion der Formen aus der Übereckstellung von Quadratenund Rechtecken nicht beherrschte. Sieht man sein Werk aus dieserÜberzeugung heraus durch, so findet man überall den ausgesprochenstenDilettantismus in architektonischer Beziehung.

Leider ist meines Wissens kein einziger Bauriss aus der Glanzzeit dermittelalterlichen Kunst in Frankreich erhalten. Ich glaube nicht, dass daszeichnerische Können unter dem der Niederlande im 14. und 1 5. Jahrhundertgestanden habe. Dort aber erhielten sich Zeichnungen, aus denen ein ganzandres Können herausspricht als aus jenen des Villard de Honnecourt. WennJan van Eyck auf seiner heiligen Katharine im Antwerpener Museum einengotischen Turm mit allen seinen Einzelheiten in vollendeter Form wiederzu-geben wusste, so half ihm dabei der Fortschritt der Zeit, an dem er selbstso mächtig mitarbeitete. Aber so gross ist dieser Fortschritt nicht gewesen,dass man annehmen könnte, 180 Jahre früher, in einer Zeit, aus der Glas-

malereien meisterhafte Darstellungen baulicher Einzelheit /u geben wussten,habe ein Architekt Profile, Kapitale, Knappen, Grundrissformen so unvollkommen dargestellt, als dies in dem berühmten Skizzenbuch geschieht.

Tafel 82. Poitiers, Cathedrale Saint - Pierre.

Die Kathedrale ist bekanntlich ein Hallenbau, die beiden Türme stehengesondert an der Westfront, sodass sie der äusseren und inneren Kntwickhing der ganzen Anlage Raum gewähren.

Die ruhige Grösse dieser Anlagen, die schlichte Gliederung durch feineBlendarkaden, die Monumentalität des ganzen Gedankenstritt dem Beschauerüberraschend entgegen. Der rechte (südliche) 'Turm zeigt die alten Fialenbei der i berführung ins Achteck, die am nördlichen Turm zu Ende des1 5. Jahrhunderts durchgeführt wurde. Er entspricht wenig der Formgebung,die der Unterbau fordert. Dieser gebort der Zeit um 1300 an.

Tafel 96. Lisieux, Cathedrale Saint - Pierre.

Die Westschauseite besitzt wieder das edle Brüderpaar zweier glänzendentwickelter Türme, die der ersten Hälfte des [3. Jahrhunderts angehören.Wenn schon die ansteigenden Linien den Bau unbedingt beherrschen, sofehlt doch das verfeinerte Zuspitzen in Kleingebilde, fehlen die 'Türmchenund Fialen, Wimberge und emporwachsenden Knaggen. Ist es doch dernormannische Granit, aus dem der Bau aufgeführt wurde.

Tafel 31. Coutances, Cathedrale Notre-Dame. ,

Unsre Tafel giebt die Chorausbildung und mit dieser den achteckigenVierungsturm der Kirche, le Plomb genannt, der 47,5 m Höhe erreicht, ob-gleich ihm der Helm fehlt. Vier schlanke Treppentürme umgeben denHauptbau, um diese wieder scharen sich die mächtigen Fialen an denGiebeln der Querschiffe und über den Strebepfeilern, während im Hinter-grund die Westtürme hervorragen. Die Frage über die Entstehungszeitdieses in seinem Ernste so wunderbar malerischen Gesamtbildes ist vielgestritten worden. Der Vierungsturm dürfte schwerlich vor 1250 in Angriffgenommen worden sein. Man vergleiche ihn mit dem alteren Bruder aufSainte-Trinite zu Caen (Tafel 79).

Tafel 106. Bayeux, Cathedrale Notre-Dame.

Zunächst eine Bemerkung! Die Bekrönung des Vierungsturmes der Kircheist modern. Im fahr 1857 unterfuhr der Ingenieur Flachat die sehr be-schädigten Vierungspfeiler und schuf somit die Möglichkeit, die Kirche zuerhalten und auszubauen. Man trug die zierliche Kuppel ab, die der ArchitektMoussard 1714 dort aufgeführt hatte, und setzte nun den gegen 80 m hohenHau an ihre Stelle. Alt ist aber der viereckige Unterbau, der von 1425,und das folgende achteckige Geschoss, das von 1477 stammt.

Hier ein Blick auf die Westtürme: Durch das stärkere Betonen derStrebepfeiler wird der Unterschied zwischen 1 leim und Untergeschoss mehrund mehr verwischt; der Bau wächst gewissermassen aus dem Boden heraus.Die Türme gehören der Mitte des 12. Jahrhunderts an.

Tafel 35. Caen, Saint-Pierre.

Die Pfarrkirche Saint-Pierre wurde im 14. Jahrhundert umgebaut, im15. Jahrhundert weiter ausgeschmückt, erhielt im 16. Jahrhundert von HectorSohier seinen berühmten Renaissancechor. Der Turm wurde 1308 begonnen.Er stellt die folgerichtige Fortentwicklung der 'Türme von Saint-Etienne dar:Die drei Obergeschosse und der Helm sind hier zur vollen Ausbildung gelangt.Aber jedes Geschoss erhielt eine Höhe, die die Breite etwa um das doppelteübertrifft, die lotrechte Gliederung wurde mit höchster Entschiedenheitdurchgeführt und damit die feine Entwicklung de,s Helmes meisterhaft vor-bereitet. Trotz dieser zarten Gliederung ist dem Turme nicht die stolzeMassigkeit lies normannischen Bauwesens genommen. Verzichtet er doch inden übergeschossen völlig auf die Gliederung durch Strebepfeiler.

Tafel 12. Tours, Cathedrale Saint - Gatien.

Der zufällige Umstand, dass ein Turm behufs Erneuerung eingerüstetwar, bot die Gelegenheit zu einer Aufnahme des Helmes auf seinem Zwillings-bruder. Dieser höchst merkwürdige Bau gehört der Frühblüte der Renaissancean. Geschaffen wurde er von drei Neffen des Michel Colombes: Bastien, Francoisund Martin Francois, 1507. Noch erkennt man am unteren Ende unserer 'Tafeldie Gotik, noch glaubt man in dem folgenden Geschoss Nachklänge romanischerBauweise zu spüren, noch werden manche Gedanken vom alten Stile herüber-genommen. Man sehe die eigenartigen Strebepfeiler und -bogen an derÜberführung vom Viereck zum Achteck, die Mischung der Motive in denGesimsen, die Knaggen an den schon kuppelartig gebildeten Abschlüssen derbeiden Laternen. Aber überall ist ein frischer Formsinn mächtig, der mitden ornamentalen Gedanken spielend umzugehen scheint und doch ein Meister-werk einheitlicher Wirkung bietet. Die Sorgfalt in der Durchbildung ver-lässt den Meister auch dort nicht, wo sein Werk kaum noch in den Einzel-heiten von unten gewürdigt werden kann. Denn die Türme, welche 1 547vollendet wurden, haben eine Höhe von 70 m.

Von der Höhe überblickt man die Stadt. Die moderne Kuppelkircheund die beiden alten Türme kennzeichnen die Stelle, wo einst die berühmteWallfahrtkirche Saint-Martin stand, die 1802 bis auf jene Türme zerstört wurde.

Eine Kirchenform, die dem Süden Trankreichs angehört und von hiernach Spanien hinübergreift, sei hier wenigstens in einigen Grundrissskizzendargestellt. Diese erheben nicht den Anspruch grösserer Genauigkeit, sondern

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