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ganze Obergaden mit dem Gewölbe gehören der gotischen Zeit an,ebenso die überwölbung der Seitenschiffe, die frühestens im 13. Jahrhundertzur Ausführung kam. Bemerkenswert ist, dass zur Ausführung der Ge-wölbe unter den Emporen diese höher gelegt werden mussten, als dieOberkante des Gurtgesimses. Wahrscheinlich war eben der Bau von 1015und wohl auch noch der von 104.0, in allen Teilen flach gedeckt. So er-giebt sich aus dem Blatte ein Bild der älteren Wallfahrtkirchen Frankreichs,ebenso wie der Versuche, diese in einer späteren, formengewandteren Zeitdem neuen Bedürfnis anzuschmiegen.
Der Vergleich mit S. Saturnin, namentlich hinsichtlich der Emporenanlage,liegt nahe. Man erkennt daraus, dass dort die Emporen dekorativ verwertetwerden, während sie in Keims vielleicht einst praktisch benutzt wurden. Jetztsind sie schwer zugänglich und ohne jede Bedeutung für den Gottesdienst.
Tafel 4, 102 und 128. Toulouse, Saint-Saturnin (Saint-Sernin).
Die berühmteWall-fahrtskirche für den
heiligen Saturninwurde seit der Mittedes 11. Jahrhunderts
errichtet.1096 weihte derBapst Urban II. den
Chor; das Schiffwurde im 12. Jahr-hundert hinzugefügtund im 13. Jahrhun-dert erneuert, wie esscheint, schon mitder Absicht, das Altenachzuahmen. Diawestliche Schausjitc bliebunvollendet, djr Vierungsturmgehört dem 12. und 13. Jahr-hundert an. Während der Folge-zeit erfuhr die Kirche mancherlei
Umgestaltungen; seit 1860leitete Viollet le Duc dieRestaurierungsarbeiten, die nun-mehr völlig abgeschlossen sind.Von den Umgestaltungen derspäteren Zeit erhielt Viollet leDuc nur die Verstärckung derden Vierungsturm tragendenPfeiler und Reste der innerenBemalung aus dem 17. Jahr-hundert bei, die man in denBogenleibungen auf Tafel 128noch findet, sowie einige Altäre.Neugeschaffen wurden von ihm
die oberen Abschlüsse derMauermasse, die Giebeldeck-
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platten, die Wasserspeier, bekrönenden Thürgestalten, die schwerlich derursprünglichen Auffassung des Baues entsprechen, vielmehr einen vorwiegendnordfranzösischen Grundzug haben.
Saint Saturnin ist eine lang gestreckte fünfschiffige Kirche mit aus-gedehntem dreischiffigen Querhaus, Umgang um den Chor, Kapellenkranz.I )ie Seitenschiffe haben Emporen, doch ist das Untergeschoss so hoch empor-gezogen (10 m), dass der Haupteindruck der Kirche der einer basilikalenAnlage ist. Irgend welchen lithurgischen Zweck haben die Emporen nicht.Sie sind nur durch enge Treppen zugänglich und werden zumeist geschlossengehalten. Eine Anteilnahme an dem Gottesdienst von oben aus zu ermöglichen,ist kaum beabsichtigt gewesen. Die i berwölbung der Kirche geschah in derArt, dass das Mittelschiff ein durch Gurten belebtes Tonnengewölbe, dieSeitenschiffe unter der Empore Kreuzgewölbe, über dieser halbe Tonnenerhielten, die äusseren Seitenschiffe wieder im Kreuzgewölbe überdeckt wurden.Doch findet sich auch hier eine Versteifung durch Strebebogen, denenStrebepfeiler an der Umfassungsmauer entsprechen.
Tafel 102 und 128 zeigen den Einblick in den nördlichen Querschifffiügelim unteren und oberen Geschoss.
In Tafel 4 ist das südliche Querschiff und der Chorbau zur Darstellunggebracht. Bemerkenswert ist die Verwendung des Hacksteines zur Herstellungder Mauermassen, während alle Kunstformen dem Hausteine vorbehaltenblieben. Dies ändert sich mit dem vierten Geschoss des Vierungsturmes,der eigenartige ganz in Ziegel hergestellte Formen zeigt. Diese wiederholensich in Toulouse am Turm der Franziskanerkirche (13. Jahrhundert) und derAugustinerkirche (131O begonnen, 1341 in Gebrauch genommen, 1550 teil-weise zerstört), ferner an der Kirche zu Rieux, zu Muret und andern Bauten derUmgegend, die während des 14. Jahrhunderts entstanden. Mir will scheinen,als seien hier spanisch-maurische Einflüsse massgebend gewesen.
Eine grundverschiedene Form haben die südfranzösischen Bischofs-und Stadtkirchen, liier herrscht der Grundgedanke der Saalbildung vor,des einheitlichen Raumes und dort, wo technische Bedenken gegen die Ein-führung einer einheitlichen Decke sprechen, tritt an Stelle des Saales die Halle,der Hau mit gleich hohen, oder doch annähernd gleich hohen Gewölbenüber den Schiffen, Die Hache Hecke scheint niemals in allgemeinemGebrauch gewesen zu sein.
Tafel 52. Toulouse, Cathedrale Saint-Etienne.
Die Kathedrale zeigt
den Zwiespalt zwischen
süd- und nordfranzö-sischer Kunst in über-raschender Schärfe.
Der ältere Teil ist die
schlichte Halle von 3
Jochen und mehr als
22 m Breite, die zu
Anfang des 13. Jahr-hunderts vom Grafen
Raymund VI. erbaut
wurde. Die Trennungs-gurte ruhten je auf 2
schlanken Halbsäulen,die jetzt vermauert
und teilweise fortge-schlagen sind. Die
Diagonalgurte sind imRundbogen, die
Trennungsgurte leicht
spitzbogig aus zwei
Kreisausschnitten ge-bildet. Sie zeigen keine
filierung. Von dem Fenster
hören nur die Gewände, 1
das Masswerk der alten Anlage anAn diesen feierlich ernsten
nur durch die Dekoration
Bildern, Chorgestühl, Kanzel
in seiner Wirkung beeinträch
Bauteil legt sich der 127
gonnene Chor im Stil der
französischen Kathedrale an
Tafel 27, 105 und 126. Avignon, Notre-Dame-des-Doms.
Die Metropolitankirche von Avignon soll bereits 326 vom BischofAventius gegründet worden sein.
Der sehr merkwürdige Vorbau, den Tafel 126 darstellt, reicht in einzelnenseiner Teile entschieden in diese Zeit, vielleicht noch weiter zurück. Diestattlichen, in das Mauerwerk nicht eingebundenen Säulen von etwa ö'/s m Höhesind sicher antiken Ursprunges, ebenso wie das Gesims (dem der alte Friesfehlt) und die Säulen und Bogenstellungen im Innern des Baues. Dieser entstandaber wohl erst als Ganzes aus den Resten von Tempelanlagen nach derFertigstellung der frühmittelalterlichen Kirche. Nicht antik sind die Quader desMauerwerks, die auch auf unserm Blatte sichtbare, grosse römische Buchstabenals Steinmetzzeichen führen. Ahnliche finden sich zu Villencuve-les-Avignon,in der jenseits der Rhone gelegenen Vorstadt, an einer Kapelle der heiligenCasarie, die dem 11. Jahrhundert angehören dürfte.
Notre-Dame-des-Doms, von der Tafel 27 die Innenansicht bietet, weist aufdas Ende des 11. Jahrhunderts hin. Es ist ein einschiffiger Saal, den eineleicht spitzbogige Tonne überdeckt. Fünf schwere Gurte teilen diese insechs Systeme. Die Gurte sind doppelt angeordnet, ruhen auf einem antikenVorbildern nachgeahmten, verkröpften Gesims und werden von Ffeilern ge-tragen, in deren oberen Ecken kleine, wohl teilweise von antiken Bauten ent-lehnte Säulen gestellt wurden. Die alten Bogenstellungen zwischen den Pfeilernsind nur noch am letzten Joch gegen den aus dem Zwölfeck geschossenen,schlichten Chor vollständig frei erhalten. Gerade diese Teile haben beieinem Anbau, der 1671 erfolgte, Umgestaltungen erfahren. Über demzweiten Joch wurde durch Einspannen von Bogen der Stützpunkt für dieVierungskuppel gesucht, die wohl auch nicht dem ursprünglichen Plane, docheiner früheren Zeit, sicher noch dem 12. Jahrhundert angehört.
Der Grundzug der schlichten Innenansicht dieser Kirche, die so lange denPäpsten als Gotteshaus diente, ist durch die Einbauten aus dem Anfang des18. Jahrhunderts sehr gestört worden, so anmutig die Empore an sich ist.
Der Turm über der Westfront (Tafel 105) ist nur in seinen unteren Teilenalt. Nach mehrfacher Zerstörung wurde er 1417 erneuert. Man erkennt nochReste der alten Gliederung in der Vorderseite. Die Turmbekrönung stammtvon 1832, die den Bau abschliessende Bildsäule der heiligen Maria in ver-goldetem Blei von 1859.
Tafel 2, 3 und 127. Angouleme, Cathedrale Saint-Pierre.
Die Kathedrale wurde durch den Bischof Gerard (1101 — 1 136) bald nachdem Regierungsantritt begonnen, am 18. Februar II 28 geweiht, und zwarwie es scheint, nachdem der ganze Bau in allen Teilen fertig gestellt wordenwar, da er sich eine merkwürdige Einheitlichkeit wahrte. Einbauten aus dem14., 15. und 17. Jahrhundert wurden seit 1856 durch die von Abadiegeleitete Restaurierung beseitigt, die 1869 zur Neuweihung führte.
Die Kirche ist einschiffig. Vier Kuppeln überdecken das Langhausund werden von starken, nach innen vortretenden Pfeilern und darüber vonkräftigen Bogen getragen. Die vorgelegten Gurte ruhen auf schlichten Halb-säulen. An den Schildwänden zieht sich eine Gallerie über einer dreiteiligenBogenstellung hin. Tafel 127 zeigt den Blick gegen Westen mit der barockenOrgelanlage und giebt Einsicht in den mit grosser Schlichtheit durchgeführtenGrundgedanken, der darauf gerichtet war, durch einfache Raumschönheit zuwirken.